Mit dem Chiphersteller Infineon legte gestern das letzte der 30 DAX-Unternehmen seine Ergebnisse vor.
Die Infineon-Aktie verzeichnete nach der Zahlenvorlage deutliche Einbußen und zählte mit einem Abschlag von 3% zu den größten Verlierern im DAX.
Erfolgreiches Geschäftsjahr 2010/2011
Das zurückliegende Geschäftsjahr 2010/2011, das im September endete, verlief für Infineon äußerst erfolgreich. Umsatz und Ergebnis erreichten neue Rekordwerte. So stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um 21% auf knapp 4 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis machte einen Sprung um 65% auf 786 Mio. Euro, die Gewinnmarge erhöhte sich auf 19,7%.
Daneben wurde der Gewinn aus den fortgeführten Aktivitäten von 312 Mio. Euro im Vorjahr auf nun 744 Mio. Euro mehr als verdoppelt. Unter dem Strich verdiente Infineon dank des Verkaufs des Mobilfunkgeschäfts 1,12 Mrd. Euro und damit rund 70% mehr als im Vorjahr.
Infineon stellt sich auf eine Abkühlung der Konjunktur ein
So viel zur Vergangenheit. Weitere Rekordzahlen sind von Infineon vorerst nicht zu erwarten. Der Chiphersteller stellt sich auf eine Abkühlung der Konjunktur ein. Während bei Autochips die solide Nachfrage anhält, stellt das Management vor allem bei Industriechips eine Investitionszurückhaltung der Kunden fest.
Gerade die Halbleiterbranche spürt eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Entwicklung in der Regel sehr früh, weil sie mit ihren Produkten viele unterschiedliche Industriezweige beliefern. Daher gilt die Entwicklung im Chipsegment auch als Gradmesser für die Gesamtwirtschaft.
Trüber Ausblick in die Zukunft
Der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2011/2012 fiel vor dem Hintergrund einer sich abkühlenden Konjunktur eher enttäuschend aus. Das Management geht davon aus, dass der Konzernumsatz um einen mittleren einstelligen Prozentsatz sinken wird. Die operative Gewinnmarge dürfte auf 10 bis 15% zurückgehen.
Für das laufende erste Quartal stellte Infineon einen Umsatzrückgang um etwa 10% und eine Gewinnmarge zwischen 13 und 14% in Aussicht. Ob für das abgelaufene Geschäftsjahr erneut eine Dividende ausgeschüttet wird, ließ das Unternehmen offen. Für das vorangegangene Geschäftsjahr hatte der Chiphersteller erst zum zweiten Mal seit der Ausgliederung aus dem Siemens-Konzern 1999 eine Dividende bezahlt.
Infineon-Aktie ist kein Schnäppchen
Mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 13 ist die Infineon-Aktie nicht unbedingt ein Schnäppchen, vor allem vor dem Hintergrund, dass eine mögliche weitere Eintrübung der wirtschaftlichen Entwicklung das sehr konjunkturabhängige Unternehmen besonders stark treffen würde. Die unterdurchschnittliche Dividendenrendite von 1,6% ist ebenfalls kein Kaufargument. Zumal die Ausschüttung bei einer schwächeren Konjunkturentwicklung keineswegs sicher ist.
Abwärtstrend hat Bestand
Daneben mahnt auch ein Blick auf die Charttechnik zur Vorsicht. Der übergeordnete Abwärtstrend ist ungebrochen. Nachdem die Notierung in den letzten Wochen mehrfach an der Widerstandszone bei rund 6,80 Euro gescheitert und in der Folge deutlich zurückgefallen ist, drohen weitere Einbußen. Bei der Infineon-Aktie überwiegen derzeit ganz klar die Risiken.



