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Inflation, Geldentwertung, Teuerung

Erst kommt die Inflation, dann die Teuerung

Die Inflation im Sinne der Geldentwertung ist der Grund und der Auslöser der nachfolgenden Teuerung.

Früher klare Unterscheidung

Bis 1950 war diese klare Begriffsunterscheidung Allgemeingut. Die von Milton Friedman eingeführte monetaristische Revolution hat die Begriffe jedoch bis zur Unkenntlichkeit miteinander vermischt. Wenn wir heute von Inflationsrate oder von Inflation sprechen, sind wir sprachlich erblindet.

Wir haben Mühe, Ursache und Wirkung von einander zu unterscheiden. Eigentlich müssten wir das Problem an der Wurzel packen. Doch was ist die Wurzel? Fragen Sie die Menschen auf der Straße, werden viele die Inflation benennen aber die Teuerung meinen.

Sie erkennen daran, wie anfällig uns dieser Sprachwirrwarr für Manipulationen und untaugliche Maßnahmen macht. Politiker fordern Preisregulierungen oder gar Verstaatlichungen. Sie zeigen mit dem Finger auf die vermeintlichen Preistreiber und machen damit Unschuldige zu Sündenböcken.

Inflation: Politiker verwirren Wahlvolk

Wenn Politiker wortgewaltig im Fernsehen „haltet den Dieb“ schreien und mit dem Finger auf Ölkonzerne, Milchbauern oder andere „böse“ Preistreiber zeigen, dann macht sich der Bock zum Gärtner und es werden anschließend Scheingefechte ohne Ende geführt. Scheingefechte, weil der wahre Zusammenhang nicht benannt wird und der ist, dass sich der Staat mit der Inflation vergleichsweise bequem auf Kosten seiner Bürger entschulden kann.

Ein offener Staatsbankrott wäre zwar ehrlicher, aber warum ehrlich sein, wenn das Wahlvolk auch lügende Politiker immer wieder in Amt und Würden wählt? Selbst in einer Hyperinflation werden die Schulden des Staates immer getilgt, zumindest nominell, denn der Staat versprach nicht das Kaufkraftäquivalent von 1.000 Euro zurückzuzahlen, sondern nur nominal 1.000 Euro.

Dass die Kaufkraft bedauerlicherweise gerade gegen Null geht, ist nicht das Problem des Staates, es ist allein das Problem seiner Gläubiger. Deshalb sind mir Gold und Silber lieber als die ach so beliebten Bundes“wert“papiere oder andere Staatsanleihen.

Der Unterschied liegt im Detail

Inflation und Teuerung gibt es, seit das Geld vorhanden ist.

Dennoch sind die beiden Begriffe beileibe nicht gleichzusetzen. Der Unterschied liegt oftmals im Detail.

Denn egal ob zur Finanzierung von Kriegen, der eigenen Hofhaltung oder einer Brot-und-Spiele-Politik: Immer wieder verringerten die Herrschenden den Wert des Geldes, um sich an ihren Bürgern schadlos zu halten.

Manipulation von Gold und Silber

Zunächst mussten dazu die umlaufenden Gold- und Silbermünzen manipuliert werden. Die Münzen verloren etwas von ihrem ursprünglichen Umfang und ihrer Dicke oder, was viel besser war, weil weniger offensichtlich: Man manipulierte den Feingehalt der Münzen, indem man unedlere Metalle wie Kupfer im großen Stil beimischte.

Aus hochreinem Gold wurde so im Extremfall vergoldetes Blech. Enthielt der römische Dinar unter Kaiser Augustus noch knapp 97% Gold, so waren es gut 300 Jahre später unter Kaiser Aurelian nur noch 2%. Es liegt auf der Hand, dass die Bürger dieses Schwundgeld absolut nicht mochten.

Inflation: Geldmenge wird künstlich aufgeblasen

Warum sollten sie auch? Denn schließlich stellte die Manipulation des Geldes durch den Staat einen massiven Eingriff in ihre Eigentumsrechte dar. Während so die Menge der produzierten Güter und Dienstleistungen nahezu gleich bleibt, wird die Geldmenge unaufhörlich aufgeblasen, lateinisch: inflare.

Der Begriff der Inflation meint also nicht, wie man uns immer weiß machen will, die Teuerung, sondern er steht für das ungerechtfertigte Aufblähen der Geldmenge durch die jeweils herrschenden Fürsten, Politiker oder Notenbanker.

Geldentwertung wirkt wie Steuer

Für den Bürger hat die inflationäre Geldentwertung den Charakter einer Steuer. Ein Beispiel aus dem Mittelalter belegt den Zusammenhang: Münzen wurden damals regelmäßig verrufen.

Das heißt, man zog sie aus dem Verkehr, reduzierte den Feingehalt und brachte sie als Neuprägungen wieder in Umlauf.

Der Unmut der Bevölkerung ob dieser Maßnahme veranlasste Herzog Rudolf IV. auf diese Quelle zur Einnahmensteigerung zu verzichten. Allerdings forderte der Herzog als Ersatz die Einführung einer Getränkesteuer von 10%. Deutlicher konnte der Zusammenhang zwischen Inflation und Steuer kaum zum Ausdruck kommen.

Teuerung ist von Inflation zu unterscheiden

Von der Inflation zu unterscheiden ist die normale Teuerung. Wenn beispielsweise nach einer Missernte die Kartoffelpreise steigen, dann verteuert sich die Ware aufgrund von Knappheit.

Fällt die Ernte im nächsten Jahr wieder normal aus, dann kommen auch in der Regel die Preise rasch wieder auf ihr normales Niveau zurück. Ob es sich um Teuerung oder Inflation handelt, erkennen Sie am Goldpreis.

Auf eine schlechte Kartoffelernte pflegt er nicht zu reagieren, während er bei einer nicht gedeckten Ausweitung der Geldmenge als feiner Indikator fungiert.

20. Juli 2009

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.