Über die strukturellen Inflations-Risiken als Folge der Immobilien- und Bankenkrise wurde bereits mehrfach gesprochen. Ganz aktuell gibt es weitere kurzfristige Inflationstreiber.
Zu nennen ist die geschwächte Inflations-Abwehr. Drohen am Markt Inflationsrisiken, haben in der Vergangenheit die Notenbanken die Zinsen deutlich erhöht.
Das bekannteste Beispiel aus der jüngeren Wirtschaftsgeschichte stammt aus den USA. Anfang der 80er-Jahre erhielt der legendäre USNotenbank-Chef Paul Volcker den Auftrag, die aufflackernde Inflation um jeden Preis zu bekämpfen. Volcker nahm den Auftrag an:
Die Leitzinsen wurden auf fast 20% erhöht. Dieser Zins-Schock löste zunächst eine konjunkturelle Schwäche aus, aber die Inflation wurde ebenfalls besiegt. Anschließend erlebte die US-Wirtschaft einen konjunkturellen Aufschwung.
Eine solche Radikalkur ist heute nicht mehr möglich. In den USA liegt der Schuldenberg bei über 14 Bio. US-$, in Deutschland bei über 2 Bio. €. Angesichts dieser Schuldenorgien sind starke Zinserhöhungen nicht finanzierbar.
Die Europäische Zentralbank (EZB) reagierte im April auf die aufflackernde Inflation im Euro-Raum mit einer Zinserhöhung von 1,00 auf 1,25%. Der Zielwert der „Zinswende“ soll bei rund 2,00% liegen.
Realistisch betrachtet sind Leitzinsen in Höhe von 2% aber kein Anti-Inflations-Programm, sondern noch immer „inflationsfreundlich“. Zinserhöhungen Richtung 4, 5 oder 6% können sich die Euro-Staaten aber nicht leisten – das weiß auch die EZB.
Die Notenbank kann nicht mehr auf die Inflationsbremse treten, sondern nur noch etwas Gas wegnehmen. Aber nicht nur die Schuldenproblematik sorgt für steigende Inflationsraten. Blicken wir auf die Wachstumsmärkte in Asien: Laut Commerzbank-Studie liegt die Inflationsrate in China aktuell bei 5,4% und in Indien sogar bei 8,9%.
Genau diese Länder liefern uns Waren und Dienstleistungen. Deutschland importiert also die Inflation aus den Wachstumsmärkten. Ein weiterer „Risikofaktor“ ist der Aufschwung in Deutschland.
Die Arbeitnehmer wollen nach Überwindung der Krise am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt werden. Lohnsteigerungen von 3 bis 4% sind in vielen Branchen sicherlich vom Leistungsprinzip her angemessen.
Man muss aber berücksichtigen, dass höhere Lohnkosten die Inflation anfeuern. Einen letzten Punkt können Sie täglich überprüfen, wenn Sie tanken und Lebensmittel einkaufen:
Die Preise für Öl (Benzin), Industriemetalle oder Agrarrohstoffe explodieren förmlich. Auch diese Entwicklung treibt die Inflationsrate nach oben.
Checkliste: So wählen Sie Inflationsschutz-Aktien aus
Doch wie können Sie sich konkret vor diesen Risiken schützen? Hier eine Checkliste für den Kauf von Inflationsschutz-Aktien:
Preissetzungsmacht
- Ist das Unternehmen Marktführer oder zumindest unter den ersten 3 seiner Branche?
- Steht das Unternehmen für bekannte Marken?
- Stellt das Unternehmen etwas her, was andere nicht bieten, was aber gebraucht wird?
Globale Präsenz
- Ist das Unternehmen mit seinen Produkten und Dienstleistungen weltweit vertreten (z. B. Procter & Gamble, Reckitt Benckiser, Nestlé)?
- Macht das Unternehmen jeweils maximal 50% Umsatz in einem Erdteil (Nordamerika, Europa, Asien, Afrika, Südamerika, Australien)?
Geringer Investitionsbedarf
- Ist das Unternehmen kein Hightech-Unternehmen?
- Hängt die Produktion nicht an erneuerungs- und wartungsaufwändiger Computer- und Robotertechnologie?
- Lassen sich die Produkte des jeweiligen Unternehmens auch auf Anlagen produzieren, die nicht so leicht veralten?
- Müssen jährlich maximal 40% des Cashflows (Mittelzuflusses) reinvestiert werden?
Geringer Verschuldungsgrad
- Liegt die Eigenkapitalquote bei mindestens 30%?
Unabhängigkeit vom Konjunkturzyklus
- Stellt das Unternehmen Güter des täglichen Bedarfs her oder bietet es unverzichtbare Dienstleistungen an?


