Mit dem Börsengang (IPO = Initial Public Offering) von Facebook wird ein neuer Börsengigant geboren.
Viele Stimmen, die der erwarteten Bewertung der Gesellschaft kritisch gegenüberstehen, erinnern an die Dotcom-Blase.
Denn zur damaligen Zeit konnte ein Unternehmen, welches nur in der Nähe zum Internet-Boom stand, astronomische Preise beim IPO aufrufen.
Zumeist waren es aber lediglich Geschäftskonzepte, die zum Zeitpunkt des Börsengangs noch keine nennenswerten Umsätze und Gewinne verbuchen konnten.
Allein die Aussichten auf unglaubliche Wachstumsraten hatten nahezu alle Privatinvestoren infiziert, was zu einer noch stärkeren Ausprägung der Überbewertungen geführt hatte.
In der Dotcom-Blase wurde viel Geld verbrannt
Es gab beispielsweise Börsengänge, die um das Vielfache überzeichnet waren und deren Aktienkurse sich schon bei der Erstnotiz mehr als verdoppelten. Trotz der immensen Summen, die von manchen Unternehmen eingenommen wurden, konnten viele Gesellschaften die ersten Jahre nicht überleben.
Die „Cash-Burning-Rate“ (Verbrauchsgeschwindigkeit der Liquidität) war dabei genauso immens wie das eingenommene Geld.
Eine nur geringe betriebswirtschaftliche Kenntnis, das Verschwenden von eingenommenen Geldern und nur unausgereifte Geschäftsmodelle waren die Ursache dafür.
Mit dem unweigerlichen Platzen dieser Blase hatten sich viele verbrannte Investoren vom Kapitalmarkt abgewendet. Zugleich wagten im Nachgang der Dotcom-Blase immer weniger Unternehmen den Gang an die Börse.
Wurden noch in den Jahren 1999 und 2000 insgesamt 122 Börsengänge getätigt, fiel diese Zahl in den folgenden beiden Jahren auf gerade einmal 18.
Auch in den darauf folgenden Jahren konnte an die IPO-Anzahl des Jahrtausendwechsels nicht angeknüpft werden. Lediglich im Jahr 2006, als die Börsenkurse wieder deutlich zulegten, stieg die Anzahl der Börsengänge auf 35.
Aktienkurse beflügeln Börsengänge
Hier wird auch der Zusammenhang zwischen Aktienkursniveaus und Börsengängen ersichtlich. So sind Unternehmen bestrebt, eigene Anteile an den Kapitalmarkt zu einem hohen Preis zu platzieren.
Das zeitliche Fenster zu treffen, welches eben diese Voraussetzung erfüllt, erweist sich dabei als reine Glückssache. Denn die Unternehmen müssen mit der Vorbereitung auf einen Börsengang zumeist 6 Monate vor einem IPO-Termin anfangen.
So hatten die Volatilitäten an den Börsen der letzten Jahre die Anzahl der Börsengänge deutlich gemindert. Allein zwischen 2008 und 2011 lag diese gemäß Statistiken des GoingPublic-Magazins bei lediglich rund 36. Das umgesetzte Volumen belief sich auf rund 4,5 Mrd. Euro.
Im Vergleich dazu nahmen die Unternehmen allein im Jahr 2000 etwa 18 Mrd. Euro ein.
Die IPO-Pipeline ist jedoch für das laufende Jahr gut gefüllt und viele Publikationen rechnen mit einer steigenden Anzahl von Börsengängen.
Besonders große erwartete IPOs, wie etwa Osram, Evonik, TyssenKrupp Steel oder der Wäschehersteller Schiesser, könnten als Eisbrecher fungieren.
Ingesamt stehen derzeit rund 22 Unternehmen in den Startlöchern. Damit könnte 2012 wieder ein starkes IPO-Jahr werden.



