Ist der Immobilienboom in der Schweiz zuende? Deutsche investieren weniger

Wer sich heute in Deutschland eine Immobilie kauft – gerade in überteuerten Regionen wie München – der hat die Immobilienblase zumindest im Hinterkopf. Was passiert, wenn der Boom einbricht, zeigt sich zur Zeit in der Schweiz.

Viele Deutsche investierten dort in den vergangenen Jahren mit Ferienhäusern in den Schweizer Franken. Doch der ist nun so stark, dass die Chalets deutlich an Wert verlieren.

Der Markt für Ferienimmobilien wechselt in Nachbarländer

Gerade in den Skigebieten boomte das Geschäft mit den Ferienimmobilien. Aber dieser Trend ist jetzt in die Nachbarländer verlegt worden, etwa vom schweizerischen Verbier ins etwa 60km entfernte Chamonix (Frankreich).

In Letzterem sind die Preise 2015 und 2016 um 8,4 Prozent gestiegen, in Verbier hingegen um 4,5 Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum sanken die Preise in St. Moritz um 6,5 Prozent, in Crans-Montana um 6 Prozent und in Davos um 3 Prozent. Und im zweiten Quartal 2016 büßten die Touristenorte insgesamt 3,8 Prozent ein.

Der Schweizer Markt war seit 2008 umworben

Seit der Finanzkrise 2008 investierten Deutschlands Privatanleger fleißig in Schweizer Zweitwohnsitze und konkurrierten dort am Markt mit Investoren aus ganz Europa und den USA, um den krisensicheren Franken auszunutzen. Gleichzeitig entstand eine zusätzliche Verknappung dadurch, dass die Eidgenossenschaft limitiert, wie viele Immobilien an Ausländer verkauft werden dürfen.

In der Folge stieg nicht nur der Kurs des Franken stark an, sondern auch die Immobilienpreise: In den letzten zehn Jahren war hier ein Plus zwischen 40,8% (Graubünden) und 58,8% (Tessin) zu verzeichnen.

Starker Franken hemmt Tourismus

Dass die Preise nun wieder sinken, wenn auch noch lange nicht in Höhe dieses Anstiegs, liegt zum einen daran, dass die Deutschen wieder mehr Urlaub in der Heimat machen. Und auch die Schweizer zieht es mit dem starken Franken eher ins Ausland. Denn der stieg seit 2008 von 0,60 auf 0,91 €.

Durch den starken Wertzuwachs der Immobilien versuchen nun viele Eigentümer, wieder abzustoßen. Gleichzeitig ist aber wegen des starken Franken die Zahl der Interessenten zurückgegangen, so dass die Immobilienbesitzer den Preis senken müssen.

Trotzdem liegen die Preise von Luxusimmobilien in St. Moritz noch zwischen 23.000 und 31.000 € – in Chamonix zwischen 7.000 und 10.000 €. Mit einer Million Euro Investment erhält man so in St. Moritz ein hochklassiges Appartement von gerade einmal 44 Quadratmetern, in St. Moritz ein ganzes Chalet von über 140 Quadratmetern.

Langfristige Marktprognose

Erstmals seit 1999 sinken die gesamtschweizer Preise für Wohnimmobilien wieder, laut Immoscout.ch sanken etwa die Angebotspreise für Wohnungen um durchschnittlich 2%. Der Markt für Ferienimmobilien könnte sich allerdings langfristig wieder erholen. Anfang 2016 steuerte die Schweiz gegen: Die Genehmigungen für Neubau in diesem Sektor wurde stark eingegrenzt.

Damit dürfte sich die Schere zwischen Angebot und Nachfrage wieder weiter öffnen. In der direkten Zukunft wird es vermutlich eher umgekehrt verlaufen: In den beiden Jahren vor dem Beschluss wurden noch schnell zahlreiche Appartementkomplexe errichtet. Experten prognostizieren kurzfristig weitere Preiseinbrüche. Wer kaufen möchte, sollte dies also bald tun, wer lohnenswert verkaufen möchte, noch etwas abwarten.

23. Oktober 2016

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Maria Schädlich
Von: Maria Schädlich.

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