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Iwan David Herstatt: Mit Devisenspekulationen in die Pleite

„Geldanlegen darf kein Glücksspiel sein“. Dieser Slogan der Kölner Herstatt-Bank klingt auch heute noch wie Hohn in den Ohren einiger Gläubiger. Denn die Herstatt-Bank und ihr Gründer Iwan David Herstatt hatten die größte Bankenpleite der Nachkriegszeit zu verantworten.

Der Kölner Privatbankier Herstatt war Gründer und Bankvorstand des gleichnamigen Bankhauses. Ihm wurde die als persönlich haftender die Hauptschuld an der Pleite der Privatbank gegeben: 4,5 Jahre sollte Herstatt für Devisenspekulationen ins Gefängnis gehen. Bis zu seinem Tode in 1995 bestritt er diese Vorwürfe und sah sich selbst eher in der Rolle des Opfers.

Der Devisenmarkt boomt auch bei Privatanlegern. Schwankende Wechselkurse und andere Risiken sollten jedoch bedacht werden. Der Devisenmarkt hat durchaus seine Tücken.

Iwan David Herstatt: Täter oder Opfer?

Ausufernde Devisenspekulationen, Manipulationen, aber auch die fehlende Regelungen zur Bankaufsicht bescherten der Herstatt-Bank den Konkurs.

Iwan David Herstatt, der die Bank als persönlich haftender Gesellschafter und Bankvorstand gegründet hatte, bestritt diese Vorwürfe sein Leben lang. Er machte die Händler des Devisengeschäfts der Bank für die Insolvenz verantwortlich und unterstellte ihnen die Verschleierung ihrer Taten.

Diese Behauptungen lies er der breiten Öffentlichkeit auch in seinem 1992 erschienenden Buch „Die Vernichtung“ zukommen.

Als Bankvorstand oblag Herstatt allerdings die Führung und Aufsicht der Bankgeschäfte, so hatte er sich auch vor dem Gesetz zu verantworten. Er wurde zu 4,5 Jahren Gefängnis verurteilt, musste die Strafe jedoch nie antreten. Nach dem Urteil ging Herstatt in Revision, die Haftstrafe verkürzte sich schließlich auf 2 Jahre auf Bewährung, später wurde Herstatt krankheitsbedingt für verhandlungsunfähig erklärt.

Devisenspekulation: Grund für Bankenschließung

Die Abhängigkeit der Herstatt-Bank vom Devisenhandel wurde sehr offensichtlich: In 1973 erwirtschaftete die Bank in anderen Bereichen einen Verlust von 14 Millionen DM (umgerechnet rund 7,16 Millionen Euro), der Devisenhandel brachte einen Gewinn von 48 Millionen DM (24,54 Mio. Euro).

Im Folgejahr kam es zu starken Kursschwankungen. 77 Millionen DM Eigenkapital der Bank standen Devisentermingeschäfte im Wert von 8 Milliarden DM gegenüber. Selbst bei sehr geringen (und für die Bank negativen) Kursschwankungen wäre Herstatt mit ihrem Eigenkapital nicht zu retten gewesen.

Diese Spekulationen führten schließlich zum Bankrott der Bank. 1974 wurde die Herstatt-Bank schließlich vom Bundesaufsichtsamt geschlossen.

Geldanlegen darf kein Glücksspiel sein

Nach dem Fall Herstatt änderte sich die Bankenlandschaft nachhaltig. Das Ansehen von Privatbanken sank, Einlagensicherungsfonds wurden eingesetzt (jedoch nicht verpflichtend) und die Bankenaufsicht verstärkt. Für Anleger bedeutete dies eine erhöhte Sicherheit ihrer Kapitalanlage.

Der Devisenhandel bleibt indes auch für Privatanleger interessant, ist jedoch eine eher spekulative Anlageform. Langfristige Prognosen sind kaum machbar. Somit gilt: Wer langfristig sein Kapital anlegen möchte, sollte sich besser anderen Anlageformen wie Aktien widmen.

Anleger, die kurzfristig und spekulativ ihr Kapital einsetzen wollen, müssen eine Auseinandersetzung mit dem Devisengeschäft nicht scheuen – sofern ihnen das Risiko bewusst ist.

7. Februar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sonja Hüsken. Über den Autor

Schon vor ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre beschäftigte sich Sonja Hüsken intensiv mit dem Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft und der Frage nach der richtigen Vorsorge. Immer im Fokus: Der Mehrwert der Information für den Leser.