von Rolf Morrien

Jetzt also doch: Schuldenschnitt soll Griechenland retten

Geplanter Schuldenschnitt: Die Besitzer von griechischen Staatsanleihen müssen zittern

Geplanter Schuldenschnitt: Die Besitzer von griechischen Staatsanleihen müssen zittern

Gestern habe ich Ihnen hier im Schlussgong beschrieben, warum Bank- und Versicherungsaktien plötzlich wieder bei einigen Investoren beliebt sind, heute folgt schon die Bestätigung: Die Finanzwerte treiben die Indizes in die Plus-Zone.

Der DAX gewinnt rund 1%. Tagessieger ist der einstige Dauerverlierer, die Commerzbank-Aktie. Heute gewinnt die Aktie knapp 10% zurück und nähert sich wieder der 3-Euro-Marke. Zumindest ein kleiner Trost für die Altaktionäre.

Sonderabgabe für Banken wohl kein Thema mehr

Thema des Tages ist natürlich der EU-Krisengipfel. Ergebnisse liegen zur Stunde noch nicht vor, aber erste Tendenzen sickern durch. So soll die Bankenabgabe als neue Finanzierungsquelle vom Tisch sein. Damit kann ich gut leben.

Diese Abgabe hätte bedeutet, dass solide Banken und Zocker-Banken den gleichen Beitrag zur Rettung Griechenlands leisten müssten. Das darf nicht sein. Wer sich vom hohen Zins-Kupon der Griechenland-Anleihen hat blenden lassen, soll jetzt auch zahlen. Die Banken, die dagegen solide gewirtschaftet haben, müssen nicht in Sippenhaft genommen werden.

Anleihen-Rückkauf geplant

Einig sind sich die Teilnehmer des Krisengipfels, dass der griechische Schuldenberg schrumpfen muss. 350 Mrd. Euro wird Griechenland niemals zurückzahlen können. Daher müssen die Besitzer der Schuld-Titel mit Einschnitten rechnen. Die Besitzer der alten Argentinien-Anleihen kennen dieses unschöne Gefühl.

Griechenland wird wahrscheinlich aus verschiedenen Töpfen Geld erhalten und kann damit eigene Staatsanleihen deutlich unter Nominalwert zurückkaufen. So schrumpft der Schuldenberg.

Allerdings ist diese Lösung nicht der große Wurf. Ohne Zwangsmaßnahmen werden nicht viele Investoren freiwillig verkaufen. Wie hier im Schlussgong bereits vor einigen Tagen beschrieben: Wer nicht verkauft, kann darauf hoffen, dass die Schuldenkrise entschärft wird und die restlichen Anleihen zu 100% zurückgezahlt werden.

Die Konsequenz: Griechenland ist offiziell zahlungsunfähig

Der systematische Rückkauf unter Nominalwert wird wahrscheinlich zur Folge haben, dass die Rating-Agenturen von einem Zahlungsausfall in Griechenland sprechen werden. Die Agenturen haben die Latte hoch gelegt:

Wenn Anleihen nicht in voller Höhe, fristgerecht und mit Zinsen zurückgezahlt werden, gilt das als (begrenzter) Zahlungsausfall. Wenn die Rating-Agenturen diese harte aber formal korrekte Linie durchziehen, ist völlig offen, wie der Kapitalmarkt darauf reagiert.

Der große Verlierer: Die Europäische Zentralbank

Vor einer großen Niederlage steht auch die Europäische Zentralbank (EZB). Noch vor wenigen Tagen hat EZB-Chef Trichet bekräftigt: „Wir sagen Nein zu einem begrenzten Zahlungsausfall oder einem Kreditereignis. Punkt.“

Wie ich jetzt aus Brüssel höre, ist das Veto der EZB aufgehoben worden. Wieder einmal eine Niederlage für die nicht mehr ganz so unabhängige Notenbank. Mittel- und langfristig eine schwere Last für den Euro.

Der Euro hat lange Zeit von der starken Stellung und vom guten Ruf der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank gelebt. Aus diesem Bonus wird zukünftig ein Malus. Ich kann mir nicht vorstellen, wie die EZB das Vertrauen wieder neu gewinnen kann.

Morgen lesen Sie im Schlussgong, welche Konsequenzen der Fall Griechenland für die Kapitalmärkte hat.

 
 
Bildquelle: Digipic - Fotolia

Autor:

Rolf Morrien

Rolf Morrien spricht auch unangenehme Wahrheiten aus, findet jedoch immer die passende Antwort, egal in welcher Börsenphase. Lesen Sie seinen Newsletter gratis: Morrien's Schlussgong