Liebe Leser,
die aktuelle Korrektur an den Märkten hat auch einmal mehr die Versorger betroffen. RWE und E.ON verlieren weiter an Wert.
Aber die aktuelle Verkaufspanik spart eigentlich keine Branche aus. Durch die Bank geht es auch heute weiter kräftig nach unten.
Aber die großen Versorger stechen doch aus der Masse der Aktien heraus: In Sachen Dividende glänzen jedoch beide Werte derzeit.
So liegt die aktuelle Dividendenrendite bei E.On bei 8% auf Basis der Ausschüttung aus dem vergangenen Jahr. Bei RWE liegt die Rendite sogar bei mehr als 9%. Aber das wird wohl nicht mehr lange so bleiben. Es gibt immer mehr Gerüchte, dass beide Versorger die Ausschüttungen für das laufende Geschäftsjahr kürzen werden.
So ist bei E.ON eine Kürzung auf 1,00 Euro möglich, nachdem zuletzt noch mindestens eine Ausschüttung von 1,30 Euro in Aussicht gestellt worden war. Bei RWE geht es auch um eine Kürzung im Bereich von 30%.
Noch ist jedoch nichts offiziell. Aber selbst mit Dividendenkürzungen von einem Drittel sind die Ausschüttungen bei den deutschen Versorgern noch interessant. Die große Frage ist allerdings: Wie weit kann es mit den Kursen noch nach unten gehen?
Bei E.On sind wir aktuell mit einem Kursniveau von etwas mehr als 17 Euro auf dem niedrigsten Stand seit dem Frühjahr 2004 angelangt. Das ist bei RWE mit einem aktuellen Kurs von 32 Euro ähnlich.
Allein in diesem Jahr hat E.ON 22% an Wert verloren und RWE sogar schon 32%. Und schon 2010 gehörten diese Aktien zu den schwächsten Titeln im DAX. Die Kette der negativen Nachrichten ist aber auch in diesem Jahr nicht abgerissen. Und das größte Problem ist sicherlich der nun beschlossene Atomausstieg in Deutschland.
Bei RWE steht am kommenden Montag eine Sitzung des Aufsichtsrats an, auf der es auch um eine mögliche Dividendenkürzung gehen könnte. Insofern könnte es hier schon in den nächsten Tagen Klarheit geben. Bei E.ON gibt es am kommenden Mittwoch die Zahlen zum 2. Quartal – auch dies ein möglicher Anlass, um etwas zur möglichen Ausschüttung zu sagen.
Bei RWE gibt es die aktuellen Zahlen dann am Donnerstag. Das sind ohne Frage sehr spannende Termine,
Bei diesen Voraussetzungen kann sich der Blick ins Ausland lohnen. Ein attraktiver Wert den auch viele Analysten zum Kauf empfehlen ist Verbund AG aus Österreich. Hier hat es schon im vergangenen Jahr eine Kürzung der Dividende gegeben. Bei einem deutlich gesunkenen Gewinn hat der österreichische Versorger die Dividende von 1,00 auf 0,55 Euro gesenkt. Gleichzeitig sank so auch die Ausschüttungsquote von rund 59% auf nur noch 47%.
Hier bietet E.ON ganz klar eine sehr viel größere Kontinuität: Seit 2008 beträgt die Ausschüttungssumme 2,85 Mrd. Euro – und das in Zeiten stark schwankender gewinne. So sank der Jahresüberschuss von 2009 auf 2010 um 30%, aber die Dividende blieb stabil.
Auf dem aktuellen Niveau von gut 17 Euro notierte die E.On Aktie zuletzt im Frühjahr 2004. Aber in einer solchen Panik wie in diesen Tagen ist auch klar: Es kann in de kommenden Tagen noch weiter nach unten gehen. Eine ernsthafte Prognose ist da kaum möglich. Für den langfristigen Einstieg kann sich dieses Abwarten bei Qualitätsaktien noch lohnen.
Vor allem da bei beiden deutschen Versorgern in den nächsten Tagen die aktuellen Bilanzdaten auf dem Programm stehen.
Ein schönes Wochenende
wünscht Ihnen
Heiko Böhmer
Chefredakteur „Privatfinanz-Letter“



