von Janne Jörg Kipp

Kapitalerhalt in Gefahr - Trost bei Blick auf die Börse

Sicherheit kostet Geld.

Thema "Kapitalerhalt": In der vergangenen Woche ist die Luft für Staatsanleihen noch dünner geworden. Schlecht vor allem für Lebensversicherungen, die zusätzlich durch eine Studie belastet werden.

Wer sich in den vergangenen Tagen über die Aktienbörse geärgert hat, kann sich jetzt zum Wochenende entspannt zurücklehnen...trotz der Gefahr im Bereich Kaptialerhalt. 

Wenn Sie für Ihre Vorsorge auf Aktien setzen, müssen Sie sich über das Hin und Her ärgern. Die eigentliche Zeitbombe aber spielt sich bei Lebensversicherern ab, legt eine Studie dieser Woche nahe.

Studie zeigt: Spitzenreiter bringt künftig 4,9% pro Jahr - maximal

Wenn Sie die Geschehnisse der vergangenen Woche richtig einordnen wollen, genügt hier der Schritt zur Seite. Laut einer Studie, die mir hier vorliegt, beträgt die Rendite für Kunden von Lebensversicherern. Jedenfalls dann, wenn Sie als Neukunde einen Vertrag unterschreiben würden. 

Diese Daten des Analyse-Hauses Morgen&Morgen, aktueller Stand, zeigen die vergangenen Renditen von 2005 bis 2009 sowie die aktuell erwarteten künftigen Renditen für dieeinzelnen Gesellschaften.

Renditeerwartungen für Versicherungen und Versicherte

   

Die Daten belegen, wie schlecht die künftige Verzinsung sein wird. Nach Inflation bleibt nicht viel übrig.

Inflationskalkül bleibt noch außen vor

Wenn Sie eine der vorgenannten Versicherungen als Vertragspartner haben, können Sie diese Daten verwenden. Die Analysten von Morgen&Morgen haben am Markt einen guten Ruf und liegen mit ihren Schätzungen sicher nicht weit daneben.

Es ist systemlogisch, dass die Daten so schlecht ausfallen. Inzwischen hat der Gesetzgeber in Deutschland die Versicherungsgesellschaften noch stärker als bislang in ein Anlageschema gepresst. Grund dafür sind auch die Ereignisse der vergangenen Woche, um den Bogen wieder zu spannen.

Sicherheit zu Lasten Ihrer Vorsorge - Fakten zum Kaptialerhalt

Um Ihnen als Investor die größtmögliche Sicherheit zu bieten und zu erhalten, hat der Gesetzgeber die Versicherungen ähnlich harten Regeln unterworfen wie Banken. Versicherungen dürfen das Geld demnach in erster Linie nur nach vorgegebenem Muster je nach Risiko investieren. Das “BAFIN” hat kürzlich der Sicherheit “höchste Priorität” verordnet.

Versicherungen dürfen demnach nur noch maximal 15% in Banken investieren. Immobilienfonds dürfen nur dann noch im Portfolio der Versicherer landen, wenn diese über hinreichend liquide Mittel verfügen - für zumindest die kommenden 6 Monate.

Faktisch unbegrenzt jedoch sind noch Investitionen in Staatsanleihen möglich. Diese gelten als “sicher”. Genau dies ist seit der vergangenen Woche aber eine kleine Falle. Schließlich sind in den so genannten “PIIGS”-Staaten Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien mehr als 8,5% der Kundengelder investiert, meldet die “BAFIN”.

Sicherheit immer teurer

Eine unmittelbare Gefahr für Lebensversicherungen erwarte ich auch nach den jüngsten Tagen nicht. Nur steigt der Abschreibungsbedarf in geringem Ausmaß an. Schlimmer jedoch sind die langfristigen Auswirkungen. Versicherungen geben Ihnen eine Garantiezins, wenn Sie eine Kapitallebensversicherung abschließen.

Da die Schwankungen am Markt bereits zunehmen, werden die Sicherheitsinstrumente für Versicherungen immer teurer. Dies ist die erste Botschaft der jüngsten Ereignisse. Zudem aber müssen Versicherungen auch die Absicherung für Staatsanleihen immer teurer bezahlen.

Vorab wurde jetzt bekannt, dass die Absicherungsmaßnahmen der Versicherer tatsächlich zunehmen - und damit teurer werden. Eine weitere Studie, diesmal aus dem Haus “Feri Eurorating Services”, wird dazu in wenigen Monaten erscheinen.

Chef von Ergo-Leben: 93% in Zinspapiere

Um den Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden, wird etwa die “Ergo-Leben” nach Angaben ihres Vorstandsvorsitzenden von Borries künftig 93% des Kapitalanlage-Vermögens in Zinstitel investieren.

Meine Meinung: Zunehmende Kosten auf der einen Seite für die Sicherheit, der staatlich geförderte Zwang auf der anderen Seite, in “sichere” Staatsanleihen zu investieren werden die Rendite bestenfalls auf dem hier angegebenen und bewerteten Niveau führen. Ich rechne sogar mit geringeren Rückflüssen für Sie und Ihre Vorsorge.

Wer ist die tickende Bombe?

Daher hat auch die vergangene Woche erneut nur den Versicherungsgesellschaften und ihren Vertragskunden geschadet - und der Chance auf eine vernünftige Vorsorge. Aktien werden wie oft im “Neuen Deutschen Geldanlagebrief” und dem “Deutschen Wirtschaftsbrief” beschrieben höhere Renditen abwerfen. Substanz ist gefragt.

Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass die Zeitbombe weniger bei Aktien tickt, als vielmehr für Lebensversicherer. Eine Katastrophe für die Vorsorge.

Noch aber bleibt die Chance, günstig in Aktien zu investieren. Diese gute Nachricht nehmen Sie mit in ein hoffentlich erholsames Wochenende,

Sie können Lebensversicherungsverträge ruhen lassen und müssen diese nicht kündigen. Wenn Sie von Versicherern hingegen weiter profitieren möchten, trösten Sie sich mit der weiterhin hohen Neigung in Deutschland, angeblich “sicher” in Lebensversicherungsverträge zu investieren.

Unter diesem Gesichtspunkt ist eine Aktie wie “Allianz” ideal - ebenfalls auf der Empfehlungsliste des “Neuen Deutschen Geldanlagebriefs”. 

 
 
Bildquelle: Bertold Werkmann - Fotolia

Autor:

Janne Joerg Kipp

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage. Aktuelle Hinweise und Empfehlungen zur Vorsorgeoptimierung erhalten Unternehmer und Entscheider im kostenlosen Newsletter Wirtschaft Vertraulich.