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Kapitalerträge: Kirchensteuer auf Zinsen wird 2015 Pflicht

Wer einer eingetragenen Religionsgemeinschaft angehört, der muss Kirchensteuer zahlen. Das war und ist bekannt, auch Klein- und Privatanleger stellen dabei keine Ausnahme dar.

Doch im nächsten Jahr tritt eine wichtige finanzrechtliche Änderung in Kraft: Der Einzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge über die Banken wird zur Pflicht für alle Anleger.

Die bisherige Situation war so: nur die einheitliche Zinsabgeltungssteuer auf Einkommen wurde direkt von den Geldinstituten einbehalten und ans Finanzamt weitergeleitet.

Mitgliedern einer eingetragenen Religionsgemeinschaft war es bislang selbst überlassen, ob und wie sie diese Information den Finanzbehörden mitteilen wollten.

Die Entscheidung über die Methode der Kirchensteuerabgabe für Anleger entfällt

Eine Möglichkeit war, die eigene Konfession direkt in der Steuererklärung anzugeben. Andernfalls konnte man seine Kirchenmitgliedschaft auch formlos der eigenen Hausbank mitteilen.

In jedem Fall hatten Sparer und Anleger bisher das Recht, selbst zu entscheiden, ob sie die Abgabe der Kirchensteuer auf Kapitalerträge direkt durch ihr Geldinstitut (Bank, Versicherung oder Fondsgesellschaft) vornehmen lassen wollten. Oder ob sie den Abzug eben selbst über die Einkommensteuererklärung regeln wollten.

Durch die gesetzliche Änderung, die ab 2015 in Kraft tritt, wird dieses Wahlrecht entfallen. Stattdessen sollen die Banken dazu verpflichtet werden, sich die Information über die Konfessionszugehörigkeit ihrer Kunden selbst zu besorgen.

Dazu müssen die Banken regelmäßig zwischen dem 1.9. und 31.10 das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) kontaktieren und müssen die Unterlagen ihrer Kunden um einen entsprechenden Zusatz ergänzen. Dieser Vermerk gibt dann die eventuelle Religionszugehörigkeit und den jeweiligen Steuersatz an.

Berechnung: Kirchensteuer auf Zinserträge

Ein Beispiel: Die Kirchensteuer in NRW beträgt 9% und wird als Quellensteuer direkt von eingehenden Kapitalgewinnen abgezogen. Angenommen ein Anleger ist an einem Fond beteiligt, der am Ende des Jahres 2.000 € an Zinserträgen einbringt.

Abzüglich des Sparerfreibetrags von 801 Euro (für gemeinsam veranlagte Ehepartner 1.602 €) bleiben also noch 1.199 €. Dann wären 293,15 € Kapitalertragssteuer und 26,38 € Kirchensteuer zu zahlen, zusammen also 335,66 € was einem Steuersatz von 16,78% entspricht.

Wichtig: An der Höhe der Abgabe ändert sich durch die neue Regelung nichts. Niemand muss nun doppelt Kirchensteuer bezahlen oder dergleichen. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass die Abgabe in Zukunft immer sofort von der Bank einbehalten werden soll.

Änderung beim Kirchensteuerabzug: Banken müssen die Abgaben direkt einbehalten

Man sieht also: Im Vergleich zu den allgemeinen Abgaben fällt die Kirchensteuer kaum ins Gewicht. Der einfachste Weg zur Umgehung ist natürlich der Austritt aus der Glaubensgemeinschaft. Wer aber als gläubiger Christ in Deutschland der Konfession angehört, wird von der Institution dann auch zur Deckung ihrer Ausgaben und Kosten herangezogen.

Die gesetzliche Änderung beim Kirchensteuereinzug wird schrittweise umgesetzt werden. Schon ab diesem Jahr sollen Banken beginnen, ihre System zur Abfrage der Konfessionszugehörigkeit beim Finanzamt umzustellen. Ab 2015 ist die direkte Abgabe der Kirchensteuer auf Kapitalerträge dann endgültig Pflicht.

Automatischer Kirchensteuerabzug: Widerspruch bei der Bank ist möglich

Eine Möglichkeit des Widerspruchs gegen diesen Informationsaustausch besteht allerdings:  Anleger können sich ein Formular zum Sperrvermerk besorgen und es ausgefüllt und unterschrieben an die eigene Hausbank schicken. Dadurch unterbinden sie die automatische Abfrage der eigenen Kirchenmitgliedschaft.

Aber Achtung: Angaben über Einnahmen durch Kapitalerträge und die entsprechenden Kirchensteuerabzüge müssen in diesem Fall natürlich weiterhin selbstständig an das Finanzamt übermittelt werden, ansonsten gilt es als Steuerhinterziehung.

21. Februar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.