von Jan Aalto

Kapitalschutz und Rohstoff: scheinbar sichere Renditen

Kapitalschutz "brutto".

Rohstoffe sind eine sinnvolle Geldanlage - nur nicht als Zertifikat-Korb.

Investieren Sie in Rohstoffe und risikieren Sie dabei nichts. Dies ist der Traum:

Barclays Capital versucht, diese Idee in einem Zertifikat wahr werden zu lassen. Denn:

Rohstoffe sind aufgrund ihrer Schwankungen prädestiniert, hohe Gewinnzuwächse zu schaffen. Wenn Sie als Investor zusätzlich nichts verlieren sollten, sieht dies ideal aus. Das einzige Problem: Es wird beim Wunschtraum bleiben. 

Denn: Das Zertifikat verspricht Kapitalschutz und ist doch eine einzige Kapitalgefahrenquelle. Wir können Ihnen wie bei Garantie-Anleihen schon gewohnt nichts anderes dazu sagen. Beachten Sie die Auswirkungen der Bedingungen auf Ihre Rendite.

"Schutz" ohne Inflationsbetrachtung...

Der Schutz funktioniert wie bei solchen Garantie-Anleihen üblich ohne die Berechnung der Inflation. Das Zertifikat läuft bis zum 17.7.2017, also noch gut fünf Jahre. Das heißt:

In der Zeit wird Geld allen üblichen Kalkulationen nach - und unter Berücksichtigung des Zins- und Zinseszinseffektes - ungefähr 20% weniger wert sein. Vorausgesetzt es geht alles gut....

Das bedeutet, dass die Rückzahlung von 100% des ursprünglichen Geldeinsatzes faktisch das Kapital um 20% verringert. Sie gewinnen nur bei steigenden Kursen.

Beteiligung gedeckelt

Faktisch aber ist - auch das ist bei Garantie-Anleihen dieser Art in der Regel üblich - Ihre Gewinnbeteiligung nach oben gedeckelt. Das heißt:

Legt das Zertifikat über einen bestimmten Betrag hinaus zu, erhalten Sie eine jetzt schon bekannte Obergrenze. Daher lohnt sich der Blick auf die Einzelbedingungen.

  • Diese Schuldverschreibung bezieht sich auf einen Rohstoffindex. Der bildet Edelmetalle ab, Industriemetalle, Energie, Agrarrohstoffe sowie Lebendvieh.
  • Wichtig ist, dass auch die Gewinnbeteiligung erst zum Laufzeitende abgerechnet wird. 
  • Das bedeutet: während der Laufzeit können Sie das Zertifikat an der Börse handeln. Der Preis aber wird in der Regel deutlich unter dem sein, was die einzelnen Rohstoffe hergeben würden. Die Börse bewertet zumeist die Bindung an Laufzeiten negativ.
  • Die Gewinnbeteiligung liegt bei - etwa 55%. Das heißt: 55% möglicher Kurszuwächse gehören Ihnen. Das ist zu wenig.

Nachgerechnet: 55% Gewinn - zu wenig

Innerhalb der genannten fünf Jahre 55% Gewinn zu erwirtschaften bedeutet nach Zins- und Zinseszins etwa 9% Rendite geschafft zu haben - im absoluten Maximalfall.

Schießen die Rohstoffe aber deutlich stärker nach oben, müssen Sie auf die Zusatzrendite verzichten. Das hat Konsequenzen: auch hierbei müssen Sie die Inflationsgefahr ausbremsen.

Beträgt die Teuerungsrate nur 3% jährlich, sind dies - Zins- und Zinseszins mitgerechnet - etwa 20% nach fünf Jahren. Vom Zertifikat-Gewinn bleiben damit ganze 35% übrig. Beachten Sie: dieser Gesamtgewinn wäre immer noch nicht versteuert. 

Nach Steuern sieht die Rechnung noch einmal anders aus. Auf den "Brutto"-Gewinn von 55% müssten Sie 25% Abgeltungssteuer plus Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag zahlen. Das sind ungefähr 16%-Punkte.

GeVestor meint: Von den netto 35% bleiben nach Abzug der Steuern im Maximalfall 19% Nettogewinn. Bezogen auf gut fünf Jahre verdienen Sie damit - maximal - 3% netto pro Jahr. Das ist zu wenig. 

Kaufen Sie stattdessen einzelne Rohstoffe - oder Zertifikate hierauf. Ein Beispiel ist "Öl" - der Preis wird künftig automatisch steigen. 

 
 
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