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Kapitalverkehrskontrollen: Kapitalabfluss um jeden Preis verhindern

Die harten Verhandlungen mit dem verschuldeten Griechenland und das Ringen um dessen Verbleib bzw. Ausstieg aus der Eurozone beinhalten auch drastische Maßnahmen zur Stabilisierung des Landes. Eine von diesen Maßnahmen ist die so genannte Kapitalverkehrskontrolle.

Der Begriff selbst klingt drastisch – und kann es auch mitunter sein. Daher sollten Anleger und vor allem private Sparer wissen, was diese Maßnahme genau bedeuten kann und wie sie funktioniert.

Massiver Kapitalabfluss führt zur Destabilisierung des Landes

Kapitalverkehrskontrollen können dann ins Spiel gebracht werden, wenn die Stimmung der Bevölkerung in einem Land in finanzielle Unsicherheit oder gar Panik umschlägt.

Sobald nämlich die Bürger eines Landes das Vertrauen in die Banken und die Regierung verloren haben, ihr Geld sicher und verlustfrei zu verwahren, versuchen sie natürlich, zu retten was noch zu retten ist.

Die Folge: Zehn- oder gar Hundertausende von Bürgern stürmen die Banken und Geldautomaten und heben so viel Bargeld ab wie nur möglich.

Dadurch entsteht jedoch die Gefahr eines Banken-Kollapses, spätestens, wenn das Geldinstitut nicht genügend Bargeldreserven mehr hat, um alle Auszahlungen durchführen zu können.

Aber auch der massenhaft digitale Abfluss von Giralgeld ins Ausland, zum Beispiel auf die Konten von Verwandten oder Bekannten in anderen Ländern, stellt in einer Krise ein enormes Problem dar. Durch den großangelegten Liquiditätsverlust wird die wirtschaftliche Stabilität des gesamten Kreislaufs empfindlich gestört.

Banken horten nicht unendlich viel Bargeld

Denn: Insolvente Banken können keine Kredite mehr an Unternehmen vergeben und das gebunkerte oder weggeschaffte Geld befindet sich nicht mehr im nationalen Wirtschaftskreislauf.

Auf diese Weise wird die Krise jedoch nur verschlimmert, denn die gesamte Volkswirtschaft kommt zum Erliegen und eine wirtschaftliche Regeneration des Landes wird noch unwahrscheinlicher.

Sämtliche Maßnahmen, die von Regierungsseite aus gegen diesen Kapitalabfluss und die entsprechenden Konsequenzen ergriffen werden können, werden unter dem Sammelbegriff Kapitalverkehrskontrollen geführt.

Kapitalverkehrskontrollen sind Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität

Darunter kann man sowohl direkte als auch indirekte Maßnahmen unterscheiden. Bei indirekten Maßnahmen wird zum Beispiel eine hohe steuerliche Abgabe auf Auslandstransaktionen ins Leben gerufen.

Auf diese Weise sollen massenhaften Überweisungen gestoppt oder zumindest unattraktiver gestaltet werden.

Die direkten Maßnahmen sind noch wesentlich drastischer. Sie reichen von der verordneten Schließung von Bankschaltern über die Begrenzung von Bargeld-Auszahlungen bis hin zum kompletten Einfrieren von Konten.

Größere Überweisungen ins Ausland werden entweder ganz verboten, oder benötigen eine spezielle Erlaubnis der Zentralbank.

Als Teil von Kapitalverkehrskontrollen werden oftmals auch die Grenzkontrollen verschärft. So soll verhindert werden, dann bereits abgehobenes Bargeld aus dem Land geschafft wird. In Zeiten von Kapitalverkehrskontrollen stehen darauf natürlich hohe Strafen.

In Zypern wurden 2008 einige dieser Maßnahmen für eine gewisse Zeit umgesetzt, um der damaligen Finanzkrise Herr zu werden. Damals fruchteten die Bemühungen der Regierung, aber selbst Kapitalverkehrskontrollen sind kein Garant für die Abwehr einer Staatspleite.

29. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.