Wie Sie die beiden Grundpositionen einsetzen und Ihre Chancen und Risiken richtig kalkulieren, können Sie sich an folgenden idealtypischen Fällen deutlich machen:
Sie sind beispielsweise für eine Aktie XY positiv gestimmt und ganz sicher, dass deren Kurs nach der langen Abwärtsbewegung der vergangenen Monate im Laufe der nächsten Zeit kräftig anziehen wird.
Die Aktie notiert zu diesem Zeitpunkt um 200 €.
Am liebsten würden Sie davon 100 Stück kaufen, müssten dafür dann aber sofort 20.000 € aufwenden, die Ihnen im Augenblick gerade fehlen.
Statt eines solchen Direktinvestments haben Sie die Möglichkeit, eine Option auf den Kauf dieser Aktie (Call) über Ihre Bank an der Eurex zu erwerben und sich dadurch bis zum Ende der Laufzeit der Option einen festen Aktienkurs (beispielsweise von 200 €) zu sichern.
Wenn Sie dann in einigen Monaten genügend Geld frei haben, würden Sie Ihre Option ausüben und die 100 Aktien für 200 € beziehen.
Sie können Ihre Option, für die Sie im angenommenen Fall beispielsweise 50 € pro Aktie zahlen müssten, bis zum Verfallstermin aber auch jederzeit weiterverkaufen und daraus entsprechende Gewinne einstreichen, falls der Aktienkurs bis dahin gestiegen ist.
Wie Ihre Gewinn/VerlustSituation am Ende der Laufzeit der Option aussieht, hängt ganz von der Kursentwicklung der Aktie ab. Dabei lassen sich drei Fälle unterscheiden:
Der Kurs liegt auf oder unter dem Basispreis
Wenn der Aktienkurs am Laufzeitende genau auf der Höhe des Basispreises von 200 € liegt, hat Ihre Strategie Ihnen nichts eingebracht.
Sie hätten die Aktie dann auch ohne den Kauf der Kaufoption und Zahlung der Prämie für diesen Preis erwerben können. Insgesamt haben Sie dann (neben den hier nicht berücksichtigten Bankspesen und Transaktionskosten) einen Verlust von 50 € pro Aktie gemacht.
Das ist aber auch der maximale Verlust, der Ihnen bei diesem Optionstyp entstehen kann.
Denn auch bei einem Kurs von beispielsweise 150 € geht Ihnen nur diese Prämie verloren, da Sie ja nicht gezwungen sind, die Aktien zu beziehen. Sie werden also in beiden Fällen Ihre Option wertlos verfallen lassen.
Der Verkäufer der Option hat beim Kurs von 200 € dagegen an der Aktie nichts verloren, dafür aber die Prämie von 50 € vereinnahmt. Erst wenn die Aktie am Verfallstag bei 150 notiert, ist für ihn die Rechnung ebenfalls nicht aufgegangen.
Denn an der Aktie hat er 50 € verloren und als Prämie denselben Betrag eingenommen.
Der Kurs notiert über der Gewinn/VerlustSchwelle
Erst bei einem Aktienkurs von über 250 € kommen Sie mit Ihrer Option in die Gewinnzone. Liegt der Kurs beispielsweise bei 300 €, ergibt sich daraus für Sie ein Gewinn von 50 € pro Aktie.
Denn Sie könnten die Aktie in diesem Fall ja für 200 € beziehen und sofort wieder für 300 € verkaufen.
Für einen aus 100 Aktien bestehenden Kontrakt ergäbe sich dann folgende Rechnung:
Kauf einer Kaufoption für 100 XYAktien, Prämie 50 € je Aktie Bezug von 100 XYAktien zu je 200 € + Verkauf der bezogenen Aktien zu je 300 € –5.000 € –20.000 € 30.000 € = Gewinn aus dem Optionsgeschäft (ohne Bankspesen) = Gewinn in % auf das eingesetzte Kapital von 5.000 € 5.000 € 100%
Denselben Vorteil haben Sie bei dieser Kurskonstellation natürlich auch dann, wenn Sie die anfangs unterstellte Strategie verwirklichen und die Aktien über Optionen beziehen, anschließend aber im Depot halten, weil Sie von weiteren Kurssteigerungen ausgehen.
Die meisten Anleger sind aber gar nicht daran interessiert, eine Option wirklich auszuüben, sondern wollen diese möglichst schnell mit Gewinn an der Eurex weiterverkaufen.
Checkliste: Wie Sie mit Optionen kurzfristig hohe Gewinne erzielen
- Seien Sie sich immer darüber im Klaren, dass Optionen eines der chancen-, aber auch risikoreichsten Finanzinstrumente sind, mit denen Sie sowohl auf steigende (Calls) wie auf fallende Kurse (Puts) setzen können.
- Sie sollten diese – etwa zur Minderung der Ihnen in der langen 3jährigen Baisse entstandenen Kursverluste – daher immer nur für einen kurzen Zeitraum und nur in solchen Situationen einsetzen, in denen Sie sich hinsichtlich der kommenden kurzfristigen Kursentwicklung des jeweiligen Basiswerts (Index, Aktien, Währungen) sehr sicher sind.
- Verzichten Sie darauf, nach solchen Basiswerten für Optionen zu suchen, in denen Sie in der Vergangenheit – beispielsweise bei der Deutschen Telekom – vielleicht besonders hohe Verluste hinnehmen mussten.
- Wählen Sie nur solche Basiswerte, deren kurzfristige Entwicklung Sie am besten einschätzen können.
- In den meisten Fällen werden Sie mit den sehr umsatzstarken Indexoptionen auf den DAX oder einen entsprechenden repräsentativen Index die besten Ergebnisse erzielen können.
- Falls Sie noch keine oder erst wenige Erfahrungen mit diesen „Derivaten“ gemacht haben, sollten Sie sich zunächst mit dem Erwerb von Kauf und Verkaufsoptionen (Calls/Puts) begnügen.
- Denn bei beiden ist Ihr maximales Risiko auf den Verlust der an den Verkäufer gezahlten Optionsprämie beschränkt.
- Begrenzen Sie ein einzelnes spekulatives Engagement in Optionen zunächst auf kleine Beträge von zwischen 1.000 und 2.000 €, bis Sie ein Gefühl für die Entwicklungen an der Terminbörse bekommen haben.
- Setzen Sie dafür auch nur solches Geld ein, das Ihnen völlig frei zur Verfügung steht und das Sie im Extremfall auch verlieren könnten.
- Richten Sie bei Ihrer Bank sofort nach dem Kauf einer Option ein automatisches StopLossLimit um 30% unterhalb Ihres Kaufkurses ein, bei dessen Erreichen Ihre Option automatisch glattgestellt (= weiterverkauft) wird.


