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KBV im DAX – Historische Betrachtung mit Vorsicht genießen

Das Kurs-Buch-Verhältnis, KBV, ist gerade für Value-Anleger eine wichtige Kennzahl. In Relation zur Börsennotierung kann sie anzeigen, ob ein Papier Entwicklungspotenzial hat.

Das gleiche gilt in Bezug auf den DAX selbst, also den kompletten Index mit all seinen 30 Werten. So lässt sich der Stand des DAX im Hinblick auf sein zu erwartendes Potenzial anhand des KBV durchaus einschätzen.

Hilfreich ist hier der Blick darauf, wie sich das KBV im DAX historisch verhalten hat: Was waren die Höchst-, was die Tiefststände? Doch Vorsicht: Einige Detail-Veränderungen in den zurückliegenden Jahren können das Bild verzerren.

KBV im DAX – Was sagt der historische Mittelwert?

Wachstumsinvestoren setzen bei ihrer Schnäppchenjagd gerne auf das KBV. Hinter dieser Kennzahl verbirgt sich nichts anderes als das Eigenkapital eines Unternehmens, also dessen Substanz wie Gebäude, Maschinen etc.

Der Geschäftsbericht liefert hierzu Details. Liegt das Verhältnis von Kurs- und Buchwert bei 1, so decken sich beide Werte. Der Aktienpreis ist fair. Interessant ist alles darunter, denn das heißt: Das Unternehmen ist weniger wert als sein Eigenkapital.

In diesem Fall kann es 2 Gründe geben: Entweder die Firma hat Probleme, die sich bereits im Kurs, nicht aber im Buchwert zeigen. Oder aber sie ist schlicht unfair bewertet. Das gibt es vor allem bei unruhigen Märkten, beispielsweise zu Anfang 2014.

Heidelberger Cement etwa zeigt zu Jahresbeginn einen KBV von 0,8, und das bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von immerhin 15,52. Auch der KBV von E.ON liegt um die 0,8 bei einem KGV von 11,46 und mit der höchsten Dividendenrendite im DAX.

Ob es sich um unterbewertete Schnäppchen oder faule Eier handelt, zeigt sich besser anhand einer historischen Betrachtung. Liegt beispielsweise das aktuelle KBV 25% unter dem Mittelwert der letzten 10 Jahre, dann ist die Hoffnung auf eine Kurserholung durchaus berechtigt.

Historisch zeigt sich auch, dass vor allem Banken nach wie vor nicht durchgehend realistisch bewertet sind. Sie haben mit das niedrigste KBV im DAX.

KBV im DAX und historisch günstige Konstellationen

Was das bringen kann, zeigt die Finanzkrise im Jahr 2008: Das KBV im DAX lag im Schnitt bei 1. Und wer die Chance nutzte, konnte sich anschließend über ein sattes Plus freuen – eine historisch günstige Konstellation.

Ebenso wurde Anfang 2012 der DAX anhand des KBV als historisch günstig eingestuft. Im Abgleich mit seinen Tiefstständen und Spitzenwerten der vergangenen Dekaden ergab sich bei einem Wert von 1,25 ein zu erwartendes Potenzial von bis zu 50%. Zu dieser Zeit begann der DAX beim Stand von 6.500 Punkten unerwartet anzusteigen. Und tatsächlich erreichte er unlängst die erwarteten 9.500 Punkte.

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KBV im DAX – Abschreibungspraxis spiegelt falsche Werte vor

Einziger Schönheitsfehler: Bei genauer Betrachtung hätte das DAX-KGV nicht 1,25, sondern ca. 1,5 ergeben müssen. Grund: Bei der historischen Beobachtung des KBV wurde vielfach ein wichtiges Detail außer Acht gelassen: Seit 2004 ist die Abschreibungspraxis auf Firmenwerte geändert.

Und dies führte zu einer Verzerrung gegenüber den Vorjahren. Mit den neuen Standards zur Rechnungslegung konnten nun auch Vermögenswerte ausgewiesen werden, die eigentlich wertlos sind, das sogenannte Goodwill.

Kauft beispielsweise ein Unternehmen ein anderes für 200 Mio. €, das aber nur 150 Mio. wert ist, dann finden sich die an sich wertlosen 50 Mio. € in der Bilanz als Goodwill wieder.

KBV im DAX – Diskrepanz zum Aktienwert

Das Problem zeigt sich zum einen in der fehlenden Vergleichbarkeit mit den Vorjahresbilanzen. Das langjährig durchschnittliche KBV müsste eigentlich um diesen Effekt bereinigt werden.

Außerdem führte die umstrittene Praxis führte dazu, dass prozentual deutlich weniger Firmenwerte abgeschrieben werden. In der Folge machen Die Goodwill-Positionen inzwischen bis zu einem Drittel des Eigenkapitals der DAX-Unternehmen aus. Damit ergeben sich zunehmend Diskrepanzen zum Aktienwert.

KBV im DAX- Bilanzen unter die Lupe nehmen

In anderen Worten: Wenn der ausgewiesene Wert von Unternehmen aufgrund von Luftnummern infrage steht, muss auch darauf geachtet werden, ob Gewinne eventuell zu hoch angesetzt sind.

Denn von ihnen hängt meist auch das Vorstandsgehalt ab. Das bedeutet: Ein niedriger Wert beim KGV sollte vom Anleger durch einen genaueren Blick in die Bilanzen überprüft werden. In vielen Fällen müsste er, um die Abschreibungseffekte bereinigt, deutlich höher sein.

Insgesamt bergen die Diskrepanzen zum Aktienkurs in Bezug auf das KBV im DAX die Gefahr von Blasenbildungen. Generell sind vor diesem Hintergrund augenscheinlich historisch günstige Werte vorsichtshalber etwas weniger optimistisch einzuschätzen. Das KBV mag eine Ergänzung zur Firmenbewertung sein. Doch seine Aussagekraft ist mit Vorsicht zu genießen.

 

3. März 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.