Keine Rendite bei ETFs verschenken – das verraten die Index-Namen

Für alle, die sich nicht um Einzelaktien kümmern wollen, die eine übersichtliche und zudem günstige Geldanlage suchen, sind Indexfonds eine einfache Alternative. ETFs, die es in den verschiedensten Varianten gibt, bilden einen Index einfach passiv ab.

Doch Index ist nicht gleich Index. Je nach Konstruktion entwickeln sie sich unterschiedlich und bewirken mitunter eine abweichende Performance vom Fonds. Hier gilt es aufzupassen.

ETF am Kürzel der Indizes ausrichten

Die verschiedenen Arten fallen zunächst kaum auf, lassen sich aber beim ETF am Kürzel der Indizes erkennen. So zeigt am Beispiel eines DAX TR UCITS ETF das Kürzel TR, dass es sich um einen Total Return-Index handelt. UCITS steht dabei lediglich für die erfüllten Anforderungen an die entsprechende EU-Richtlinie für Fonds. Entscheidend aber ist, dass beim Total Return Wertpapiererträge wie Zinsen und Dividenden voll in die Wertberechnung einfließen.

Ein TR-Index gehört zur Gruppe der Performance-Indizes. Das Gegenlager bilden die Preisindizes, abgekürzt mit PR für Price Return. Hier zählen nur die Kursbewegungen. Diese Reinform von Index ist international am meisten verbreitet.

Auch in Österreich und der Schweiz werden die Leitindizes ATX und SMI ohne Reinvestition von Dividenden berechnet, ebenso der EuroStoxx 50. Sie gibt es parallel als Performance-Index, so wie es auch den DAX als Preisindex gibt, doch spielen sie eine Nebenrolle.

Der als Performance-Index dominierende DAX indes ist eher ein deutscher Sonderfall. Obwohl es üblich ist, kann man ihn eigentlich nicht mit anderen Indizes vergleichen. Mit seinen vollständig eingerechneten Erträgen steht er automatisch besser da, was das Bild logischerweise verzerrt. Als Preisindex mit dem Kürzel PR erkennt man ihn kaum wieder.

Rendite mal mit, mal ohne Steuern

Total Return hat natürlich auch eine steuerliche Komponente. Immerhin unterliegen Zusatzerträge der Abgeltungs- bzw. bei ausländischen Papieren der jeweiligen Quellensteuer. Steht dieser Ansatz im Vordergrund, so wird die volle Performance als Bruttorendite seltener auch mit GR (Gross Return) gekennzeichnet, wenn die Steuer außen vor bleibt. Klassischer Fall ist wiederum der DAX.

Gerade im Ausland jedoch ist die Bruttorendite unrealistisch, weil die meisten Staaten Ausländern automatisch eine Quellensteuer abziehen. Deshalb wird verbreitet ein durchschnittlicher Steuerwert abgerechnet, woraus sich die Wiederanlage im Index über die Nettorendite ergibt. Das ETF-Kürzel dieser Indizes ist NR für Net Return. Dieser Ansatz findet sich etwa bei den verschiedenen Varianten des MSCI, hier allerdings bevorzugt unter dem äquivalenten Begriff TRN (Total Return Net).

Die verschiedenen Indexvarianten berücksichtigen zunächst die Tatsache, dass nicht jeder Anleger in Fonds investiert und Zusatzerträge wie Dividenden lieber zum Lebensunterhalt nutzt. In dem Fall interessiert eher die reine Kursperformance. Anders bei Fonds, wo die gängige Berechnungsmethode eine Reinvestition unterstellt. Hier muss man darauf achten, dass als Benchmark der passende Index gewählt wird. Ein TR-Fonds würde immer besser abschneiden als ein PR- oder auch ein NR-Index.

Performance-Index bringt langfristig mehr

Zu Abweichungen kann es aber auch bei ETFs kommen, obwohl sie einen Index direkt abbilden. Weil anteilige Dividenden und andere Erträge bis zum nächsten Ausschüttungstermin in bar gehalten werden, entwickelt sich der ETF kurzfristig besser als sein Preisindex, in dem sie nicht mehr berücksichtigt sind.

Langfristig aber ist ein ETF auf einen Performance-Index zu bevorzugen. Durch das fortlaufende Reinvestieren legt er erheblich mehr an Wert zu. Dies überwiegt auch den leidigen Effekt, dass der Fonds Steuern auf die Erträge zahlen muss. Und je nach Anbieter sorgen Zusatzerträge etwa aus dem Wertpapierverleih dafür, dass der ETF auf Augenhöhe mit dem Index bleibt.

Besser noch ist ein thesaurierender Fonds, bei dem Dividenden nicht ausgeschüttet, sondern mit Zinseszinseffekt wiederangelegt werden. Die gesteigerte Variante wäre ein thesaurierender ETF auf einen reinen Dividenden-Index.

Allerdings muss man auch hier aufpassen: Selbst den DivDax gibt es als Kurs- und Performance-Index. Auf Anhieb sieht man es ihm nicht an. Also unbedingt auf das Kürzel TR achten. Alles andere wäre verschenktes Geld.

25. November 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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