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Aktienauswahl: So nutzen Sie neu veröffentlichte Geschäftsberichte

Im ersten Quartal veröffentlichen die Unternehmen ihre Berichte für das Geschäftsjahr 2014 (zum Beispiel Nestlé). In diesen Berichten finden Sie genau die Zahlen und Fakten, die Sie für Ihre Aktienauswahl benötigen.

Wenn Sie die Berichte lesen, werden Ihnen Begriffe wie EBIT, EBITDA oder Nettogewinn begegnen. Da diese Begriffe und die Kennzahlen, die dahinter stecken, wichtig für die Beurteilung von Unternehmen und Aktien sind, möchte ich Ihnen diese heute noch einmal vorstellen.

Vom Umsatz zum EBITDA

Beginnen werden wir mit dem Umsatz und uns dann Schritt für Schritt bis zum Nettogewinn vorarbeiten. Unter Umsatz (häufig auch Umsatzerlöse) wird die wertmäßige Erfassung der betrieblichen und nichtbetrieblichen Tätigkeit eines Unternehmens verstanden. Oder vereinfacht gesagt: Der Umsatz ist die Summe aller Einnahmen.

Es folgt jetzt eine Berechnung, wie Sie vom Umsatz zum EBITDA gelangen. EBITDA ist die Abkürzung für „earnings before interest, taxes, depreciation and amortization“. Das bedeutet „Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (auf Sachanlagen, wie zum Beispiel Maschinen, aber auch auf immaterielle Vermögensgegenstände, wie zum Beispiel Patente)“.

Es ist somit eine Beschreibung der operativen Leistungsfähigkeit vor dem Investitionsaufwand. Hier die Berechnung:

Umsatzerlöse

– Materialaufwand

– Personalaufwand

– sonst. betr. Aufwendungen

+ sonst. betr. Erträge

– Abschreibungen auf das Anlagevermögen


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+ Zuschreibungen zum Anlagevermögen

= EBITDA

In der Praxis müssen Sie beachten, dass Unternehmungen zum Erhalt des Geschäftes häufig sogenannte Erhaltungsinvestitionen in Anlagen und Maschinen tätigen, die im EBITDA nicht abgebildet sind. Ein positives EBITDA sagt somit wenig über die langfristige Leistungsfähigkeit und Stabilität eines Unternehmens aus.

Weiterhin wird teilweise von einem „adjusted“ (angepassten) EBITDA gesprochen, das um sogenannte „außerordentliche Kosten“ korrigiert ist. Die Intention dieser Kennzahl ist es, darzustellen, wie das eigentliche operative Geschäft ohne Sondereinflüsse dasteht.

Da es ganz im Ermessen des Unternehmens liegt, welche Posten als „außerordentlich“ bezeichnet werden – etwa Kosten für Rechtsstreitigkeiten, Marketing-Aktionen, Abfindungen, Restrukturierungen – ist ein solches „adjusted EBITDA“ jedoch für sich genommen von nochmals geringerer Aussagekraft als das „normale“ EBITDA.

Aussagekräftig ist das EBITDA dagegen dann, wenn in der Startphase hohe Investitionen erforderlich sind, die erst mittelfristig Gewinne abwerfen (zum Beispiel in der Telekom-Branche). Die Kennzahl EBITDA deutet dann an, wo der Gewinn später liegen könnte, wenn die Startinvestitionen wegfallen.

Von EBITDA zu EBIT

EBIT steht für „earnings before interest and taxes“. Wörtlich übersetzt heißt das soviel wie „Gewinn vor Zinsen und Steuern“. Diese Kennzahl wird auch als operatives Ergebnis bezeichnet. Die Berechnung des EBIT sieht wie folgt aus:

Jahresüberschuss (bilanzieller Gewinn)

+ Steueraufwand (z. B. Ertragsteuern)

– Steuererträge

= EBT (Vorsteuerergebnis  earnings before taxes)

+ Zinsaufwand

– Zinserträge

= EBIT

Der Unterschied zwischen dem EBITDA und dem EBIT ist darin zu sehen, dass das EBIT nicht um die Abschreibungen auf Sachanlagen und auf immaterielle Vermögenswerte bereinigt ist. Anhand des EBIT können Sie zum Beispiel den Gewinn verschiedener Geschäftsjahre direkt vergleichen, ohne dass die Resultate durch schwankende Steuersätze, Zinsaufwendungen oder sonstige außerordentliche Faktoren verzerrt werden.

Besonders wichtig: Der Nettogewinn

Der Nettogewinn ist die Differenz zwischen den (Umsatz-)Erlösen und den Gesamtkosten eines Unternehmens. Das bedeutet, dass bei der Berechnung der Kennzahl Nettogewinn im Gegensatz zum EBITDA und zum EBIT sämtliche Aufwendungen berücksichtigt wurden.

Das mag zunächst vielleicht „ehrlicher“ und aussagekräftiger klingen – ist es aber nicht unbedingt. Denn je nach Situation eines Unternehmens kann ein niedriger Nettogewinn eine trügerische Aussage über die operative Stärke eines Unternehmens bieten.

So können beispielsweise größere Investitionen, die im Betrachtungszeitraum getätigt wurden und den Nettogewinn kurzfristig mindern, den Blick auf die Ertragskraft verzerren. Dennoch ist der Nettogewinn für Sie als (zukünftiger) Aktionär extrem wichtig, da der Nettogewinn die Basis für Aktien-Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bildet.

Zahlenbeispiel: Kabel Deutschland

Um Ihnen die größenmäßigen Unterschiede zwischen den verschiedenen Kennzahlen zu verdeutlichen, folgt jetzt ein Zahlenbeispiel. Die verwendeten Zahlen stammen aus dem 9-Monats-Bericht von Kabel Deutschland: Der Konzern gibt einen Umsatz von rund 1,50 Mrd. Euro und ein bereinigtes EBITDA in Höhe von 705,7 Mio. Euro an.

Bereinigtes EBITDA ist gleichzusetzen mit den Begriffen „adjusted“ oder angepasstes EBITDA und bedeutet, dass der Konzern einige Bereinigungen der Kennzahl vorgenommen hat. Um welche Bereinigungen es dabei geht, lässt sich in der Regel aus den Anmerkungen zum Konzernabschluss ersehen.

Der Nettogewinn ist in der Konzernbilanz von Kabel Deutschland mit 186,85 Mio. Euro angegeben. Das ist typisch für Unternehmen aus dieser Branche: Die Investitionen und Abschreibungen sind zunächst sehr groß, daher gibt es eine große Differenz zwischen EBITDA und Nettogewinn.

Fazit: Niemals nur eine Kennzahl betrachten

Sie sollten niemals nur eine der gerade vorgestellten Kennzahlen betrachten. Gerade deshalb habe ich versucht, Ihnen möglichst detailliert und verständlich die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Kennzahlen aufzuzeigen. Betrachten Sie also unbedingt immer alle (oder zumindest mehrere) der Kennzahlen, wenn Sie eine Bewertung vornehmen wollen.

Auch ist es aus meiner Sicht wichtig, die Kennzahlen mit denen der vorherigen Jahre zu vergleichen, um so Erkenntnisse über den Trend der Entwicklung eines Unternehmens zu gewinnen.

18. Februar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.