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Kirchensteuer auf Aktiengewinne lässt sich seit 2015 nicht mehr umgehen

Banken und Sparkassen führen seit 2009 automatisch die Abgeltungsteuer auf Anlegergewinne ab, die pauschal 25% beträgt. Bei Aktien, die vor dem 31.12.2008 gekauft wurden und heute noch in Ihrem  Bestand sind, bleiben die Erträge weiterhin steuerfrei.

Hinzu kommen noch der Solidaritätszuschlag von 5,5% und die Kirchensteuer von 8 oder 9%. Bisher nutzten viele Anleger ein vorhandenes Schlupfloch, das zum 01.01.2015 geschlossen wurde.

Demnach sind Banken seit dem 01.01.2015 gesetzlich dazu verpflichtet, die Kirchensteuer auf Kapitalerträge automatisch einzubehalten und an das zuständige Finanzamt abzuführen.

Vorteil für Gutverdiener

Vor allem Verdiener, die ein so hohes Arbeitseinkommen haben, dass sie in der Spitze bis 42% Steuern zahlen, haben durch die Abgeltungssteuer einen Vorteil, da ihre Kapitaleinkünfte pauschal nur mit 25% besteuert werden.

Für diejenigen, die ein geringeres Einkommen haben und weniger als 25% Steuern zahlen gilt, dass sie ihre Kapitaleinkünfte bei der Steuererklärung angeben können und ihre Aktiengewinne dann mit dem individuellen Steuersatz besteuert werden. Die Differenz zur Pauschalsteuer von 25% wird dann vom Finanzamt erstattet. Seit 2015 ist es allerdings nicht mehr möglich, die Kirchensteuer auf Aktiengewinne zu umgehen.

Wie manche Anleger früher bei der Kirchensteuer tricksten

Bisher wussten die Geldinstitute im Normalfall nicht, ob der Sparer einer Kirche angehört. Dabei hatten Anleger bisher die freie Wahl. Entweder sie teilten der Bank mit, welcher Konfession sie angehörten und gaben damit den automatischen Abzug der Kirchensteuer frei. Oder sie entschieden sich dafür, den Obolus selbst über die Einkommensteuer zu zahlen und die Anlage KAP auszufüllen.

Das war bisher das Schlupfloch für alle, die sich drücken wollten und die Anlage KAP ignorierten. Den beiden großen Kirchen gingen dadurch Schätzungen zufolge etwa 480 Millionen € jährlich durch die Lappen.

Was sich zum 01.01.2015 änderte

Banken und Sparkassen behalten die Kirchensteuer in Zukunft automatisch ein. In Baden-Württemberg und Bayern gehen 8, in den übrigen Bundesländern 9% weg. Die Kirchensteuer auf Kapitalerträge wird direkt mit der Abgeltungsteuer ans Finanzamt überwiesen.

Dazu wird den Banken jetzt die Religionszugehörigkeit ihrer Kunden einmal jährlich im Rahmen eines Datenaustausches vom Bundeszentralamt für Steuern verschlüsselt mitgeteilt. Davon betroffen sind alle Kunden

  • die einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft angehören und
  • die in Deutschland steuerpflichtig sind.

Erstmals geschah das schon zwischen dem 1. September und dem 31. Oktober 2014. Kann sich das Kirchenmitglied über Gewinne aus privaten Geldanlagen wie zum Beispiel Aktien freuen, muss es darauf seit 2015 auch die Kirchensteuer abführen.

Was ist zu tun?

Wenn für Konfessionslose  der Status beim Finanzamt richtig gespeichert ist, fällt auch in Zukunft keine Kirchensteuer an. Wer Kirchenmitglied ist und seine Bank bereits mit dem Abzug beauftragt hat, braucht ebenfalls nicht zu reagieren. Wer nicht möchte, dass die Bank die Konfession erfährt, konnte dem Datenabruf widersprechen und einen Sperrvermerk einfordern.

Für Trickser gibt es künftig jedoch kein Schlupfloch mehr, ein Widerspruch wird nun immer an das zuständige Finanzamt gemeldet und Anleger sind dann verpflichtet, die Kirchensteuer über die Einkommensteuer zu begleichen.

Kirchensteuerhinterziehung bei Kapitaleinkünften wird es deshalb nicht mehr geben. Wer auffliegt, hat allerdings kaum etwas zu befürchten. Obwohl die Schummelei illegal ist, soll sie weder buß- noch strafrechtlich verfolgt werden.

Bei kleinen Aktiengewinnen schützt der Freistellungsauftrag

Wer aber nur wenig Zins-oder Börsengewinne hat, muss weder Abgeltungs- noch  Kirchensteuer auf seine Kapitalerträge zahlen. Freistellungsaufträge bei der Bank sorgen dafür, dass Sparer bis zu 801 € im Jahr steuerfrei kassieren dürfen. Bei Ehe- und gesetzlichen Lebenspartnern sind es 1.602 €. Nur auf höhere Erträge werden Abgeltungsteuer, Soli und Kirchensteuer fällig.

22. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Dr. Jürgen Nawatzki
Von: Dr. Jürgen Nawatzki. Über den Autor

Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre war Dr. Jürgen Nawatzki u. a. als Finanzberater tätig und hat individuelle Lösungen zur Vorsorge, Immobilienfinanzierung und zum Kapitalaufbau für Privatkunden entwickelt. Als Autor möchte er seinen Lesern Informationen und Hintergrundwissen zu Wirtschafts- und Finanzthemen liefern.