Die unklare politische Lage in Italien sorgte heute wieder für starke Schwankungen am Aktienmarkt.
Die Schuldenkrise beschäftigt Europa nun mittlerweile schon seit über einem Jahr.
In einem erst schleichenden, dann schnelleren Prozess ging es mit der Stabilität der Finanzmärkte nach unten. Als dann eine vom Markt akzeptierte Lösung in Sicht kam und sich die Anleger auf eine Beruhigung einstellten, sorgte der griechische Vorschlag zur Volksabstimmung für eine erneute Eskalation.
Europa schießt ein Eigentor nach dem anderen. Und trotzdem sieht es wirtschaftlich nicht katastrophal aus, wie die neuesten Konjunkturdaten zeigen.
Deutsche Exporte ziehen an
Aktuell wird in Deutschland noch mit einem Wirtschaftswachstum für 2012 gerechnet. Im EU-Raum droht dagegen ein neuer Schrumpfungsprozess. Die Krisen-Länder brauchen jedoch Wachstum, um die Probleme entschärfen zu können.
Trüben sich die Wachstumsaussichten stärker ein, dann besteht die Gefahr, dass die EU aufgrund von Schuldenkrisen und Rezession in den Abgrund fällt.
Umso wichtiger sind die aktuellen Zahlen zum deutschen Export. Waren im Wert von 95 Mrd. Euro wurden im Monat September verkauft. Ein Großteil davon ging in die Eurozone. Trotz der Schuldenkrise stieg das Exportvolumen im Vergleich zum Vormonat an.
Schwellenländer als Wachstumsstütze
Das Export-Plus von 0,9% ist zwar nur ein zartes Pflänzchen, hat aber in der gegenwärtigen Situation eine große Signalwirkung. Denn in Europa geht der Handel trotz Schuldenkrise weiter. Dies lässt darauf hoffen, dass wir noch einmal mit einem blauen Auge davon kommen.
Einen wichtigen Faktor, warum die Exporte nicht wie erwartet gefallen sind, spielen dabei die Schwellenländer. Der Export-Anteil aus Europa in die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) steigt und kann innereuropäische Probleme abfedern.
Unternehmen sind vorbereitet
Der jedoch wichtigste Grund sind die Unternehmen, die sich in Ruhe auf den Abschwung 2012 vorbereiten können. Die Schuldenproblematik kam nicht über Nacht, sondern schwelt seit mehreren Monaten. Dieses Zeitfenster konnte von der Industrie genutzt werden, um das Tempo zu drosseln.
2008 brachen die Aufträge dagegen binnen kürzester Zeit ein und die Unternehmen wurden überrascht. Viele Unternehmen arbeiteten noch unter Volllast. Jetzt ist die Wirtschaft besser vorbereitet und das Wachstum in den Schwellenländern stabilisiert zusätzlich.
Der Abschwung 2012 wird nicht so dramatisch wie 2008
2012 wird es sehr wahrscheinlich in vielen Unternehmen zu einer Umsatz- und Gewinnabschwächung kommen. Die lahme Politik und Systemfehler beim Euro haben ohne Not zu einer Eskalation der Schuldenkrise geführt. Das Krisengerede wird zur Krise.
Da sich die Marktteilnehmer auf den Abschwung vorbereiten können, wird es jedoch eine Rezession wie 2008 im kommenden Jahr nicht geben. Sowohl die Lage im Unternehmenssektor als auch das Wachstum der Schwellenländer machen die derzeitige Situation nicht mit der Situation 2008 vergleichbar.
So hat erst vor wenigen Tagen der Autobauer BMW erklärt, dass er 2012 selbst dann in der Gewinnzone bleibt, wenn das Umsatzvolumen um 20 bis 30% sinkt. Das macht Mut.
Aktienmärkte drehen früher
Für den Aktienmarkt kommt noch ein besonderer Punkt hinzu: Aktienkurse reagieren wesentlich früher als die Realwirtschaft. Als Faustformel gilt, dass die Aktienkurse 6 Monate vor dem nächsten Aufschwung oder Abschwung drehen.
Wenn das Konjunkturtief im Frühjahr/Sommer 2012 erreicht wird, müssten die Aktienkurse schon bald wieder zulegen. Das heißt: Vorsicht ist angebracht, aber der Weltuntergang wird auch 2012 wieder ausfallen.



