Konjunkturausblick 2012

Die Prognosen für die deutsche Wirtschaft sind im kommenden Jahr düster.

In ihren Einschätzungen gehen die Meinungen der Experten aber auseinander.

Das Münchner Ifo Institut für Wirtschaftsforschung erwartet für 2012 nur noch ein Wachstum von 0,4 Prozent. Die Prognose des Sommers belief sich noch auf ein Plus von 2,3 Prozent.

Ebenso hat das Weltwirtschaftsinstitut HWWI seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung wegen der Zuspitzung der Euro-Schuldenprobleme deutlich gesenkt. Das HWWI rechnet nur noch mit einem Wachstum von 0,5 Prozent.

Für das Jahr 2012 hat die Bundesbank ihren Ausblick von 1,8 Prozent auf 0,6 Prozent gesenkt. Die Regierung erwartet ein Prozent Wachstum.

Nach Ansicht des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI und dem Institut für Weltwirtschaft IfW wird ein leichtes Wachstum generiert.

Das RWI verringert die Prognose für das deutsche Wachstum und erwartet für 2012 nur noch einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 0,6 Prozent.

Das IMK hingegen hatte der deutschen Konjunktur im Oktober für 2012 noch ein Plus von 0,7 Prozent vorausgesagt. Die IMK-Experten erwarten nun ein Minus von 1,5 Prozent und eine tiefe Rezession für Deutschland.

Dies gilt im Falle einer Verschärfung der Schuldenkrise, wenn die EU-Staaten mit Konsolidierungsprogrammen ihre Defizit-Ziele verfehlen und dann den Sparkurs verstärken sollten.

Konjunkturausblick Ifo und IfW: keine Rezession in Deutschland

Laut dem Ifo-Institut sorgen die Schuldenkrise und die ablaufende Weltwirtschaft dafür, dass die Firmen weniger investieren. Deutschland wird lediglich durch den steigenden Konsum vor einer Rezession bewahrt.

Da die Verbraucher durch die Lage des Arbeitsmarktes und des steigenden Einkommens mehr ausgeben, ist zu erwarten, dass Deutschland, anders als viele europäische Partnerländer, nicht in eine Rezession gerät.

Das Ifo Institut stellt seine Prognose allerdings unter den Vorbehalt, dass sich die Schuldenkrise in der Euro-Zone nicht weiter verschärft. Anderenfalls ist die Wachstumsprognose für Deutschland von 0,4 Prozent nicht zu halten.

Für die Euro-Zone insgesamt erwartet das Ifo, dass die Wirtschaft 2012 um 0,2 Prozent schrumpft.

Eine Rezession sieht auch das IfW nicht. Die Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft rechnen im kommenden Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,5 Prozent.

Das IfW geht jedoch von einer Rezession im übrigen Euroraum aus, welche als Folge der großen Unsicherheit hoher Zinsen zu erwarten ist. Demnach werden die deutschen Exporte gedämpft.

OECD befürchtet Rezession in der Euro-Zone

Die Wirtschaft der Euro-Zone schrumpft dem Konjunkturausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge deutlich. Dies liegt am Einbruch in Krisenstaaten wie Portugal oder Griechenland.

Im Konjunkturausblick der Organisation heißt es, dass die Wirtschaftsleistung der 17 Staaten mit der Gemeinschaftswährung sowohl in diesem als auch im nächsten Quartal schrumpfen wird.

Für das Gesamtjahr 2012http://www.sueddeutsche.de/thema/2012 prognostiziert die OECD für die Euro-Zone ein Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent. Im Mai war sie noch von zwei Prozent ausgegangen. Mit  positiven Zahlen kann also erst ab dem zweiten Quartal gerechnet werden. Auch hierbei ist die Voraussetzung, dass sich die Schuldenkrise nicht weiter verschärft.

Für Italien wird ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 0,5 Prozent erwartet. Portugal muss sogar mit einem Minus von 3,2 Prozent rechnen. Die Schätzung für Griechenland liegt bei minus 3,0 Prozent.

Für Deutschland rechnet die OECD jedoch mit einem Wachstum von 0,6 Prozent.

Amerika: Trotz hoher Verschuldung in guter Verfassung

Da Amerika trotz hoher Staatsschulden nicht spart, hilft dies dem Wirtschaftswachstum. Zu einer globalen Wachstumsgröße werden die USA 2012 aber dennoch nicht werden.

Das Vertrauen der Finanzmärkte in die Dollar-Zone ist durch die hohe Verschuldung und Defizite Washingtons nicht gebrochen. Dies liegt zum einen an der US-Zentralbank Fed.

Sie kauft amerikanische Staatsanleihen und bietet sich den Finanzmärkten damit als Käufer amerikanischer Schuldscheine an.

Trotz steigender Staatsverschuldung liegt die Rendite von US-Staatsanleihen niedriger als die deutscher Bundesanleihen.

Amerikas Arbeitslosenquote ist von neun auf 8,6 Prozent gesunken. In guter Verfassung sind auch die amerikanischen Unternehmen. Ihre Gewinnspannen sind auf ein Rekordhoch gestiegen.

China fürchtet düstere Aussichten für Weltwirtschaft

Das Wachstum in China hat sich in den vergangenen drei Quartalen verlangsamt. Chinesische Experten rechnen 2012 mit einem Rückgang des Wachstums, von 9,2 Prozent in diesem Jahr, auf 8,5 Prozent.

Der Wechselkurs der chinesischen Währung soll 2012 weiter grundsätzlich stabil gehalten werden. Die USA machen Druck, den Yuan aufzuwerten.

Aus ihrer Sicht ist die chinesische Währung künstlich unterbewertet, was Chinas Exporten Handelsvorteile verschafft.

Für Japan prognostizieren die Konjunkturexperten als Folge der Tsunami-Katastrophe einen Rückgang des BIP in 2011 um 0,5 Prozentpunkte im laufenden Jahr, dem 2012 ein Wachstum von 3,0 Prozent bei einer Inflationsrate von nur 0,2 Prozent folgen dürfte.

 
 
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