Konstruktionen für Überrenditen – welches Strategiezertifikat überzeugt?

Zertifikate sind beliebt, das Angebot ist schier endlos. Überwiegend werden sie für Aktien und Indizes eingesetzt.

Deshalb mag es manchen erstaunen, dass sie als Schuldverschreibung eher auf dem Prinzip von Anleihen beruhen – zwar ohne Zins, dafür aber mit Insolvenzrisiko des Herausgebers. Zertifikate sind keine Fonds. Dafür kann man mit den unterschiedlichsten Basiswerten die verschiedensten Anlageziele umsetzen.

Strategiezertifikat: Definition und Varianten

Natürlich lassen sich auch Strategien fahren. Angeboten werden Spezialitäten aus der Kategorie Strategiezertifikat. Der Definition zufolge handelt es sich um ein Produkt, das eine Auswahl bestimmter Basiswerte enthält, die wiederum von der jeweiligen Strategie abhängt, auf die es zugeschneidert ist. In der Regel geht es um Aktien. Wegen der Selektion stellt eine Strategiezertifikat-Definition verbreitet auf Basketzertifikate ab.

Die funktionieren ähnlich wie Index-Zertifikate, mit dem Unterschied eben, dass sie sich auf einen speziell zusammengestellten Aktienkorb (Basket) beziehen. Die verschiedenen Varianten können sich etwa an Regionen oder Branchen ausrichten. Mit diesen Basket-Strategiezertifikaten kann man auch in die dividendenstärksten oder am wenigsten schwankungsanfälligen Aktien eines Index investieren – alles mit dem Ziel, mehr Rendite zu erwirtschaften.

Wenn es darum geht, Überrenditen im Vergleich zum Referenzindex darzustellen, wird ein Strategiezertifikat als Definition auch Alpha-Zertifikat genannt. Von der Begriffsvielfalt sollte man sich nicht verwirren lassen. Wichtig ist, ob und wie ein Erfolg erzielt wird. Schaut man sich etwa die Indexzertifikate an, bei denen das Börsenbarometer auf bestimmte Ziele hin konstruiert ist, so zeigt sich Folgendes:

High Dividend Low Volatility

Zertifikate auf Unternehmen mit hoher Dividendenrendite und geringer Volatilität lassen auf Anhieb eine bessere Performance vermuten, konnten sich aber in der jüngsten Marktphase nicht bewähren. Auf Jahressicht zeigen sich verbreitet sogar Verluste. Wenn die Börsen sich konsolidieren, kann das wieder ganz anders aussehen.

Value Ansatz

Indizes mit internationalen Aktien, ausgewählt auf Basis von Faktoren wie Dividendenhöhe, Profitabilität oder Liquidität brachten in den letzten Jahren keinen nennenswerten Vorsprung und bringen aktuell Verluste.

Solactive Value

Ein Index bildet nicht irgendwelche Firmen ab, sondern nur Investment-Unternehmen wie Invesco oder Berkshire Hathaway. Hier gab es in den letzten drei Jahren über 50% Plus, aktuell jedoch auch ein leichtes Minus.

Minimum Varianz

Dieser eigene Strategieansatz beruht auf der Beobachtung, dass ein Portfolio mit dem geringsten Risiko besser sein kann als das reine Marktportfolio. Ein entsprechendes Papier auf eine Variante des Dax, der nur die Titel mit der niedrigsten Volatilität und dem geringsten Risiko enthält, lief in den letzten drei Jahren gut doppelt so gut wie der reguläre deutsche Leitindex. Auf Jahressicht zeigt es immer noch ein Plus, während der Dax einstellig im Minus liegt.

Saisonzertifikate

Zu den einfacheren Strategieklassikern gehören Saisonzertifikate, welche die schlechten Börsenmonate auslassen. Da die alte Weisheit „sell in May, come back in September“ weitgehend überholt ist, werden auch Zertifikate etwa auf den Dax angeboten, bei denen man nur von November bis Juli investiert ist. Doch auch hier muss man aufpassen: Die Pausenstrategie ist mal besser, mal schlechter als das durchgehende Investment auf einen Index.

Smart Beta-ETFs: günstiger und mit Insolvenzschutz

Aus aktueller Sicht zumindest ist die Bilanz insgesamt eher gemischt. Einige Strategiezertifikate konnten handfeste Überrenditen bringen. In turbulenten und schlechteren Zeiten dürfte der Unterschied zum regulären Investment noch deutlicher werden.

Allerdings darf man die Kosten nicht vergessen. 1,3% mögen auf Anhieb nicht viel erscheinen, nagen aber letztlich spürbar am Ertrag. Je nach Anlageziel lohnt sich hier der Blick auf die jüngere Konkurrenz – Smart Beta-ETFs funktionieren meist nach dem gleichen Prinzip. Sie sind mit Kosten im Nullkomma-Bereich nicht nur günstiger, bei den Fonds ist die Geldanlage zudem als Sondervermögen vor Insolvenz geschützt.

10. November 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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