Konzerne gegen Staaten: Wer hat die größere Wirtschaftsmacht?

Sie haben keinen Sitz in der UNO, sind keiner Menschenrechtskonvention verpflichtet, gehören aber zu den größten Wirtschaftsmächten der Erde: International agierende Großkonzerne nehmen im Jahr mehr Geld ein als die meisten Länder.

Unternehmen und Staaten: Wirtschaftsmacht im Vergleich

Die wirtschaftliche Macht mancher Unternehmen rückt selbst den Staaten immer näher, die zur Gruppe der G7, den wichtigsten Industrienationen der Welt gehören. Kanada zum Beispiel verzeichnete 2015 Einnahmen in Höhe von 585 Mrd. US-$, während es Umsatzweltmeister Walmart bereits auf über 485 Mrd. US-$ bringt. Damit liegt der Einzelhandelsriese sogar vor Spanien und Australien. Noch vor 10 Jahren betrug sein weltweiter Umatz ca. 308 Mrd. US-$.

Auch andere legen zu. So nimmt Shell mehr Geld ein als Mexiko oder Schweden und Volkswagen erwirtschaftet mit über 244 Mrd. US-$ etwas mehr als Indien. Dem Schwellenlandaufsteiger ist Apple auf den Fersen, welches Belgien bereits knapp überholt hat.


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In der weiteren Reihenfolge wird die Zahl von Unternehmen immer dichter, die es mit den 194 Staaten dieser Welt aufnehmen. Auch an der Spitze sind es lediglich neun Länder, die vor Champion Walmart liegen. Unter den zehn umsatzstärksten Unternehmen finden sich übrigens fünf Erdölkonzerne.

Unter den 100 Einnahme-Champions nur 31 Staaten

Dieser Vergleich zwischen Staaten und Unternehmen als Wirtschaftsmacht bezieht sich rein auf die Einnahmen, also Konzernumsatz und Staatseinnahmen. Die wiederum sind nicht mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) der jeweiligen Volkswirtschaften zu verwechseln und sind in Relation dazu von Land zu Land verschieden.

In Deutschland etwa betragen die reinen Staatseinnahmen im Verhältnis zum BIP rund 45% und belaufen sich auf ca. 1,5 Bio. US-$. China liegt fast. 1 Bio. US-$ darüber und Spitzenreiter USA hat etwas mehr als doppelt soviel. Interessanterweise geben unter den einkommensstarken Ländern nur Deutschland und die Schweiz etwas weniger aus, als sie einnehmen.

Nimmt man das BIP als Vergleichsgröße, so liegen auch dann nur 28 Staaten vor dem umsatzstärksten Unternehmen Walmart. Im Vergleich der Einnahmen indes ergibt sich ein Bild, das umso nachdenklicher macht: Von den 100 größten Wirtschaftseinheiten der Welt sind nur 31 Staaten.

Die Frage nach gesellschaftlicher Kontrolle

Eine entsprechende Vergleichliste findet sich in einem Bericht der britischen Nichtregierungsorganisation „Global Justice Now“ und soll auf die zunehmende Dominanz von Konzernen hinweisen, die zum Teil in Fälle von Menschenrechtsverletzungen verstrickt sind. Die Spanne ist breit und reicht von Arbeitsbedingungen, die als Ausbeutung bezeichnet werden, über Korruption bis zur Gefährdung natürlicher Grundlagen von Einwohnern.

Die Größe und Einflussmöglichkeit internationaler Konzerne auf Behörden und Politik wirft durchaus Fragen nach ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung und Kontrolle auf. Generell sind privatwirtschaftlich agierende Unternehmen weniger verfassungsgemäßen Rahmenbedingungen unterworfen als staatliches Handeln. Muss letzteres etwa hierzulande dem Grundgesetz entsprechen, gilt dies für Firmen nicht.

Fonds mit Grundwerteausrichtung

Um die Einhaltung bestimmter Wertvorstellungen kümmern sich vor allem Gewerkschaften. Die aber sind nicht in allen Ländern gleich stark und werden zudem vielfach außen vor gelassen. Internationale Konzerne können sich somit häufig aussuchen, wo sie mit der geringsten Kontrolle rechnen müssen.

Ob bestimmte Selbstverpflichtungen, wie in der Jahresbilanz oft behauptet, tatsächlich eingehalten werden, können auch Anleger kaum überprüfen. Wer Wert darauf legt, den Gewinn nicht über alle Grundwerte zu stellen, kann beispielsweise in ethisch orientierte Fonds investieren. Hier finden sich die verschiedensten Schwerpunktangebote zum Thema Menschenrechte, mit unterschiedlicher Abgrenzung zu verwandten Bereichen wie Umweltschutz oder Rüstung.

15. Dezember 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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