Kostenwelle – Privat Krankenversicherte trifft es hart

Was haben Erkrankungen mit dem anhaltenden Zinstief zu tun? Ganz einfach, der Vorsorgeschutz wird teurer – jedenfalls im privaten Bereich. Wer nicht gesetzlich versichert ist, muss sich auf steigende Beiträge einstellen.

Private Krankenversicherung: graue Perspektive

Dass die allgemeine Perspektive der privaten Krankenversicherung (PKV) derzeit nicht rosig ist, erklärt sich zum guten Teil damit, dass die Versicherungen auf Zinserträge angewiesen sind. Klassischerweise kaufen sie von den Rücklagen der eingenommenen Gelder Anleihen im großen Stil. Doch die werfen schon lange nichts mehr ab. Wie brenzlig die Lage ist, zeigt sich am Vorstoß in risikoreichere Papiere, die bisher Tabu waren – Hauptsache Rendite.

Welche Perspektive eine private Krankenversicherung noch hat, hängt insofern auch von der Marktstellung eines Anbieters ab. Während Allianz und andere Größen mit ihrem Kapitalvorsprung auf breiter Front in alle Anlageklassen streuen können, müssen sich die Kleineren gewaltig strecken.

Hinzu kommen die ohnehin steigenden Kosten für den üblichen medizinischen Fortschritt. Neue Diagnose- und Heilgeräte werden ebenso teuerer wie innovative Wirkstoffe und Therapien. Konnten die Kassen ihre Kunden bislang noch einigermaßen verschonen, rollt nun unweigerlich eine Teuerungswelle auf sie zu. Selbst der Verband der Privaten Krankenversicherung spricht von einer „ungewöhnlichen Beitragsentwicklung“.

Beiträge mit Rekordsteigerungen

Die Perspektive für die Versicherten: Mehrkosten von durchschnittlich 11%. Dagegen nimmt sich selbst die letzte Rekordsteigerungswelle vom Jahr 2010 mit 6,9% noch moderat aus. Wer als Sparer bislang auf Zinserträge verzichten musste, zahlt nun an anderer Stelle sogar drauf. Betroffen sind gut zwei Drittel aller privat Versicherten, jüngere vermutlich etwas mehr als ältere.

Gegen die Beitragserhöhungen kann man sich kaum wehren. Es sei denn, ein privat Versicherter schafft es, in die gesetzliche Kasse zu wechseln. Doch die Hürden sind extrem hoch. Wer selbstständig ist oder mit seinem Einkommen die Versicherungspflichtgrenze von derzeit 56.250 € im Jahr übersteigt, hat eigentlich keine Chancen.

Bleibt nur die Verzweiflungsvariante, etwa über Teilzeitjobs weniger zu verdienen – oder sich arbeitslos zu melden. Das aber geht auch nur, wenn man jünger als 55 Jahre ist. Einzige Alternative in dem Fall: sich bei der Privatkasse auf einen Basistarif herabstufen lassen. Dieser Notnagel ist zwar günstigerals die reguläre Privatversicherung, aber immer noch teurer als die vergleichbare Leistung der gesetzlichen Kassen.

Tarif- und Anbieterwechsel gut überlegen

Abgesehen davon besteht die Möglichkeit, beim bisherigen Anbieter auf Tarife mit weniger Leistungen umzusatteln. Vielleicht muss es ja nicht unbedingt die Chefarztbehandlung oder das Einzelzimmer sein. Auch lässt sich vielfach der Selbsthalt erhöhen, also die Summe, die man im Notfall selbst trägt.

Und wie steht es mit einem Anbieterwechsel? Der lohnt sich nur, wenn die gesamte Leistungsstruktur tatsächlich spürbar günstiger ist. Als weiterer Aspekt käme die gesamte Stärke des Versicherers infrage. Dazu gehört neben der Finanzkraft unter anderem die Zahl nicht nur vorhandener, sondern auch junger und neuer Mitglieder. Mit mehr Grundmasse hat auch eine private Krankenversicherung bessere Perspektiven.

Vorsicht bei Altverträgen

Doch auch diese Variante will gut überlegt sein. Bei einem Wechsel gehen die wichtigen Altersrückstellungen komplett verloren, wenn der Tarif vor dem Jahr 2009 abgeschlossen wurde. Selbst bei jüngeren Verträgen bleibt ein Teil beim bisherigen Anbieter. Außerdem: Jeder Wechsel zieht mitunter Risikoaufschläge nach sich. Unterm Strich kann sich dann die ganze Arbeit als unrentabel erweisen.

2. Dezember 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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