Kennen Sie diesen Satz?
„Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt wie es ist.“
Das bedeutet einfach nur, dass die Lautäußerung des Hahns absolut nichts mit der Entwicklung des Wetters zu tun hat.
Und genau so wie dieser Hahn fühlen sich viele Börsenanalysten in diesen Tagen. Die Bewegungen des DAX scheinen so gar nichts mehr mit den sorgfältig erarbeiteten Analysen zu tun zu haben. Stattdessen jagt ein „Fehlsignal“ das andere. An einem Tag werden die Aktien-Bullen „angefüttert“ und schöpfen neue Hoffnung. Am nächsten Tag werden die Aktien-Bären ermutigt.
Am dritten Tag sind in der Regel sowohl Bullen als auch Bären frustriert. Im Endeffekt ist es auf ein reines Nullsummenspiel hinausgelaufen und der DAX hat sich faktisch überhaupt nicht verändert.
Ein Lanze für den „irren“ DAX
Aber an dieser Stelle muss ich einfach mal eine Lanze für unseren DAX brechen. Bei all den bestehenden Problemen und beinahe minütlich wechselnden Nachrichten kann man schon mal seine Orientierung verlieren.
Was haben wir da alles, was täglich auf den DAX und die Anleger einprasselt?
Griechenland, Portugal, Spanien, Irland: Ich hoffe nur, ich habe keinen Euro-Wackelkandidaten vergessen. Oder vielleicht noch Italien?
Die Konjunktur in den USA: Hier wechseln die Nachrichten ständig zwischen: Sie erholt sich, sie erholt sich sehr langsam, sie erholt sich nicht.
Die Konjunktur in Japan: Hier weiß eigentlich auch noch niemand, wie sich das Atom-Desaster in Fukushima schlussendlich auf die Wirtschaftsentwicklung auswirken wird.
Kernenergie in Deutschland: Zumindest scheint hier sicher zu sein, dass die deutsche Bundesregierung aus der Kernenergie aussteigen will. Völlig unsicher sind aber die entstehenden Kosten und das genaue Prozedere.
Inflationsgefahren: Ist die Inflation schon da? Und wie werden sich daraus resultierende Zinserhöhungen auf die Wirtschaftsentwicklung auswirken?
Ich befürchte, ich könnte diese Liste der Unsicherheits-Faktoren für den DAX noch sehr viel weiter fortsetzen. Aber allein die aufgezählten Punkte dürften bereits reichen, um das „irre“ Verhalten des DAX zu erklären.
Eine Lanze für die „krähenden“ Analysten
Und dieses „irre“ Verhalten des DAX sollen wir Analysten auswerten und daraus Prognosen für die zukünftige Entwicklung ableiten.
Das ist sicherlich nicht einfach. Gerade solche Phasen können auch für uns Chart-Analysten frustrierend sein. Schließlich wollen wir Ihnen, unseren Lesern, einen Leitfaden „liefern“, mit dem sie erfolgreich an der Börse handeln können.
Aber auch solche anstrengenden Phasen sind nun einmal Bestandteil der Börse. Und gerade jetzt ist es wichtig, die entscheidenden Marken im DAX zu kennen. Nur so können Sie das „irre“ Verhalten des DAX einordnen und rechtzeitig reagieren, wenn es wirklich „brenzlig“ wird.
Ordnung in das Chaos, der Fahrplan für den DAX
Bringen wir also Ordnung in die Sache.
Im langfristigen Point&Figure-Chart des DAX ist die Welt noch in Ordnung.
Bereits am 13. Oktober des vergangenen Jahres kam es durch das Überschreiten von 6.400 Punkten zur Ausbildung eines Point&Figure-Kaufsignals mit dem mittlerweile aktivierten und bestätigten Kursziel von 10.500 Punkten.
Diese sehr bullishe Aussage wurde durch ein erneutes Point&Figure-Kaufsignal am 29. April dieses Jahres bestätigt.
(Auf dieses Signal komme ich gleich noch einmal zurück. In ihm steckt eine auf den ersten Blick erstaunliche Information.)
So weit ist die Welt im DAX noch in Ordnung. Wichtige Unterstützungen aus dem uns hier vorliegenden langfristigen Point&Figure-Chart verlaufen aktuell bei 6.600 und 6.200 Punkten. Solange diese Marken nicht unterschritten werden, ist der langfristige Bullen-Markt im DAX weiter intakt.
Aus dem kurzfristigen Point&Figure-Chart lässt sich noch eine weitere Unterstützung im Bereich von 7.050 bis 7.150 Punkten herleiten. Der Test dieser Zone ist schon seit mehreren Tagen in vollem Gange. Bereits am 23. Mai habe ich Sie an dieser Stelle über diese wichtige Zone informiert. Hier können Sie diese Analyse noch einmal nachlesen.
Wieso nun erst einmal 6.900 Punkte?
Bis jetzt war die aktuelle Point&Figure-Analyse des DAX nur die „Pflicht“. Kommen wir nun zur Kür und wie versprochen noch einmal zu dem Point&Figure-Kaufsignal vom 29. April dieses Jahres.
Wie Sie wissen, weist jedes Point&Figure-Kaufsignal 2 Kursziele auf.
Das erste, horizontal berechnete, Kursziel kann sofort nach der Bildung des Point&Figure-Kaufsignals aus der Breite der vorhergehenden Konsolidierung b erechnet werden. Das zweite, vertikal berechnete, Kursziel benötigt noch einen Rücksetzer zur Aktivierung und eine nachfolgende X-Säule als Bestätigung.
Interessanterweise beläuft sich das erste, horizontal berechnete, Kursziel des Point&Figure-Kaufsignals vom 29. April auf 6.900 Punkte und liegt damit noch unter dem aktuellen Kurs.
Es besteht also nun eine hohe Wahrscheinlichkeit für folgendes Szenario:
Der DAX fällt noch ein wenig und steuert erst den Bereich um 6.900 Punkte an, bevor er dann erst Richtung Allzeithoch und später Richtung 10.000 Punkte durchstartet.
Ich bin mindestens genau so gespannt wie Sie, ob dieses Szenario so eintrifft. Aber wie gesagt: Die Wahrscheinlichkeit dafür ist recht hoch.



