Wer bei "Web.de" Kunde ist, erhielt kürzlch wahrscheinlich ein E-Mail mit dem Hinweis auf einen "Sofortkredit der CreditPlus Bank".
Dies war angeblich sogar die Mitteilung der Redaktion dieses großen Portals. Wer den Kredit bis zu 70.000 Euro in Anspruch nimmt, kann sogar eine Extra-Prämie erwarten. Kein Wunder, meine ich:
das Geld liegt nicht auf der Straße,aber in den Tresoren. Die Banken haben derzeit zuviel und legen es zu schwachen Konditionen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) an. Untereinander leihen sie sich kaum noch Geld. Das ist der wahre Hintergrund. Ich beleuchte für Sie die Kreditszene und gebe zusätzlich eine Empfehlung ab.
Kredite: per E-Mail ablehnen
Das überflüssige Geld im System scheint vor allem unseriösere Anbieter oder Werbestrategien zu aktivieren. Die E-Mail-Benachrichtigungen über Web.de jedenfalls sind nach Meinung der Verbraucherzentrale Hamburg zu aggressiv. Ich scließe mich auf der einen Seite dieser Meinung an, auf der anderen Seite halte ich das Angebot jedoch wegen der hohen Zinsen für schlecht.
Dazu gleich mehr. Zunächst jedoch mein Hinweis: Kreditangebote per Mail können Sie von vornherein ablehnen. Denn: die Konditionen der einzelnen Institute unterscheiden sich hinsichtlich der eigenen Finanzierung nicht so stark, dass ein E-Mail-Anbieter hier wesentlich besser sein könnte.
Oder: Sie verpassen nichts, wenn Sie die Mail direkt in den Papierkorb schieben. Versprochen.
Beispiel: Mehr als 60% zu hohe Zinsen
Ich greife das beworbene Angebot kurz auf, um zu belegen, dass Sie nichts verpassen. Hier hätte der Anbieter für 5.000 Euro Kreditsumme etwa 8,19% Zinsen verlangt - bei einer Laufzeit von 24 Monaten.
Ähnliche Kredite jedoch erhalten Sie am freien Markt bereits für 5% oder weniger. Ihre Filialbank, so meine "Forschung", wird Ihnen vielleicht etwas mehr als 5% Zinsen abnehmen. Rechnen Sie in vergleichbaren Fällen etwa mit Zinsen von 5,3% bis 5,4%.
Beachtlich allerdings ist, dass die große Konkurrenz bei der Kreditvergabe immer noch zu solch hohen und damit schlechten Angeboten führt. Aber erneut: Finger weg von allen elektronischen Kreditangeboten.
Banken haben "zuviel Geld"
Im Hintergrund für Sie jedoch diese Information: Banken haben tatsächlich zur Zeit zu viel Geld. Sie legen es wie beschrieben bei der Europäischen Zentralbank zu Niedrigstzinsen an. Das bietet Ihnen eine besondre Chance:
Sie können derzeit nicht nur mit günstigen Zinsen rechnen, sondern diese durch geschickte Verhandlungen weiter reduzieren. Voraussetzung ist nur, dass Sie möglichst als Unternehmer/Selbstständiger mit entsprechendem Geschäftskonzept auftreten. Private Haushalte melden derzeit zu häufig die so genannte Privatinsolvenz an. Das Plus gegenüber dem vergangenen Jahr liegt bei 7,6%.
Banken werden deshalb bei den Zinsen "privat" kaum mit sich verhandeln lassen. Als Unternehmer/Selbstständiger haben Sie jedoch beste Karten. Dazu ein Hinweis der Bundesbank:
Jeder sechste Bankkunde habe, so die Frankfurter, sein Girokonto überzogen. Dies betrifft sowohl Private als auch Selbstständige. Das aber bedeutet: Die Zinsbelastung ist viel zu hoch. Dispokredite sind mit 12% und mehr Zinsen mehr als doppelt zu teuer als Ratenkredite.
Zinsmanagement beachten
Das heißt: Beachten Sie die Zinsen, die Sie bei verschiedenen Konten zahlen müssen. Rund 1,2 Milliarden Euro, so die Verbraucherzentrale in Bremen, zahlten deutsche Haushalte zuviel an Zinsen.
Mit einem vernünftigen Zinsmanagement können Sie derzeit kostengünstige Kredite nutzen, um den Dispositionsbedarf auf "0" zu stellen. Gerade als Selbstständiger sind Sie oft auf Dispokredite angewiesen.
Rechnen Sie nach, ob es sich sogar lohnen kann, einen Kredit zu günstigsten Zinsen aufzunehmen, etwas Kapital für den Abtrag des Dispositionskredits zu nutzen und den Rest über ein Tagesgeldkonto zu bevorraten. Zwar verlieren Sie auf diese Weise etwa 2,5%-Punkte Zinsen durch die Differenz zwischen Haben- und Sollzinsen, aber: Sie sparen gegenüber hohen Dispozinsen deutlich mehr.
Günstige Zinsen sichern - Eurorone droht
Die aktuell niedrigen Zinsen jedoch werden sich nicht dauerhaft halten. Die Renditen für Staatsanleihen aus Spanien, Italien oder Portugal steigen bereits. Mehr als 5% müssen die südeuropäischen Staaten derzeit "berappen", um ihre Anleihen wenigstens teilweise noch an den Markt zu bringen.
Eine Euro-Bondslösung wird es in den kommenden Monaten in der einen oder anderen Weise geben. Entweder die Europäische Zentralbank begibt die Anleihen direkt und wird vorab in den nächsten Monaten dazu ermächtigt. Dann werden die Zinsen für diese Bonds höher sein als normale Anleihen in Deutschland.
In der Folge aber werden Sie auch für sonstige Kredite in Deutschland sofort mehr zahlen müssen. Die Banken refinanzieren sich dann teurer - und reichen diese Kosten an Sie weiter.
Indirekte Eurobonds möglich
Oder die Bundesregierung haftet noch stärker als bislang für die ausfallenden Kredite. Demnächst wird Griechenland neue Schulden aufnehmen müssen. Spätestens dann aber steigt die Zinslast im Euroraum weiter an.
Wenn die Eurozone Griechenland nicht "gehen lässt", sondern noch einmal als Retter einspringt, entspricht dies wirtschaftlich indirekt neuen Eurobonds. Da wir in Deutschland bereits mit mehr als 210 Milliarden Euro haften, beteiligen wir uns an der Finanzierung der nächsten Schulden.
Auch dies bedeutet: die Zinsen werden bald steigen. Sobald die ersten Haftungssummen fällig werden, braucht Deutschland mehr Geld. Dann aber steigen die Zinsen aus zwei Gründen: dem Misstrauen dem Markt gegenüber wie auch der stärkeren Nachfrage nach Geld. Dies wird den Zins treiben.
Konseqnenz: sichern Sie sich niedrige Zinsen auch für Immobilien
Während ich also Kredite in Form der Online-Angebote ablehne, rate ich Ihnen daher tatsächlich, die Kreditkonditionen vor Ort gut auszunutzen. Schulden Sie nicht nur Dispokredite um, sondern nutzen Sie die günstigen Konditionen für Investitionen in Maschinen, in künftige Maschinenkäufe - oder auch für Immobilien.
Dies wird Ihrer Vorsorge dienen. Die Preise ziehen weiter an. Ich empfehle erneut: sichern Sie sich den Zugang zu noch billigem Geld zumindest in Form von Forward-Darlehen.
Diese Kreditform bringt Ihnen aktuell zwar Mehrkosten in Höhe von vielleicht 0,5%-Punkten (maximal), sichert aber die Konditionen für die nächsten drei Jahre.
Vor allem: auf diese Weise machen Sie sich unabhängig vom Finanzmarkt. Die neuen Kreditangebote sowie auf der anderen Seite die hohen Renditen für Staatsanleihen signalisieren deutlich - die Finanzmärkte beben. Mitten in der Krise seilen Sie sich jedoch von diesen Angeboten ab.
PS: Weitere Zinsangebote finden Sie regelmäßig auf diesen Seiten. Daher noch einmal: Lehnen Sie "Online-Werbung" für Kredite auf jeden Fall ab. Selbst dann, wenn Sie dahinter seriöse Anbieter vermuten. Die Bank vor Ort bietet Ihnen dieser Tage ebenfalls gute Konditionen.



