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Kurs-Gewinn-Verhältnis: Der Klassiker, der aber nicht immer hilfreich ist

Eine der wichtigsten Kennzahlen in der Fundamentalanalyse ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV.

Berechnung und Interpretation

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich sehr einfach berechnen, indem Sie den aktuellen Kurs ins Verhältnis zum Gewinn setzen. Die Rechenformel dafür lautet:

KGV = Aktienkurs geteilt durch Gewinn pro Aktie

Im Allgemeinen gilt: Unternehmen mit einem KGV von weniger als 10 bis 12 gelten als günstig bewertet.

Denn hier müssten Sie – wenn Sie auch in Zukunft von gleich bleibenden Gewinnen ausgehen – als Aktionär maximal 10 bis 12 Jahre warten, bevor sie das investierte Geld schon durch die Wertsteigerung des Unternehmens beziehungsweise durch die ausgezahlten Dividenden wieder erwirtschaftet hätten.

Unternehmen mit einem KGV von über 15 gelten hingegen als nicht mehr günstig. Allerdings gibt es hier spezielle Faktoren, die eine höhere Bewertung rechtfertigen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese Unternehmen besonders wachstumsstark und/oder krisenresistent sind oder über eine dominante Marktposition verfügen.

Stärken und Schwächen

Der Vorteil des KGV ist: Es ist leicht zu ermitteln und ebenso leicht zu verstehen. Es macht Unternehmen innerhalb einer Branche (funktioniert meist recht gut) oder auch branchenübergreifend vergleichbar.

Allerdings hat das KGV auch seine Tücken. Denn absolut zuverlässig lässt es sich nur im Nachhinein ermitteln, nämlich dann, wenn der Unternehmensgewinn bereits feststeht. Die Ermittlung des KGV für zukünftige Jahre ist schwieriger, denn Sie sind auf Gewinnschätzungen angewiesen.

Genau hier liegt die Crux: In einem stabilen konjunkturellen Umfeld mögen sich die künftigen Gewinne noch halbwegs zutreffend prognostizieren lassen. Dagegen können die tatsächlichen Gewinne gravierend von den Prognosen abweichen, wenn beispielsweise nicht klar ist,

  • ob der Konjunkturmotor weiterhin brummen wird oder doch noch eine Rezession zu erwarten ist und
  • ob einzelne Unternehmen oder ganze Branchen ihre Gewinnprognosen korrigieren müssen.

Außerdem billigt die Börse einigen Unternehmen ein deutlich höheres KGV als anderen zu (siehe oben). In solch speziellen Fällen lässt sich mit dem KGV dann keine Aussage treffen, ob die Aktie günstig oder teuer ist.

Fazit: Als grobe Orientierung geeignet, aber mit Vorsicht zu genießen

In einem guten, stabilen Marktumfeld ist das KGV eine gute und einfache Kennzahl zur Beurteilung von Aktien bzw. um verschiedene Aktien derselben Branche miteinander zu vergleichen.

In Schwächephasen und Zeiten konjunktureller Unsicherheit dagegen bietet es wenig Orientierung, weil eine zuverlässige Gewinnschätzung bei vielen Unternehmen nicht möglich ist. Außerdem ist der Gewinn eines Unternehmens mit Bilanztricks relativ einfach zu manipulieren, zumindest für einen kurzen Zeitraum.

Daher sollten Sie sich nicht allein auf die Aussagekraft des Kurs-Gewinn-Verhältnisses verlassen, sondern auch noch andere Kennzahlen zu Rate ziehen.

6. Juli 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.