Schon seit Beginn an war die Kursentwicklung des Euro vor allem zum Dollar sehr verwirrend. Zuerst sank der Euro-Kurs deutlich, um dann nach einigen Jahren wieder massiv anzusteigen.
Sie werden in dieser Serie sehen, dass diese extremen Schwankungen und die momentane »Stärke« des Euros kein Verdienst desselben sind, sondern auf der noch größeren Schwäche des US-Dollars beruhen.
Zum Zeitpunkt, als der Euro am 1.1.1999 zur Verrechnungseinheit erklärt wurde, kostete ein US-Dollar gut 1,60 D-Mark. Der Wechselkurs des Euros und damit der D-Mark sank jedoch kontinuierlich, und im Herbst 2000 musste man bald 2,40 D-Mark für einen US-Dollar aufbringen.
Ähnlich erfolgte der Verfall gegenüber vielen internationalen Währungen wie dem japanischen Yen, dem britischen Pfund oder später auch dem Schweizer Franken.
Kursentwicklung Euro: Ratlos und Rastlos
Bald schon waren die Experten ratlos und suchten nach immer abwegigeren Erklärungen für den Wechselkursverfall. Einmal sollten es Äußerungen des deutschen Finanzministers, dann wieder unentschlossene Reden des damaligen EZB-Präsidenten Wim Duisenberg sein, welche die Einheitswährung unter Druck setzten.
Eine ganze Reihe von Theorien wurde aufgestellt, um das nicht erwartete Phänomen zu erklären: Einer Theorie zufolge befand sich Europa mit seinen Reformen von Arbeitsmarkt-,Steuer- und Sozialsystem im Rückstand, was die Devisenhändler mit einem Abschlag bestraft hätten.
Dieser Kursverfall des neu eingeführten Euros bedeutete natürlich einen gewissen Imageverlust. Behauptet wurde oft, dass Streitigkeiten von Politikern mit der EZB der Grund wären, warum der Euro abstürzen würde.
So stritt der damalige Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine Anfang 1999 mit der EZB. Damals kostete ein Dollar etwas mehr als 1,10 Euro, der Euro war also wesentlich stärker als etwa Mitte 2000, als die Politiker keinerlei weitere Angriffe auf die EZB mehr führten.
Damit zeigt sich, dass die Politiker – entgegen ihren eigenen Behauptungen – keine nennenswerte Auswirkung auf Kurse hatten und haben. Ein weiterer Erklärungsansatz zielte auf die unterschiedlichen Wachstumsraten in Europa und den USA ab, was den Euro-Verfall jedoch auch nicht plausibel erklären konnte.
Praktisch ist hier für die Experten die Psychologie-Theorie, da sie nicht von handfesten Fakten untermauert sein muss, sondern einfach behauptet, dass der Euro nur deshalb schwach sei, weil alle glauben, dass er schwach wäre.
Die Devisenhändler würden nur noch selektiv diejenigen Nachrichten hören, welche eine weitere Abwertung verlangen würden, und entsprechende Äußerungen von Politikern würden übergewichtet.
Welch weiteren – teilweise sogar völlig abwegigen Theorien – für den Euro-Verfall herangezogen wurden, erfahren Sie in der nächsten Folge der Serie: Kursentwicklung Euro.



