MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Latente Steuern: Das sind Definition und Grundlagen

Die Höhe der an das Finanzamt zu entrichtenden Steuerzahlung eines Unternehmens leitet sich aus dem in der Steuerbilanz festgestellten Gewinn oder Verlust ab.

Die sich hieraus ergebende Steuerschuld kann sich in vielen Fällen vom Gewinn oder Verlust der Handelsbilanz unterscheiden.

Aktive und passive latente Steuern

Der Grund für die unterschiedliche Bemessung von Gewinn oder Verlust eines Unternehmens liegt in den Unterschieden zwischen handelsrechtlichen und steuerrechtlichen Bilanzierungsvorschriften.

In der Regel liegt die Ursache für die Entstehung der Differenzen in der Anwendung von steuerlichen Vorschriften, die im Handelsrecht keine Berücksichtigung finden. Zum Ausgleich des Unterschiedsbetrags, der sowohl positiv als auch negativ sein kann, werden latente Steuern angesetzt.

Generell bezeichnet man Ertragsteuern, die noch keine tatsächliche Forderung oder Verbindlichkeit des Finanzamts darstellen, als latente Steuern. Zur Definition des Begriffs ist es notwendig auf die beiden unterschiedlichen Ausprägungsformen einzugehen – die aktive und die passive Steuerlatenz.

Aktive latente Steuern

Der Ansatz der aktiven latenten Steuern findet auf der Aktiv-Seite der Bilanz statt. Bei dieser Ausprägungsform der Steuerlatenz handelt es sich um einen zukünftigen Steuervorteil. Nach dem deutschen Recht wird der handelsrechtliche Gewinn als Grundlage herangezogen und durch die Anwendung von steuerlichen Vorschriften ergänzt.

Hat ein Vermögensgegenstand in der Handelsbilanz einen geringeren Wert als in der Steuerbilanz so kann ein Aktivposten in Höhe des Unterschiedsbetrags gebildet werden – Gleiches gilt für Schulden, die in der Handelsbilanz einen höheren Wert als in der Steuerbilanz haben.

Wird ein Vermögensgegenstand nicht in der Handelsbilanz, jedoch in der Steuerbilanz angesetzt, oder werden Schulden in der Handelsbilanz aber nicht in der Steuerbilanz angesetzt, entstehen ebenfalls latente Steuern, die zur Angleichung von Handels- und Steuerbilanz aktiviert werden dürfen. Die Aktivierung der aktiven latenten Steuern ist ein Wahlrecht.

Passive latente Steuern

Da passive latente Steuern eine Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt darstellen besteht hier eine Bilanzierungspflicht. Der Ausweis erfolgt auf der Passiv-Seite der Bilanz.

Die gesetzliche Grundlage für diese Vorgehensweise bietet der § 274 des Handelsgesetzbuches (HGB).

Latente Steuern: Die Definition und Bewertung der Differenzbeträge

Nach erfolgreicher Ermittlung der aus Steuer- und Handelsbilanz resultierenden Unterschiedsbeträge erfolgt die Bewertung der einzelnen Positionen. Wichtig hierfür ist die voraussichtliche Dauer bis zur Auflösung der latenten Steuerposition.

Im Wesentlichen werden hier 3 Gruppen unterschieden:

  1. Temporäre Differenzen, die sich aus dem unterschiedlichen Ansatz von steuer- und handelsrechtlichen Vorschriften ergeben und sich zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder ausgleichen.
  2. Quasipermanente Differenzen, deren Ausgleichszeitpunkt bei der Entstehung noch unbekannt ist.
  3. Permanente Differenzen, die sich nicht mehr auflösen und somit auch keine Berücksichtigung als latente Steuern finden.

Der Unterteilung in diese Kategorien liegt die heute meist verwendete Temporary-Methode zu Grunde. Diese Methode ist bilanzorientiert und somit im deutschen Steuerrecht besonders praktikabel.

Aufgrund der Komplexität der Bilanzierung von latenten Steuern sind diese Vorschriften laut HGB im weitesten Sinne nur für Kapitalgesellschaften relevant. Personengesellschaften oder Einzelunternehmen sind von der Bilanzierungspflicht dieser Positionen befreit. In Sonderfällen sind auch kleine Kapitalgesellschaften von der Bilanzierungspflicht befreit.

21. Mai 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Melanie Alibrandi
Von: Melanie Alibrandi. Über den Autor

Melanie Alibrandi arbeitet als Office Manager bei einem internationalen Unternehmen und schreibt als freie Autorin Texte für verschiedene Projekte. Aufgrund Ihrer Ausbildung als Steuerfachangestellte und dem weiterführenden Studium im selben Bereich gilt ihr Interesse den privaten Finanzen - speziell den privaten Steuern und der Vermittlung ihres Wissens an ihre Leser.