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Lebensversicherung als Tilgungsersatz ungeeignet

Vor einiger Zeit kam ein Immobilist zu mir in die Beratung mit einem Problem, von dem immer mehr Kreditkunden betroffen sind: 1993 erwarb der Ratsuchende eine Eigentumswohnung zu Vermietungszwecken. Der Kaufpreis wurde anteilig finanziert, umgerechnet 51.000 €. Auf Empfehlung seines Steuerberaters entschied er sich für ein Festdarlehen.

Als Tilgungsersatz wurde eine Lebensversicherung bei einer namhaften, großen, deutschen Versicherungs-Gesellschaft abgeschlossen, die am 1. Oktober 2022 zur Auszahlung kommt. Gemäß einer Prognose der Gesellschaft bei Vertragsabschluss soll die Auszahlungssumme 51.000 € betragen – sollte… Von diesem Ergebnis ist der Vertrag inzwischen Lichtjahre entfernt.

Mit jedem Jahr verringert sich der Auszahlungsbetrag. So werden es gemäß aktueller Prognose nur noch 34.500 € sein, auf die der Versicherungskunde sich freuen kann. Trotz gleichbleibender Zahlung von monatlich 75 € sind es nun 16.500 € weniger.

Die Gesellschaft begründet diese Entwicklung mit den anhaltend niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt – eine ehrliche Antwort, die man so ansonsten vergeblich sucht.

Noch immer werben die meisten der Anbieter mit Renditen von 4% und mehr. Hier zeigt sich, was von den Ankündigungen zu halten ist: wenig. Ob mit Mathematiker oder ohne, es ist eben schwierig, Entwicklungen von 30 Jahren richtig zu prognostizieren. Wäre das möglich, hätten wir wohl kaum eine Eurokrise…


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Mehr einzahlen, gleicher Ertrag

Der Kunde steht nun vor dem Problem, dass am Ende der Vertragslaufzeit 16.500 € zusätzlich angespart werden müssen. Dafür hat er noch bis 2022 Zeit. Bei der derzeitigen Zinssituation von 2,5% und einer Abgeltungsteuer von 25% muss er somit 120 € Monat für Monat zusätzlich aufwenden, um das Desaster abzuwenden (Stand: 2012).

Zur Erinnerung: Bisher waren es 75 €, die zur Tilgung herangezogen wurden. Nun sind 195 €; mithin 160 % mehr. Kaum vorstellbar, dass dieses „Steuersparmodell“ ihm bis heute solche Einsparungen bescherte.

Chancen vor Gericht sind so gut wie nie zuvor

Ich habe dem Ratsuchenden empfohlen, monatlich zunächst einmal 120 € beiseitezulegen, damit das Problem nicht aufgeschoben wird. Des Weiteren habe ich ihm nahegelegt, gegen das Verhalten der Lebensversicherungs-Gesellschaft rechtlich vorzugehen. Noch nie standen die Chancen so gut, Nachforderungen gegenüber den Gesellschaften durchzuboxen.

In einem konkreten Fall hatte ein Immobilist Anfang 1998 bis Ende 1999 mehrere Lebensversicherungen für seine Immobilien-Finanzierungen abgeschlossen. Die Laufzeiten lagen zwischen 12 und 20 Jahren. Die Victoria Lebensversicherungs-Gesellschaft (Ergo) ging von einer Verzinsung von 7,3 % über die gesamte Laufzeit aus.

Ein versicherungsmathematisches Gutachten kommt nun zu dem Schluss, dass eine laufende Verzinsung von 5 % dauerhaft erzielbar gewesen wäre. Der Versicherungskunde verlangt nun, hinsichtlich der Ablaufleistung, die schon von Beginn an zu hoch veranschlagten und später vom Versicherer herabgesetzten Zinsen in Höhe der Differenz von jährlich 1,9 % zusätzlich.

Sehr zur Überraschung der Versicherungs-Gesellschaft wurde seine Klage nicht abgewiesen. Stattdessen gab das Landgericht Düsseldorf ein Sachverständigen-Gutachten in Auftrag. Damit befasst sich erstmals ein deutsches Gericht mit der Frage, ob Versicherungs-Gesellschaften für überhöhte und unrealistische Zinsgewinn-Prognosen haften.

Fazit: Rendite nicht das Wichtigste

Nun haben Sie also das erste Mal eine realistische Chance einen Verlust zu reduzieren. So oder so, es zeigt sich einmal mehr, wie recht er hatte, der Münchener Bankier August von Finck.

Kurz bevor er starb, antwortete er auf die Frage eines Journalisten, wie er zu diesem Vermögen gekommen sei: „Weil ich die klassischen Grundlagen einer vernünftigen Vermögensbildung eingehalten habe. Ich habe immer nur investiert, wenn als erstes die Sicherheit gewährleistet war.

Als zweites habe ich darauf geachtet, dass die von mir investierten Mittel jederzeit wieder liquidierbar waren, und erst am Schluss habe ich mir Gedanken gemacht über das Ergebnis, nämlich über die Rendite.“

Alle diejenigen, die sich nicht an diese Formel halten, so meinte August von Finck weiter, werden früher oder später einen Vermögensverlust erleiden. Davon wissen die, die ihre Investments zu sehr auf steuerliche Modelle gründeten, ein Lied zu singen…

13. Juli 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Thomas Haak
Von: Thomas Haak. Über den Autor

Thomas Haak ist Buchautor, Geldtrainer und Seminarleiter.