Welch eine gigantische Fehlspekulation der Deutschen Bank mit diesem Fonds:
Wer auf den "db Kompass Life 3" Fonds setzt, wettet damit gegen das Leben.
Denn: Der Lebensversicherungsfonds verdient vor allem dann Geld, wenn die Versicherten nicht lange leben. Dafür aber hat sich das Fondsmanagement eine Referenzgruppe tatsächlich Lebender ausgesucht.
Menschen zwischen 72 und 85 Jahre. Die Ergebnisse dieser Experiment-Gruppe gelten dann als mustergültig für die gesamte Gemeinschaft dieser Altersgruppe. Dabei fließen auch die Realwerte wie etwa Gesundheitsaspekte in die Datenerfassung ein.
"Gut" ist, wer früher stirbt
Dabei sind die Investoren in diesem Fonds Gewinner, wenn die Mitglieder der Referenzgruppe früher sterben. Überleben zu viele Beobachtete, sinkt die Rendite.
Mathematisch ist die Herangehensweise korrekt - dies allerdings ist der einzig positive Aspekt der gesamten Kalkulation. Zu diesem Ergebnis kommt nach langer Ruhe inzwischen auch der Bankenverband, der sogar "ein Gericht" auffordert, den Fall zu klären. Konkret:
Das Gericht soll klären, ob die "Wette auf die Lebensdauer eines ausgewählten Personenkreises nicht gegen sich aus unserer Sittenordnung ergebende Verhaltensverbote verstößt".
Wir meinen: die Frage lässt sich auch ohne Gericht beantworten. Möglicherweise verstößt die Bank nicht gegen die Sitten des Bankenverbandes. Gegen die üblichen Konventionen von Geldanlegern, mit denen wir als Redaktion in der Regel konfrontiert werden, auf jeden Fall.
Quartalsbericht: der Überblick
Stellen Sie sich bitte vor, wie Quartalsberichte eines solchen Fonds aussehen können. Gute Nachrichten, wenn die Rendite steigt? Schlechte Nachrichtne, wenn die Referenzgruppe zäher als gedacht ist?
Zynisch, dass diese Wette ausgerechnet von einem Lebensversicherungsfonds abgeschlossen wird. Wohlgemerkt: Dabei geht es nicht um die realen Policen-Verträge Versicherter, also das normale Alltagsgeschäft der Versicherungen.
Die Bank wettet ohne weiteres direkt auf das Leben der 500 Amerikaner.
Nicht bekannt wurde bislang, ob und wieviel die US-Bürger für diese Form von "Big Brother" erhalten. Klar aber ist:
- Kein Zufall, dass die Gruppe der Beobachteten nicht in Deutschland wohnt. Öffentliches Sterben, dass hier undenkbar wäre.
- Würde die Bank auf ähnliche Weise eine private Krankenversicherungsgesellschaft betreiben, wie sähe dies aus? Beitragserhöhungen, wenn schwerkranke, teure Patienten längere Überlebensraten haben als vorher angenommen?
- Bis dato wurde kein öffentliches Bedauern der Bank in Deutschland bekannt. Wir gehen davon aus, dass die Gesellschaft damit unter dem Strich erneut massiv Geld verliert, wie mit vielen anderen öffentlichen Auftritten auch.
GeVestor meint: Versicherungen wetten anhand von Sterbetafeln und darauf abgestellten Prämien mathematisch tatsächlich auf Überlebensraten von Versicherten.
Dass reale(!) Menschengruppen beobachtet werden und Investoren hoffen müssen, dass diese früher sterben als gedacht, ist mittelalterlich. Wer mit Lebensversicherungen Geld verdienen möchte, hat mit Allianz Leben beispielsweise vernünftige Alternativen.
Wer wetten möchte, hat im Spielkasino menschenfreundlichere Bedingungen.


