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Leitzins in den USA: Die Fed bestimmt, die Welt reagiert

Im Dezember 1990 stand der amerikanische Leitzinssatz bei 7% pro Jahr, 18 Jahre später nur noch bei 0% bis 0,25%. Grund für diese rasante Abnahme: Die Geldpolitik des amerikanischen Zentralbank-Systems Federal Reserve System (abgekürzt Fed). Denn die Fed bestimmt den Leitzins bzw. die „Federal Funds Rate“ innerhalb des amerikanischen Währungsraums, und dieser Leitzinz wiederum beeinflusst den Geld- und Kapitalmarkt. Worum es sich beim Leitzins handelt, ist dabei nicht nur für Anleger interessant.

Schließlich hat die Finanzkrise seit 2007/2008 verdeutlicht, welche globale Bedeutung der amerikanische Leitzins für den europäischen Geldmarkt hat. Denn der amerikanische und der europäische Geldmarkt sind so eng miteinander verknüpft, dass Krisen sich auf beiden Märkten auswirken. Damit beeinflussen auch Leitzinsänderungen nicht nur den einen, sondern auch den anderen Geldmarkt.

Das Federal Reserve System

Beim amerikanischen Zentralbanksystem, auch US-Notenbank oder Fed genannt, handelt es sich um eine unabhängige staatliche Behörde. Allerdings besteht dieses System aus einer Vielzahl von Banken und anderen Institutionen. Dazu zählen zum Beispiel ein vom amerikanischen Präsidenten bestimmter Vorstand inklusive Präsident („Board of Governers“), 12 regionale Federal Reserve Banks und die Mitgliedsbanken („member banks“).

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Insgesamt soll die Fed für die Stabilität des amerikanischen Finanzsystems sorgen. Zielsetzungen sind die Preisstabilität, ein hoher Beschäftigungsgrad und langfristig gemäßigte Zinssätze. Dies ist auch beim magischen Viereck im Rahmen des deutschen Stabilitätsgesetzes der Fall.

Mehr zum Thema: Stabilitätsgesetz: Das magische Viereck und seine Auswirkungen

Die 7 Mitglieder des Vorstands sowie 5 Vertreter der Federal Reserve Banks bilden außerdem den Offenmarktausschuss („Federal Open Market Committee“), der Offenmarkttransaktionen im Rahmen der Geldmarktpolitik kontrollieren soll. Entscheidungen, die der Offenmarktausschuss beschließt, sollen vom Vorstand bzw. „Board of Governers“ umgesetzt werden.

Einerseits kann der Ausschuss in den Devisenmarkt eingreifen und somit den Wechselkurs zwischen US-Dollar und anderen Währungen beeinflussen, andererseits entscheidet er auch über mögliche Änderungen des Leitzinses. Damit ist dieser Ausschuss das wichtigste Gremium der Fed.

Leitzins für die USA – wirtschaftspolitische Bedeutung für die ganze Welt

Die „Federal Funds Rate“ ist der Zinssatz, den sich amerikanische Banken untereinander für Übernachtkredite (bzw. Overnight-Kredite, also 1-Tages-Kredite) in Rechnung stellen. Denn für diese Banken gibt es eine Mindestreserveverpflichtung bei der Zentralbank, also eine Mindestanlage der Banken bei der Fed.

Verfügt eine Bank jedoch zum Beispiel am Ende des Tages nicht über genügend Geld, um die Mindestreserve einzuhalten, kann sie sich kurzfristig Geld bei einer anderen Bank leihen – zum besagten Zinssatz, der „Federal Funds Rate“.

Andererseits können sich Banken auch Geld bei der Fed leihen. Dann erfolgt eine Verzinsung im Rahmen des Diskontsatzes, also zu einer höheren Verzinsung.

Insofern nehmen Banken Darlehen in der Regel eher bei anderen Banken auf, wodurch der Diskontsatz eine geringere Bedeutung als die „Federal Funds Rate“ hat. Innerhalb des europäischen Währungsraums ersetzt seit 2002 der Basiszinssatz den Diskontsatz.

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Die Auswirkungen der Fed-Leitzinsänderung

Ändert die Fed die „Federal Funds Rate“, hat dies immense Auswirkungen auf den Interbankenmarkt Amerikas, und durch die enge Verknüpfung zu anderen Geldmärkten auch auf diese. Denn bei einem Anstieg des Leitzinssatzes wird es für die Banken teurer, sich Geld zu beschaffen. Dadurch werden weniger oft Kredite vergeben und der Konsum flaut ab. Allerdings kann so auch die Inflationsrate gesenkt werden.

Ein niedriger Leitzins hat oft die gegenteilige Wirkung: In diesem Fall steigt die Investitions- und Konsumbereitschaft und die Wirtschaft wird angekurbelt. Allerdings sind dies nur kurzfristige Tendenzen, was insbesondere die Finanzkrisen 1929 und 2007/2008 verdeutlicht haben. Im Rahmen der Geldmarktpolitik kann die Fed nur versuchen, die Wirtschaft zu beeinflussen – ob ihr dies gelingt, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

24. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.