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Leitzins in der Schweiz: Mit Zielband und Repo-Geschäften

In ganz Europa und auch den USA spricht man seit Beginn der Euro-Krise 2009, aber auch schon mit Beginn der Finanzkrise 2007/2008, eher von einer expansiven statt einer restriktiven Geldpolitik. Das bedeutet niedrige Leitzinssätze der Europäischen Zentralbank (EZB) und des amerikanischen Zentralbank-Systems (Federal Reserve System bzw. Fed) sind der Versuch, die Wirtschaft innerhalb Europas und der USA wieder anzukurbeln.

Allerdings ist die Schweiz kein Mitglied der EU und daher auch nicht direkt von der Euro-Krise betroffen. Dennoch gehen die Finanzkrisen der vergangenen Jahre auch an der Schweizer Wirtschaft und ihrer Nationalbank – als Pendant zu EZB und Fed – nicht spurlos vorbei. Die Geld- und Währungspolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist nicht für Investoren, die in Anlageprodukte dieses Landes investieren, interessant. Denn schließlich betreffen Leitzins-Veränderungen immer auch die internationalen Geldmärkte.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) als spezialgesetzliche Aktiengesellschaft

Bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) handelt es sich – wie auch bei EZB und Fed – um eine unabhängige Zentralbank. Sie wurde im Rahmen des Bundesgesetzes über die Schweizerische Nationalbank gegründet und nahm ihren Geschäftsbetrieb am 20. Juni 1907 auf. Demnach darf die SNB keine Weisungen des Staates – in Form von Bundesrat, Bundesversammlung und weiteren Stellen – annehmen, ist diesen sowie der Öffentlichkeit aber zur Rechenschaft verpflichtet.

Das Bundesgesetz begründet auch ihre Form: So handelt es sich bei der Nationalbank um eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft, deren Aktien als Namenpapiere ausgestaltet und kotiert bzw. an der Börse notiert sind. Das Aktienkapital beträgt 25 Mio. Franken. Der Großteil davon, etwa 55%, befindet sich im Besitz öffentlicher Hand. Dazu zählen zum Beispiel die einzelnen Kantone und Kantonalbanken.

Außerdem besitzen auch Privatpersonen Anteile an den verbleibenden 45%. Dagegen ist der Bund kein Anteilseigner, um die Unabhängigkeit der SNB zu wahren. Die Beaufsichtigung und Kontrolle der Nationalbank obliegt dem Bankrat, der aus 11 Mitgliedern besteht.

Inhaltlich ist das Direktorium für die Geld- und Währungspolitik, die Strategie zur Anlage der Aktiven und für die internationale Währungszusammenarbeit zuständig. Das erweiterte Direktorium befasst sich außerdem mit der operativ-betrieblichen Führung der SNB.

Der Leitzins in der Schweiz

Zu den ökonomischen Aufgaben der SNB zählen unter anderem die Aufrechterhaltung der Preisstabilität, die Gewährleistung der Bargeldversorgung sowie die Beratung des Bundes in währungspolitischen Fragen. Dazu definiert die SBN ein sogenanntes 3-Monats-Libor-Zielband. Insofern wird ein Zielband für den Referenzzinssatz im Interbankenmarktgeschäft (engl. „London Interbank Offered Rate“ bzw. Libor) für dreimonatige Anlagen in Franken festgelegt.

Mehr zum Thema: Libor – Interbankenzinssatz made in London

Um den Zielbandwert auch durchzusetzen, steuert die SNB den Libor mithilfe von Repo- bzw. Rückkaufgeschäften. Indem sie diese tätigt, erhöht sie die Liquidität. Das bedeutet, dass die SNB Wertschriften von einer Geschäftsbank kauft und den Gegenwert auf deren Girokonto gutschreibt. Dafür verpflichtet sich diese, die Wertschriften später zurückzukaufen.

Es handelt sich also um ein Kreditgeschäft zwischen SNB und Geschäftsbank: Die Geschäftsbank erhält kurzfristig Geld, die SNB die Zinsen im Rahmen des sogenannten Repo-Zinses.  Neben Repo-Geschäften kann die SNB auch Devisenswaps tätigen, Devisen aufkaufen oder auch Frankenobligationen privater inländischer Schuldner erwerben, um den Libor zu beeinflussen.

Eingesetzt werden solche Maßnahmen aber lediglich in Krisensituationen, wenn sich zum Beispiel die kurzfristigen Zinsen nahe 0 befinden. Außerdem kann die SNB auch eigene verzinsliche Schuldverschreibungen emittieren, wie dies beispielsweise auch in Deutschland im Rahmen der Bundesanleihen der Fall ist.

24. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.