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Leo Kirch: Aufstieg und Fall des Medien-Löwen

Als Leo Kirch am 21. Oktober 1926 in Würzburg das Licht der Welt erblickte, konnte sicherlich niemand ahnen, dass er einmal an der Spitze der deutschen Medienlandschaft stehen würde. Ein Leben, wie es kein Filmdrehbuch hätte schreiben können und ein Leben, das durch Filmdrehbücher geprägt war. Die Geschichte von Leo Kirch ist einen genaueren Blick wert.

Leo Kirch: Die jungen Jahre und die Ausbildung

Leo Kirch wird nicht in ein Firmenimperium hineingeboren, sein Vater ist im Hauptberuf Klempner und verdient sich als Weinbauer noch etwas dazu. Nach der Volksschule und der Oberrealschule wird der 17-jährige Leo Kirch im Jahr 1943 zum Kriegseinsatz bei der Flugabwehr eingezogen.

Nachdem Kirch im Jahr 1945 desertiert ist, macht er sein Notabitur und studiert ab 1946 zunächst Mathematik und Physik in Würzburg. Später wechselt er an die Hochschule in Nürnberg, um dort Betriebswirtschaft zu studieren. 1952 beendet er dieses Studium erfolgreich und befasst sich als Assistent an der Universität München vor allem mit elektronischen Medien.

1956: Der Start für Leo Kirchs Vision

Das Jahr 1956 ist nicht nur das Jahr, in dem Leo Kirch seine Kommilitonin Ruth Weigand zur Frau nimmt, es ist auch das Jahr, in dem er eine bahnbrechende Idee in die Tat umsetzt. Mit einem Studienkollegen zusammen und etwas Geld, das er sich von der Familie seiner Frau  geborgt hat, fährt Kirch nach Italien. Mit im Gepäck eine Idee, die für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich ist und den Grundstein für Leo Kirchs Medienimperium legen wird.

In Italien kauft er die Rechte für die beiden Filme „Fahrraddiebe“ und „La Strada“. Besonders der Erfolg des Fellini-Films „La Strada“, an dem Kirch nun mit seiner Firma „Sirius Film und Einkauf GmbH“ mitverdient, kann als der erste Meilenstein beim Aufbau der Kirch-Gruppe gesehen werden.

Das Fernsehen macht Kirch zum Medienriesen

Leo Kirch hat früh erkannt, welchen Einfluss das noch neue Medium Fernsehen einnehmen wird, und dass immer neue Inhalte benötigt werden, um das Wachstum des Fernsehens voranzutreiben. Diese Inhalte besorgt Kirch.

Er schließt Verträge mit den großen Filmproduktionen in Hollywood und gründet ein weitverzweigtes System an Firmen, um diese Filme dann zu vermarkten. Es dauert nicht lange, und die meisten in Deutschland gezeigten Filme werden über ein Unternehmen der Kirch-Gruppe verwertet.

Die 1980er Jahre und das aufkommende Privatfernsehen machen Leo Kirch dann endgültig zu einem Mediengiganten, der in einem Atemzug mit Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi genannt wird. Er ist mehrheitlich an den Sendern Sat.1, Kabel 1, ntv, DSF und ProSieben (heute ProSieben Sat.1-Media AG) beteiligt und gründet mit Premiere (heute Sky Deutschland) den ersten Pay-TV Sender in Deutschland. 1999 wird sein privates Vermögen vom Wirtschaftsmagazin Forbes auf über 5 Mrd. US-$ geschätzt.

Zahlungsengpässe und ein Interview bringen Leo Kirch zu Fall

Um Fußballübertragungen und anderen Sportevents exklusiv auf seinem Pay-TV-Sender Premiere zeigen zu können, zahlt Kirch hohe Summen. Allerdings bleiben die Abonnentenzahlen für Pay-TV in Deutschland weit hinter den Erwartungen. Schon seit Mitte der 1990 Jahre gibt es immer wieder Gerüchte um Finanzschwierigkeiten der Kirch-Gruppe.

Im Jahr 2002 meldet die Kirch Media Gruppe schließlich Insolvenz an, mit Schulden und Verbindlichkeiten in Höhe von 6,5 Mrd. €. Die Aktien der börsennotierten ProSieben Sat.1-Media AG, vorher einer der Highflyer am Markt, fallen von knapp 45,00 € bis auf 4,50 €.

Kirch selbst sieht die Hauptschuld für die Insolvenz seines Imperiums bei Rolf Ernst Breuer, dem damaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank, der in einem Interview die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe in Frage stellte.

Kirch verklagt die Deutsche Bank. Es folgen jahrelange Prozesse, deren Ausgang Leo Kirch, der am 14.07.2011 im Alter von 84 Jahre verstirbt, nicht mehr erleben soll. Im Februar 2014 einigen sich die Erben von Leo Kirch und die Deutsche Bank auf einen Vergleich. Kirchs Erben erhalten 775 Mio. € zuzüglich Zinsen.

3. April 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rüdiger Dalchow. Über den Autor

Seit 1995 ist er selber aktiv an den Märkten tätig und hat dabei sowohl Hochs als auch Tiefs erlebt. Aus dieser Erfahrung heraus ist es sein Ziel, dem privaten Anleger oftmals zu kompliziert dargestellte Zusammenhänge an der Börse möglichst einfach, aber dennoch effektiv näherzubringen. Seit 2011 führt sein Blog www.aktienhandel-einsteiger.de mit interessanten Fachartikeln und Interviews durch das Aktiendickicht.