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Leverage Effekt berechnen: Die Formel für den Fremdfinanzierungshebel

In der Finanzwirtschaft hört man im Zusammenhang mit Fremdkapital sehr oft vom Leverage Effekt (oder eingedeutscht von einem „Hebel-Effekt“), ohne dass klar wird, wie dieser Mechanismus eigentlich funktioniert.

Wenn man versteht, welche Berechnungen dahinter stecken, ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten für den Leverage Effekt.

Das gilt insbesondere für Unternehmer, die das volle Potenzial eines Kredites ausschöpfen wollen, aber auch für Investoren, die z. B. mit Derivaten die bestmögliche Rendite erzielen möchten.

Mehr zum Thema: Leverage Effekt: Bedeutung im Unternehmen und beim Aktienkauf

Was genau ist der Leverage Effekt also?

Leverage Effekt: Definition für Unternehmer

Der Leverage-Effekt ist eine Steigerung der Gesamtkapitalrentabilität durch den gezielten Einsatz von Fremdkapital.

Unternehmer, die einen Kredit aufnehmen,  hoffen beispielsweise darauf, dass die Investition des geliehenen Geldes sich hinterher auch „auszahlt“, und können dies wie folgt überprüfen:

Ein Leverage-Effekt liegt nur dann vor, wenn die Gesamtkapitalrentabilität nach der Investition von Fremdkapital höher ist als der Zinssatz, mit dem das Darlehen abbezahlt wird.

Mehr zum Thema: Positiver Leverage Effekt: Wie man die Eigenkapitalrendite erhöht

Das Wichtigste bei der Berechnung des Leverage-Effekts ist also im Grunde die Veränderung der Eigenkapitalrendite in Relation zu Fremdkapitalzins und Verschuldungsgrad.

Leverage-Effekt Berechnung: Schritt für Schritt zum Fremdfinanzierungshebel

 

Die einzige Größe in dieser Formel, die wir ohne weitere Berechnungen kennen, ist der Fremdkapitalzins. Dieser Zinssatz gehört zu den wesentlichen Konditionen der Kreditvergabe bzw. -aufnahme.

 

Die Formel für den Leverage-Effekt lautet:

 

Formel  

Leverage Effekt berechnen

?
Der Leverage-Effekt ist ein Begriff aus der Finanzwirtschaft. Leverage stammt aus dem Englischen und bedeute soviel wie „Hebel“. Der Leverage-Effekt sagt aus, dass durch den Einsatz von Fremdkapital die Eigenkapitalrendite unter bestimmten Bedingungen erhöht bzw. gehebelt werden kann.
$$\bo\text"Rendite"↙\text"(Eingenkapital)" = \text"Rendite"↙\text"(Gesamtkapital)" + ( \text"Rendite"↙\text" (Gesamtkapital)" - \text"Zins"↙\text" (Fremdkapital)" ) * (\text"Fremdkapital" / \text"Eigenkapital")$$
Ergebnis berechnen

Mehr zum Thema: So profitieren Sie von steigenden Zinsen und behalten gleichzeitig sinkende Zinsen im Griff

Bei der Berechnung müssen wir annehmen, dass der Zinssatz gleich bleibt.

Dies ist in der Praxis leider oftmals nicht der Fall, da die Zinsen stark von den aktuellen Schwankungen des Kapitalmarktes abhängen und je nach Kreditinstitut variieren können.

Die nächste unbekannte Größe ist der Verschuldungsgrad.

Wenn dieser Wert zu hoch ist, stößt der Leverage Effekt schnell an seine Grenzen, da Sie als Unternehmer mit steigender Verschuldung nicht mehr so leicht an einen Kredit, also an Fremdkapital kommen.

Leverage Effekt Berechnung: Am Anfang war der Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad ergibt sich aus der Relation von Fremdkapital zu Eigenkapital. Mathematisch heißt das:

Formel  

Statischen Verschuldungsgrad berechnen

?
Der statische Verschuldungsgrad bildet das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital ab. Dieser sagt somit etwas über die Finanzierungsstruktur des Unternehmens aus. In der Regel gilt: Je höher der statische Verschuldungsgrad desto höher das Kreditrisiko der Gläubiger.
$$\bo\text"statischer Verschuldungsgrad" = (\text"Fremdkapital" / \text"Eigenkapital"\)*100$$
Ergebnis berechnen

Bei deutschen Unternehmen liegt dieser Wert im Schnitt zwischen 300 und 400%,

vorausgesetzt, die Eigenkapitalquote beträgt zwischen 20 und 25%.

Mehr zum Thema: Eigenkapitalquote berechnen: einfach erklärt

Daraus folgt logischerweise:

Je höher der Fremdfinanzierungs-Anteil, desto höher der Verschuldungsgrad.

Gesamtkapitalrendite als Mittelpunkt der Leverage Effekt Berechnung

An dieser Stelle ist Vorsicht geboten, da die Gesamtkapitalrendite gerne mal mit der Eigenkapitalrendite verwechselt wird.

Die Eigenkapitalrendite ist eine Kennzahl, die vor allem Anlegern helfen soll, zu beurteilen, wie sich das Eigenkapital eines Unternehmens innerhalb eines Geschäftsjahres verzinst hat.

Bei der Gesamtkapitalrendite hingegen geht es darum, wie sich alle Investitionen in einem Unternehmen zusammengenommen verzinst haben bzw. ob sie sich ausgezahlt haben.

Sie ergibt sich aus folgender Formel:

Formel  

Gesamtkapitalrentabilität berechnen

?
Diese Formel zeigt die Berechnung der Gesamtkapitalrendite.
$$\bo\text"Rendite"↙\text"Gesamtkapital" = [(\text"(Gewinn + Zinsaufwand)" / \text"Gesamtkapital"\)]*100$$
Ergebnis berechnen

Die Gesamtkapitalrendite ist der Schlüssel zur Bewertung eines Leverage-Effekts.

Mehr zum Thema: Positiver Leverage Effekt: Wie man die Eigenkapitalrendite erhöht

Denn nur wenn der Kredit, den Sie für eine Investition aufgenommen haben, so günstig verzinst ist, dass sich nach die Investition die Gesamtkapitalrendite erhöht, greift der Fremdfinanzierungs-Hebel.

Leverage Effekt: Berechnung am Beispiel

Angenommen, ein Unternehmer produziert und verkauft Druckmaschinen.

Er verfügt über 100.000 € Eigenkapital und 120.000 € Fremdkapital.

Sein Verschuldungsgrad liegt demnach bei 1,2. (Denn 120.000/100.000 = 1,2.)

Das Fremdkapital ist verzinst mit 7%, er zahlt also 8.400 € Fremdkapital-Zinsen. (Denn 7% von 120.000 sind  8.400.)

Der Gewinn belief sich im letzten Geschäftsjahr auf 15.000 €.

Die GK-Rendite liegt also aktuell bei 10,6%.

Denn:

((15.000 + 8.400) / 220.000) x 100 = 10,6%

Die Eigenkapitalrendite liegt momentan noch bei 14,9%

Denn:

10,6% + (10,6% – 7%) x 1,2 = 14,9%.

Investition ohne Fremdkapital

Nun soll in ein neues Computersystem investiert werden, dass den Produktionsaufwand der Druckmaschinen langfristig senken wird.

Die Generalüberholung des Systems soll 14.000 € kosten. Wir nehmen an, dass der Unternehmer keinen Kredit aufnehmen möchte und diese Investition vollständig aus seinem Eigenkapital finanziert.

Sein Eigenkapital reduziert sich also auf 86.000 €, womit der Verschuldungsgrad bei 1,4 wäre. Doch dafür hilft die Investition, den Gewinn des Unternehmens von 15.000 auf 20.000 € zu steigern.

Die Gesamtkapitalrendite liegt mit Anwendung der oben genannten Formel bei 13,7%.

Wenn wir nun weiteres Fremdkapital einbringen und der Leverage Effekt zum Tragen kommt, lässt sich sogar eine noch größere Gesamt-EK-Rendite erzielen.

Investition mit Fremdkapital

Der Unternehmer nimmt dazu einen Kredit in Höhe von 14.000 € auf, verzinst mit 7%. Sein Fremdkapital erhöht sich auf  132.000 €  und er zahlt 9.240 € Zinsen.

In dieser neuen Kapitalstruktur steigt der Verschuldungsgrad logischerweise auf 1,32 an, doch die Investition hilft auch in diesem Fall, den Gewinn auf 20.000 € zu steigern. Somit beläuft sich die neue Gesamtkapitalrendite auf 12,6%.

Jetzt kommt der Hebel ins Spiel:

Eigenkapitalrendite = 12,6% + (12,6% – 7%) x 1,32 = 2%

Auch wenn der Anstieg recht gering ist, sieht man dass der Leverage-Effekt funktioniert hat.

Denn durch den Einsatz von Fremdkapital hat der Unternehmer eine höhere Eigenkapitalrendite erzielt- und das bei weniger Verschuldung als bei der Investition von seinem eigenen Geld entstanden wäre.

Mehr zum Thema: Leverage Effekt Formel – Wie man die Kennzahlen berechnet

In der Praxis sehen die Fälle nicht immer so einfach aus,

doch solange man seine Rendite im Auge behält und sich positive Veränderungen ausrechnet , hat es funktioniert!

11. Juli 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.