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Libor: Interbankenzinssatz made in London

Täglich um 11 Uhr schlägt die Minute des Libor, denn dann wird er festgesetzt.

Das geschieht in London, denn der Libor ist die „London Interbank Offered Rate“, also ein Referenzzinssatz für das Geschäft zwischen Banken.

Daher ist er in seiner Wirkung kaum zu unterschätzen: Er ist in der Tat ein internationaler Maßstab für die meisten Geldgeschäfte im Finanzsystem; und bildet die Basis für Geschäfte in Höhe von rund 350 Billionen Dollar.

Libor ist nicht gleich Libor

Der Libor wird für Geschäfte mit verschiedenen Laufzeiten notiert oder fixiert. Das können sehr kurze Geldgeschäfte sein, Geschäfte die eine Laufzeit von einem Monat haben oder auch längerfristiger Geldgeschäfte mit Laufzeiten bis zu einem Jahr.

Mehr dazu: Unterschied zwischen Libor, Libid und Limean

So ist zum Beispiel der 3-Monats-Libor der Zinssatz heute für ein über drei Monate laufendes Geldmarkt-Geschäft. So gesehen ähnelt der Libor den Renditen für Staatsanleihen an den Rentenmärkten.

Nur geht es eben nicht um Zinsen für Geld, das Investoren an Staaten verleihen, sondern Gelder, die Banken untereinander ausleihen.


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Libor in unterschiedlichen Währungen

Zudem werden Libor-Zinssätze in 10 verschiedenen Währungen berechnet.

Das sind:der australischer Dollar, der kanadischer Dollar, Schweizer Franken, die dänische Krone, der Euro, das Pfund Sterling, der japanische Yen, Neuseeland-Dollar, schwedische Kronen und US-Dollar.

Der Euro-Libor im speziellen hat als Referenzzinssatz übrigens eine wesentlich geringere Bedeutung als der EURIBOR, der in seiner Funktionsweise aber dem Libor ähnelt.

Wie der Libor zustande kommt

Der Libor errechnet sich, indem international tätige Banken täglich einen Zinssatz angeben, zu dem sie sich am Markt Gelder von anderen Banken geliehen haben oder zu welchem Satz sie zumindest Gelder sich hätten leihen können, also angeboten bekommen haben.

Daher ist der Libor ein Zinssatz für Geldangebote im Interbankenmarkt.

Aus den einzelnen Meldungen der Banken berechnet sich dann der Libor-Zinssatz als der Durchschnitt der gemeldeten Zinsen für die Geldangebote mit jeweils unterschiedlichen Laufzeiten und in den jeweils zehn Währungen.

Manipulationen am Libor – Der Skandal 2012

Ein Interesse daran, einen niedrigeren Libor-Zinssatz anzugeben hatten Banken offenbar während der Krise ab 2008 und nach der Pleite von Lehman Brothers.

Denn je niedriger der angegebene Zinssatz, desto besser stellte sich die Lage der Banken dar – sie hatten sich also über den Zinssatz schön gerechnet und systematisch bessere Zinssätze gemeldet als die tatsächlichen Zinsen an den Geldmärkten waren.

Das flog im Juni 2012 auf. Als erste Bank, bei der der Libor in diesem Sinne nach Gutdünken festgesetzt wurde, wurde die Barclays Bank überführt.

Die Behörden in den USA, Europa und Japan schätzten in den Wochen und Monaten darauf aber, dass die Kursmanipulationen nicht nur von einer, sondern rund 20 Banken weltweit ausgingen.

Der Schaden, der Investoren durch die Manipulationen entstanden sein könnte bezifferten Ökonomen im Zuge des Skandals auf rund 17 Milliarden US-Dollar.

Erstes menschliches Opfer des Skandals wurde der Chef der britischen Großbank Barclays, Bob Diamond. Er musste  wegen der Zinsmanipulationen am Libor seinen Hut nehmen.

Es drohen hohe Strafen – und Schadenersatz

Die Bank musste zudem fast eine halbe Milliarde Dollar Strafe zahlen.

Solche Strafen seitens der Behörden wie im Fall Barclays allerdings könnten das kleinste Problem für die Banken sein, denen man eine Manipulation des Libor nachweisen kann, meinen Experten.

Denn nach den Libor-Manipulationen drohen nun Schadenersatzklagen von Investoren – und die könnten schnell in die Milliarden gehen.

12. November 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Fehr
Von: Michael Fehr. Über den Autor

Michael Fehr wirkt seit fast zwei Jahrzehnten am internationalen Finanzplatz Frankfurt, ist ausgewiesener Finanz- und Wirtschaftsjournalist: Er arbeitete unter anderem für die Deutsche Börse AG, das ARD-Börsenstudio und die Financial Times Deutschland.