von Cosmin Filker

Liquidität allein reicht nicht

Liquidität allein reicht nicht

Gastbeitrag von Markus Lindermayr

Der Aktienindex DAX sowie der Euro-Stoxx-50 legten innerhalb kurzer Zeit 4 % zu.

Gleichzeitig stiegen der Euro und das Gold zum US-Dollar an.

Eine koordinierte Maßnahme der internationalen Notenbanken – namentlich der Federal Reserve (Fed), der Europäischen Zentralbank (EZB), Bank of Canada, Bank of England (BOE), Bank of Japan (BOJ), Schweizer Nationalbank (SNB) – hat die Märkte euphorisiert.

Das Federal-Reserve-System der USA stellt dabei den anderen Notenbanken mittels Swap-Geschäften Dollarreserven gegen fremde Währung zur Verfügung.

Diese können dann von den Notenbanken an Banken über ein Auktionsverfahren verliehen werden, die von anderen Banken keine Dollars mehr geliehen bekommnen.

Dazu muss man wissen, dass europäische Banken sich für 8 Billionen Dollar kurzfristig verschuldet und diese Summen langfristig in lokaler Währung an Kreditnehmer vergeben haben. Die europäischen Banken müssen nun ihre Kredite immer wieder rollieren (verlängern).

Neue Befristung von Swap-Verträgen

Bestehende Swap-Verträge mit der Fed wären zum 01.08.2011 ausgelaufen und sind nun bis zum 01.02.2013 befristet.

Als im Mai 2010 die Swap-Verträge mit der Fed aus der Immobilienkrise 2007 nicht verlängert wurden, verschärfte sich die europäische Finanzkrise erheblich.

Die Sorge um ein Auseinanderbrechen der Eurozone und die Tatsache, dass der europäische Stabilitätsfonds einen Ausfall eines Staates nicht auffangen könnte, ließen die Dollarkredite versiegen. Ohne Dollar müssten die Banken Kredite in gigantischem Ausmaß kurzfristig kündigen.

Auch die Bank of China synchronisierte ihre Geldpolitik mit den anderen Notenbanken. Zum ersten Mal seit 2008 senkte die Bank of China ihren Mindestreservesatz. Mit Wirkung zum 05.12.2011 wird der Satz um 50 Basispunkte gekürzt. Dieser lag bei bis zu 21,5 % für große Unternehmen.

Damit reagierte die BOC auf die durch die europäische Finanzkrise verminderten Exportaussichten Chinas.

Liquidität löst das Vertrauensproblem nicht

Fast könnte man den Eindruck haben, die Finanzkrise wäre vorbei. Doch das kann nicht sein.

Durch Liquidität kann man kein Solvenzproblem lösen. Insolvent ist man, wenn man mehr Schulden hat als Vermögenswerte. Griechenland ist pleite, genauso wie viele Banken in den Peripheriestaaten und da helfen auch keine billigen Kredite mehr.

Neben den Solvenzproblemen in Europa besteht ein erhebliches Vertrauensproblem in die europäischen Institutionen und die verschuldeten Staaten. Da werden die beschlossenen Liquiditätsmaßnahmen nicht viel ändern.

Eine Möglichkeit, potenzielle Gläubiger zu überzeugen, wäre eine radikale Fiskalunion, bei der alle neuen Schulden aller Staaten der Eurozone mit Eurobonds finanziert werden und die alten Titel ganz ausliefen. Irgendwann gäbe es dann nur noch Eurobonds.

Die Emissionen erfolgten durch ein europäisches Finanzministerium. Die Verteilung der Mittel muss parlamentarisch abgesegnet werden, damit Staaten gemäß ihrer Bevölkerungszahl berücksichtigt werden.

Dieses Finanzministerium erhält ein oder 2 Steuerarten von den Mitgliedstaaten des Euro übertragen, samt Steuersetzungsmacht. Die einzelnen Staaten, Bundesländer, Gemeinden und Städte bekämen für Neuverschuldungen keine Bürgschaften mehr oder dürfen gar keine ungesicherten Anleihen mehr begeben.

Die Eurobonds würden unter diesen Vorzeichen eine solide Nachfrage finden. Auch der IWF oder der chinesische Staatsfonds würden solche Anleihen schätzen.

 
 
Bildquelle: Philophoto - Fotolia

Autor:

Cosmin Filker

Der Chefredakteur des Newsletters "Nebenwerte aktuell" kann auf eine jahrelange Börsenerfahrung besonders im Nebenwerte-Bereich zurückblicken und durch seine berufliche Erfahrung beim Researchhaus GBC AG von der täglichen Präsenz am Markt profitieren.