Bei Fraport wird gestreikt, bei der Lufthansa geklagt.
Allerdings ist die Personalvertretung der Airline in der vergangenen Woche mit einem Antrag auf einstweilige Verfügung gescheitert, die Lufthansa darf ihre Pläne also vorerst weiter verfolgen.
Und darum geht es: Mit dem neuen Berliner Flughafen, der im Sommer 2012 eingeweiht werden soll, will die Lufthansa ihr Angebot ausweiten. Das kostet.
Damit die Kosten nicht zu sehr explodieren, hat man sich überlegt, wo man Einsparungen vornehmen könnte. Und die treffen – wie so häufig – das Personal.
Discount-Stewardessen aus dem Subunternehmen
Es wird zwar deutlich mehr Personal benötigt, das soll sich aber bitte nicht zu sehr auf die Bilanzen auswirken. Schließlich will man durch das Mehr an Angebot am Ende auch ein Mehr an Gewinn sehen.
Dagegen begehren die Arbeitnehmervertreter auf, warnen vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft in den Lüften. Und sie sind mit ihrem Protest nicht allein.
Drohen Streiks wie bei Bahn, Fraport & Co.?
Gerade die Dienstleister im Mobilitätssektor machen im wahrsten Sinne des Wortes mobil und wehren sich in den letzten Jahren häufig gegen Dumping-Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen.
Lebhaft ist vielen Bahnreisenden noch der monatelange Lokführerstreik im Gedächtnis, dem im Winter 2007 und 2008 etliche Zugverbindungen zum Opfer fielen.
Die Forderungen der Arbeitnehmer sind bei solchen Streiks mal mehr, mal weniger berechtigt.
Während die meisten frierenden Bahnkunden noch Verständnis dafür aufbringen konnten, dass Angestellte der Deutschen Bahn eine Garantie auf 12 freie Wochenenden pro Jahr (!) forderten, schütteln viele den Kopf angesichts der derzeitigen Lohnvorstellungen der Vorfeld-Beschäftigten am Frankfurter Flughafen.
Zufriedene Angestellte für zufriedene Kunden
Doch kann man nicht allein den Beschäftigten einen Vorwurf machen.
Im Interesse des allgemeinen Betriebsklimas und auch der Verhandlungsbereitschaft wäre sicherlich auch, die Angestellten an den Milliardengewinnen zu beteiligen und ihnen Zugeständnisse in den Tarifverhandlungen zu machen, gerade wenn die Unternehmen wirtschaftlich exzellent dastehen.
Was passiert, wenn die Stimmung bei den Angestellten von Angst und Misstrauen geprägt, mithin eher schlecht ist, und das dann an die Kunden weitergegeben wird, hat gerade erst der Fall Schlecker eindrucksvoll bewiesen.
Die Branche ist zwar eine völlig andere, doch im direkten Kontakt zum zahlenden Kunden sind Stewardess und Kassiererin durchaus vergleichbar.
Beide repräsentieren das Unternehmen – und das tun sie in aller Regel umso besser, je zufriedener sie mit ihren Arbeitsbedingungen sind, sprich: je loyaler sie sich gegenüber dem Arbeitgeber fühlen.
Gerichtsverfahren gegen Arbeitnehmer kratzen am Image
Selbst wenn das Arbeitsgericht in Frankfurt der Lufthansa einen Etappensieg verschafft hat, wäre die Airline gut beraten, sich Gedanken zu machen über alternatives Sparpotenzial.
Denn die Arbeitnehmervertreter haben bereits angekündigt, gegen den Gerichtsbeschluss Beschwerde einzulegen. Der Streit ist noch lang nicht ausgefochten.
Gerichtsverfahren schlagen sich nicht nur in den Bilanzen nieder.
Auch das öffentliche Ansehen eines Unternehmens leidet mitunter, wenn allzu schlechter Umgang mit den Beschäftigten über einen längeren Zeitraum publik wird.
Lufthansa-Aktie bereits wegen Fraport-Streik unter Druck
Dass die Lufthansa-Aktie anfällig für Personalstreitigkeiten ist, hat sie am Dienstag erst bewiesen, als sie im Wert um 1,7 Prozent sank. Entscheidend hierfür waren die Arbeitsniederlegungen am Frankfurter Flughafen, die zu zahlreichen Annullierungen von vor allem innerdeutschen und innereuropäischen Flügen führen.
Ein potenzieller Streik der eigenen Belegschaft würde der Lufthansa-Aktie da bestimmt nicht gut tun, ebenso wenig wie ein Gerichtsurteil, das den Arbeitnehmern Recht gibt.
Es ist immer eleganter, außergerichtliche Lösungen zu finden.



