Marktturbulenzen: Sechs wichtige Fakten über den Bären-Markt

Die Marktturbulenzen in den USA bleiben weiter bestehen.

Seit Wochen herrscht Panik an den Börsen. Fallende Kurse, die US-Schuldenkrise und sinkende Konjunkturdaten lassen vielerorts von einer neuen Finanzkrise sprechen, die ähnlich dramatisch ausfallen könnte wie die Krise vor rund vier Jahren.

Vor allem in den USA geht die Angst vor einer erneuten finanziellen Katastrophe um. Und die Faktenlage bezüglich der Marktturbulenzen bringt nur wenige positive Neuigkeiten.

1. Vom Bullen zum Bären

Bis zur Jahrtausendwende blickten Anleger in den Vereinigten Staaten auf einen enorm langanhaltenden Bullenmarkt zurück. Dieser reichte von den frühen Achtzigern bis ins Jahr 2000 und wurde nur durch den Börsencrash im Jahre 1987 kurzzeitig unterbrochen.

Am Ende dieses Bullenmarktes standen Kurse am NASDAQ, die weitaus höher waren als jemals zuvor in der Börsengeschichte – und seitdem bei weitem nicht mehr erreicht werden konnten.

Gleichzeitig stiegen die Schulden im US-Staatshaushalt während der vorausgegangenen 20 Jahre deutlich an. Nimmt man diese beiden Entwicklungen zusammen, war ein Börsencrash vorprogrammiert. Und tatsächlich, in den folgenden drei Jahren sanken die Kurse dramatisch.

Dennoch blieben die Überbewertungen der Wertpapiere weiterhin bestehen, da Politiker und die US-Notenbank sich nicht auf Einsparungen und Neubewertungen einigen konnte.

Stattdessen senkte die Notenbank den Leitzins von ehemals 6,25 auf nunmehr ein Prozent – der Beginn der Immobilien- und Wertpapierblasen, die 2007 explodierten.

2. Immobilienblase vom Staat verordnet

Durch diese niedrigen Zinsen sorgte die Regierung in Washington dafür, dass viele Amerikaner ein Eigenheim kauften – egal, ob sie es sich leisten konnten oder nicht. Die Zinslage war deutlich zu verlockend.

Bankinstitute stellten günstige Immobilienkredite aus und drehte diese den Hauskäufern an. Die Wallstreet griff diese Kredite aus und verpackte sie in Anleihen, die sie dank der AAA-Bewertung des Landes mit Profit an die Anleger weiter verkaufen konnte. Die bekannte Blasenbildung wurde weiter angestachelt.

3. Der Markt ist nicht unterbewertet

Schon damals wurde der Finanzmarkt also deutlich überbewertet. Nachdem die Blasen reihenweise platzen, schrumpften die Gewinne gegenüber den Erwartungen auf weniger als die Hälfte zusammen.

Analysten machen momentan einen ähnlichen Fehler und erwarten, dass der Index S&P 500 auch 2011 sehr starke Gewinne einfahren wird und die Rekordmarke von 1.500 Punkten übersteigen wird.

Doch im Gegenteil: Die wachsende Weltkonjunktur wird im zweiten Halbjahr deutlich zurückgehen. Die Schuldenkrise betrifft nämlich nicht nur die amerikanische Regierung, sondern auch Privatpersonen. Deren Schuldenstand ist mit momentan rund 52 Billionen Dollar auf einem Allzeit-Rekordhoch.

4. Schuldenlevel der USA beeinflusst Weltmarkt

Normalerweise befinden sich die Schulden der amerikanischen Haushalte bei rund 50 Prozent des Bruttoinlandproduktes. In den vergangenen zwanzig Jahren – dank eines unverhältnismäßig gestiegenen Verlangen nach Konsumgütern – schossen die Schulden jedoch immer weiter in die Höhe.

Die immens hohen Verbindlichkeiten der Privathaushalte werden also wahrscheinlich zu einem „Double Dip“ führen. Nach einer kurzen Erholung an den Märkten geht es weiter bergab. Die Privatleute müssen sparen und werden im zweiten Halbjahr weniger Ausgaben tätigen – das Wirtschaftswachstum wird also weiter geschwächt.

Dies betrifft nicht nur die USA, sondern auch die weltweiten Märkte, da die amerikanische Wirtschaft auch weiterhin rund dreimal größer ist als die der folgenden Wirtschaftsnationen – und zu rund 70 Prozent auf dem Handel basiert.

5. Ausgabenkürzungen bewirken weitere Krise

Eine Wahl der erzkonservativen „Tea Party“ würde diese Entwicklung weiter verschärfen. Diese plant drastische Einsparungen im Sozial- und Wirtschaftsbereich. Dies wäre jedoch ein großer Schritt in die falsche Richtung, da die Wirtschaft auch finanziell angekurbelt werden muss, um die Krise überwinden zu können. Ansonsten werden die Schulden der USA durch die Einsparungen nicht verringert, sondern vielmehr weiter ansteigen.

6. USA weiterhin stärker als EU und Asien

Und eben dieses Schuldenlevel plagt nicht nur die USA, sondern in noch größerem Ausmaß die europäischen und asiatischen Staaten. Die finanzielle Situation in den traditionell handelsstarken EU-Staaten Spanien, Italien und nun auch Frankreich hat dabei auch Auswirkungen auf die US-Wirtschaft, die rund ein Viertel der Exporte nach Europa verschickt. Bricht dieser Absatzmarkt ein, werden die Marktturbulenzen in den USA weiter ansteigen.

Und auch in Asien sieht die Situation nicht besser aus. Japan ist im Zuge der Erdbebenkatastrophe noch weiter in die Schuldenfalle abgerutscht, die Verschuldung des Landes liegt bei deutlich mehr als dem Zweifachen des Bruttoinlandsproduktes – einsame Spitze in der Welt.

Und auch in China könnte sich das Wachstum in naher Zukunft ins Gegenteil umkehren, falls ein neuer Wirtschaftsplan keine Fortschritte bringt.

 
 
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