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Merkantilismus in Frankreich – Wirtschaftspolitik im Absolutismus

Merkantilismus beschreibt eine Vielzahl wirtschaftspolitischer Maßnahmen, die vor allem vom 16. bis 18. Jahrhundert in zahlreichen europäischen Staaten ergriffen wurden.

Als Ursprung werden vor allem Frankreich und England angesehen, wo sich bereits frühzeitig erste merkantilistische Anschauungen verbreiteten.

Der Merkantilismus in Frankreich war sehr eng verknüpft mit der Staatsform des Absolutismus, er entstand und entwickelte sich in dieser Zeit.

Generell lässt sich der Merkantilismus nicht als klar definierte Wirtschaftstheorie ansehen. Vielmehr beschreibt der Begriff die unterschiedlichsten Arten der staatlichen Einflussnahme auf die Wirtschaft.

Am Beispiel von Frankreich lässt sich der Merkantilismus gut erläutern, gilt es doch als eines der Zentren der merkantilistischen Politik.

Die Ziele des Merkantilismus in Frankreich

Im 16. Jahrhundert wurde das Land von Bürger- und Religionskriegen gebeutelt, was Landwirtschaft, Handel und Handwerk in eine äußerst schlechte Verfassung brachte.

Als die französische Monarchie einen immer größeren Einfluss erlangte und den regionalen Adel immer weiter zurückdrängte, begann auch die Blütezeit des Merkantilismus.

Die absolutistischen Herrscher benötigten steigende Staatseinnahmen, um ihre Heere zu unterhalten und den wachsenden Beamtenapparat finanzieren zu können.

Das Ziel des Merkantilismus in Frankreich war es demnach, die eigene Wirtschaft zu stärken, die Produktivität zu erhöhen und den Handel auszubauen.

Mehr zum Thema: Merkantilistische Wirtschaftspolitik

Um diese Ziele zu erreichen, bedienten sich die Herrscher einer Vielzahl von Maßnahmen.

Merkantilistische Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung

Um den Export steigern zu können, war natürlich zunächst eine wachsende Produktion nötig.

Hierfür wurden mitunter Spezialisten aus dem Ausland abgeworben, während inländischen Spezialisten die Auswanderung erschwert und schließlich sogar untersagt wurde.

Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur spielte eine ähnlich große Rolle wie die Verringerung inländischer Handelsbarrieren wie Inlandszöllen.

Für eine einheitliche Produktion wurden Vorschriften erlassen und einheitliche Maße und Gewichte eingeführt. Möglich war dies auch dadurch, dass die nötigen Entscheidungen fortan zentral gefällt wurden.

Zudem war es ein Merkmal des Merkantilismus in Frankreich, dass der Import von fertigen Waren erschwert wurde, während der Export gesteigert werden sollte. Eine positive Handelsbilanz war vielfach das erklärte Ziel.

Hierfür wurden primär Zölle eingesetzt. Der Rohstoff-Import war davon meist nicht betroffen, wohingegen der Rohstoff-Export verhindert werden sollte.

Mehr zum Thema: Der Merkantilismus in Europa

Folgen der merkantilistischen Maßnahmen

Die ergriffenen Maßnahmen zeigten schnell Wirkung und Frankreichs Wirtschaft wurde europaweit führend. Die Staatseinnahmen wuchsen rasch an – auch begünstigt durch eine Steuerreform, die unter Ludwig XIV. eingeführt wurde.

Als Schlüsselfigur gilt in diesem Zusammenhang Jean-Baptiste Colbert. Er war Finanzminister unter Ludwig XIV. und gilt als der Begründer des Merkantilismus in Frankreich.

Aufgrund der zahlreichen von ihm eingeführten Maßnahmen und deren Bedeutung werden die französischen Ausprägungen des Merkantilismus auch Colbertismus genannt.

Colbert gelang es, die Staatsfinanzen zu sanieren. So legte er den Grundstein für die Deckung der hohen Kosten von Hofstaat, Verwaltung, Militär und Kriegszügen, die während der Herrschaft von Ludwig XIV. entstanden.

Auch wenn Frankreichs Erfolge in der Wirtschaftspolitik beachtlich waren, so bleibt dennoch festzustellen, dass gerade im Bereich des Außenhandels andere Staaten – vor allem England und die Niederlande – erfolgreicher waren.

Dennoch wurden durch den Merkantilismus in Frankreich die Strukturen für den modernen Kapitalismus geschaffen.

Bei aller Kritik, der sich diese Wirtschaftskonzepte zu Recht ausgesetzt sehen, schafften sie dennoch einen Teil der Basis, auf der auch die heutige Wirtschaft noch beruht.

5. Mai 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sebastian Grünewald. Über den Autor

Sebastian Grünewald ist freier Autor und Redakteur mit mehrjähriger Erfahrung. Er vermittelt einer breiten Leserschaft ökonomische Zusammenhänge und Themenfelder wie private Vorsorge und Geldanlage mit einfachen Worten.