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Merkantilismus: Ludwig XIV. und der absolutistische Staat

Wenn es um den Begriff Merkantilismus geht, ist die Assoziation zum Frankreich vergangener Jahrhunderte nicht weit.

Immerhin protegierte der absolutistische Herrscher Ludwig XIV. dieses System – und brachte sein Land damit an der Spitze der Handelsmächte in Position.

Die Geburt des Merkantilismus

Für die heutige Wirtschaftswissenschaft steht fest: Der Merkantilismus lässt sich nicht als homogene Theorie einteilen, zu zahlreich waren seine Ausprägungen in den verschiedenen Ländern und im Wandel der Zeit.

Viel eher meint die Bezeichnung Merkantilismus ein System von ganz verschiedenen Maßnahmen, die allesamt eine Ausrichtung hatten:

Die gezielte Lenkung der Handels- und Finanzabläufe eines Landes durch staatliche Einflussnahme.

Frankreich gilt zwar tatsächlich als primäres Zentrum der Entstehung dieses Gedankengutes, allerdings verbreitete es sich vom 16. bis zum 18. Jahrhundert rasant in vielen europäischen Ländern – mit unterschiedlichem Erfolg.

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In England zum Beispiel soll der Merkantilismus ganz ohne Ludwig XIV. zu ähnlichen Zeiten in den Kinderschuhen gesteckt haben.

Merkantilismus unter Ludwig XIV. von Frankreich

In den absolutistischen Epochen war es natürlich leicht, ein auf Kontrolle und Regierungseinfluss fußendes System zu etablieren – immerhin waren die herrschenden Monarchen uneingeschränkt in ihrer Macht und Beschlusskraft.

Da die Staatskassen in Frankreich nach zahlreichen größeren und kleineren Kriegen geleert waren, wünschte sich der ,Sonnenkönig‘ eine möglichst rasche Steigerung der Produktivität und natürlich der Steuereinnahmen durch Handel und Export.

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Zu den getroffenen Maßnahmen, die aus heutiger Sicht teilweise bizarr diktatorisch anmuten, gehörten Gesetze, welche die Auswanderung von Spezialisten in Nachbarländer verhindern sollten.

Zudem wurde das Handelsaufkommen vergrößert, indem Infrastruktur ausgebaut und inländische Zölle aufgehoben wurden.

Generell ging es dem Herrscher und seinen Beratern vor allem um den Aufbau einer positiven Handelsbilanz – sie wollten also stets größere Werte exportieren als importieren.

Merkantilismus: Ludwig XIV. erließ strenge Gesetze und Gebühren zum Wohle seiner Wirtschaft

Ebenfalls durch strenge Gesetze und Zölle konnte erreicht werden, dass Rohstoffe zwar eingekauft wurden, in andere Länder verkauft wurden aber in erster Linie die wertgesteigerten Endprodukte.

Vor allem der französische Finanzminister unter König Ludwig XIV. mit Namen Jean-Baptiste Colbert war geistiger Urheber vieler dieser wirtschaftlichen Maßnahmen.

Aus diesem Grund wird sein Name oftmals in einem Atemzug mit Merkantilismus erwähnt.

Es fällt auch in diese Zeit, dass zum allerersten Mal genormte Gewichte, Maße und Produktionsstandards festgelegt wurden – Errungenschaften, die alle Industrieländer bis heute erhalten haben.

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Tatsächlich ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten: Schon nach relativ wenigen Jahren rückte Frankreich an die Spitze der europäischen Handelsmächte und konnte diesen Status lange Zeit verteidigen.

Nur so ließen sich die enormen Ausgaben, welche die absolutistische Herrschaft durch Kriege, Militär, Hofstaat und puren Luxus verursachten, begleichen.

Da auch in heutiger Zeit immer mal wieder der Ruf nach stärkerer wirtschaftlicher Lenkung durch die Regierung laut wird, bleibt der Begriff des Merkantilismus stets aktuell.

11. Juni 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.