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Metall und Stahl Branche – Überkapazitäten belasten immer noch

Die Stahlproduktion stieg in den ersten sechs Monaten 2014 im Vergleich zur Vorjahresperiode weltweit um 2,5% auf rund 821 Mio Tonnen Rohstahl, jedoch weiterhin mit erheblichen regionalen Unterschieden.

So wuchs die Produktion in den USA laut Angaben des Weltstahlverbands aufgrund von Produktionsausfällen durch den langanhaltenden strengen Winter lediglich um 0,9%. Bei KlöCo ging der Absatz im Segment Americas deshalb sogar um 3,8% zurück.

Bei U.S. Steel kamen dann noch hausgemachte Probleme dazu. So setzte der Konzern 217.000 Tonnen Stahl weniger ab, wobei Flachstahl den höchsten Nachfragerückgang verzeichnete. Zudem litt die Röhrensparte weiterhin unter stark rückläufigen Preisen.

In der EU verzeichneten dagegen nahezu alle Länder spürbare Zuwachsraten, sodass die Produktion insgesamt um 3,8% anstieg. In Europa stieg der Absatz in der Stahl- und Metalldistribution laut Eurometal um 5,0%. In China legte die Produktion um 3,0% zu, während in Brasilien ein Rückgang von 1,5% verzeichnet wurde.

Überkapazitäten belasten immer noch

Nach wie vor problematisch für die Stahlindustrie sind die großen Überkapazitäten vor allem in China und in Europa, sodass das Verhältnis von Angebot und Nachfrage weiterhin zu einer strukturellen Unterauslastung führt. In Europa und den USA lag die Auslastung der Stahlproduzenten Ende Juni bei jeweils rund 75%.

Um den Überhang zu beseitigen und dadurch den Preisdruck zu lindern, müssten gleich mehrere Fabriken schließen. Auch auf der Distributionsstufe bestehen weiterhin erhebliche Überkapazitäten, mit der Folge einer anhaltend hohen Wettbewerbsintensität.

KlöCo als einer der größten produzentenunabhängigen Stahl- und Metalldistributeuren konnte dennoch im 1. Halbjahr des Jahres 2014 mit 3,4 Mio Tonnen Stahl 0,5% mehr absetzen.

Aurubis Top, Salzgitter eher Flop

Beide Unternehmen haben Quartalszahlen vorgelegt, wobei Aurubis von den eigenen guten Zahlen profitierte, Salzgitter dagegen operativ schlechter als erwartet abgeschnitten hat, gleichzeitig aber auch vom Aurubis-Ergebnis profitiert.

Aurubis hat im 3. Quartal die seit 2013 andauernden Produktionsprobleme endlich überwunden und ist wieder zur Normalität zurückgekehrt. Besonders erleichtert reagierten die Aktionäre auf das Ende der Wartungsarbeiten am Hamburger Stammwerk sowie die Beseitigung von technischen Problemen der Kupferschmelze.

Großer Profiteur der guten Zahlen und des verbesserten Ausblicks bei Aurubis ist Salzgitter. Der Konzern profitiert aktuell von seiner Beteiligung an Aurubis, denn einerseits erhöht ein steigender Aurubis-Aktienkurs die stillen Reserven, andererseits fließt Salzgitter bei eventuellen Dividendenzahlungen durch Aurubis auch ordentlich Cash in die Kasse.

Doch um langfristig den eigenen Aktienkurs zu erhöhen, bedarf es nicht nur externer Faktoren, wie dem starken Beteiligungsergebnis von Aurubis. Vielmehr muss Salzgitter durch die Verbesserung des eigenen operativen Geschäfts dafür sorgen, dass die Umsätze und Gewinne wieder steigen.

Dann sind gute Beteiligungsergebnisse nur noch das Sahnehäubchen. Und das sollte dann auch die Talfahrt der Salzgitter-Aktien beenden, die seit 2007 mehr als 80% eingebüßt haben. Die Aktionäre jedenfalls würden sich darüber freuen.

Alcoa

Alcoa gilt als Gradmesser der US-Industrie. Wenn es nach den Zahlen des Konzerns geht, sieht das 2. Halbjahr gut aus. Denn der vom Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld geführte Konzern verdiente mehr als erwartet und kehrte in die Gewinnzone zurück.

So lag der Gewinn im 2. Quartal bei 138 Mio $. Ein scharfer Kontrast zum Vorjahr, als noch ein Verlust von 148 Mio $ in den Büchern stand. Im Nettogewinn enthalten sind Sonderausgaben in Höhe von 78 Mio $, die vor allem auf die Umstrukturierung zurückzuführen sind, die Alcoa derzeit unternimmt, um die Kostenbasis seines Rohstoffgeschäftes zu senken.

Unter Ausschluss dieser Sonderausgaben ergab sich ein Nettogewinn von 216 Mio $. Von April bis Juni generierte Alcoa einen Umsatz in Höhe von 5,8 Mrd $, was in etwa dem Niveau des Vorjahresquartals entspricht. Das operative Ergebnis (EBITDA) belief sich auf 776 Mio $, verglichen mit 616 Mio $ im Juniquartal 2013.

Alcoa führte die guten Ergebnisse auf die fortlaufende Umstellung des Portfolios zurück. Der Konzern hatte in den vergangenen Monaten verstärkt in Spezialprodukthersteller investiert und deren Produktionskapazitäten erhöht, um angesichts des niedrigen Aluminiumpreises dort die Umsätze zu steigern.

Im 2. Quartal arbeiteten alle Segmente rentabel, wobei die verarbeiteten Produkte wie Getränkedosenverpackung, Lkw und Trailerteile sowie Flugzeugrümpfe die besten Ergebnisse in der Geschichte des Konzerns erbrachten. Alcoa hat den richtigen Weg eingeschlagen, die Nachfrage nach Aluminium ist robust.

Arubis

Aurubis erzielte in den ersten neun Monaten einen Umsatz von 8,36 Mrd € nach 9,63 Mrd € im Vorjahr. Der Rückgang um 13,2% ist im Wesentlichen auf niedrigere Metallpreise, insbesondere bei Edelmetallen, zurückzuführen.

Das für die Steuerung des Konzerns maßgebliche operative Ergebnis vor Steuern (EBT) betrug 75 Mio € (Vj. 132 Mio €). Diese Entwicklung basiert hauptsächlich auf folgenden Faktoren: Das Ergebnis des Segments Primärkupfer war von den Auswirkungen des Wartungs und Reparaturstillstandes in Hamburg geprägt.

Die Produktionszahlen lagen deshalb unter Vorjahresniveau. Darüber hinaus beeinträchtigten deutlich niedrigere Schwefelsäurenotierungen sowie erheblich gesunkene Raffinierlöhne für Altkupfer das Ergebnis des Segments.

Der Anstieg der Schmelz- und Raffinierlöhne für Kupferkonzentrate und die Erhöhung der Kathodenprämie, beides seit Januar 2014, konnten diese Effekte nicht kompensieren. Das Ergebnis im Segment Recycling/Edelmetalle wurde stark durch die niedrigen Raffinierlöhne für Altkupfer beeinträchtigt.

Die positive Ergebnisentwicklung des Segments Kupferprodukte setzte sich fort. Hierzu trug die robuste Absatzentwicklung von Rod & Shapes bei. Die Situation der Flat Rolled Products war durch die fortgesetzten Restrukturierungsmaßnahmen gekennzeichnet.

Salzgitter

Trotz der anziehenden Konjunktur in Europa gab es vom gesamten Stahlmarkt kaum Impulse, da sich der Kapazitätsüberhang in Europa fortsetzte. Salzgitter hatte zunächst mit einer bestätigten Prognose die Hoffnung auf bessere Zeiten untermauert, konnte aber in den Kerngeschäften nur begrenzt Fortschritte melden.

In der Produktion entlasteten zwar die gesunkenen Rohstoffpreise, allerdings belastete das auch die Geschäfte der Handelssparte. Vor allem wegen der überwiegend mengenbedingt geringeren Beiträge des Segments ging der Umsatz um 8,5% auf 4,55 Mrd € zurück.

Dennoch schloss Salzgitter das 1. Halbjahr mit einem erheblich gesteigerten, annähernd ausgeglichenen Vorsteuerergebnis ab. Hierzu trugen vor allem das Restrukturierungsprogramm „Salzgitter AG 2015“ sowie ein erfreulicher Ertrag aus der Aurubis-Beteiligung bei. Unterm Strich fiel ein Verlust von 15,9 Mio € an.

Mit einer im Vergleich zum 1. Quartal gestärkten Nettofinanzposition von 156 Mio € sowie einer Eigenkapitalquote von 38% verfügt Salzgitter über eine solide finanzielle Basis. Mut macht dem Konzern, dass im April nach 3 Quartalen fast ohne Aufträge die Produktion von Großröhren für die durch das Schwarze Meer geplante Gas-Pipeline South Stream begonnen hat.

Salzgitter hofft zudem auf Folgeaufträge des South-Stream-Konsortiums um den russischen Gasriesen Gazprom.

ThyssenKrupp

Der Konzernumbau trägt Früchte. Nach drei Jahren mit Milliardenverlusten hat Thyssen- Krupp die roten Zahlen hinter sich gelassen und erzielte nach 9 Monaten einen Gewinn von 243 Mio €, zu dem das 3. Quartal mit 39 Mio € beigetragen hat.

Der Umsatz der fortgeführten Geschäfte erreichte 30,1 Mrd € und lag damit in allen Segmenten über den Vorjahreswerten, lediglich bei Steel Europe war er aufgrund von Desinvestitionen rückläufig. Treiber für die gute Entwicklung waren die Effizienzgewinne, das profitable Wachstum der Industriegütergeschäfte und die signifikante Verbesserung bei Steel Americas.

Nach den ersten 9 Monaten haben 5 der 6 Segmente ihre Margen verbessert. Dabei haben im 3. Quartal alle Bereiche inklusive Steel Americas positive Beiträge erwirtschaftet. Components Technology setzte die gute Geschäftsentwicklung im 3. Quartal fort und profitierte weiterhin von der starken Nachfrage im Pkw-Bereich.

Der Auftragseingang erreichte 31,1 Mrd € und übertraf damit trotz negativer Wechselkurseffekte den Vorjahreswert um 5%. Die Netto-Finanzschulden wurden von 5 Mrd € auf 4,1 Mrd € reduziert, das Eigenkapital von 2,5 Mrd € auf 3,2 Mrd € gestärkt.

voestalpine AG

Voestalpine hat im 1. Quartal bei einem leicht gesunkenen Umsatz das operative Ergebnis (EBIT) stabil gehalten. Die EBIT-Marge konnte mit 7,7% exakt auf dem Vorjahreswert gehalten werden. Das Ergebnis nach Steuern weist aufgrund einer leicht gesunkenen Steuerquote einen Zuwachs von 12,2% auf aktuell 154,4 Mio aus.

Die einzelnen Segmente entwickelten sich durchweg solide: Die Stahlsparte, überwiegend in Europa aktiv, profitierte von einer verbesserten Nachfrage aus dem Automobilsektor und ersten Erholungstendenzen im Pipelinebereich.

Das Segment Spezialstahl konnte vor allem von den florierenden Märkten in den USA und Asien – hier insbesondere China – profitieren. Der europäische Markt dagegen stellte sich für diesen Bereich verhalten dar.

Die Sparte Metal Engineering konnte bei deutlich geringeren Umsätzen aufgrund der Schließung der Standardschienenproduktion in Duisburg ihre Margen gegenüber dem Vorjahr verbessern.

Die Division Metal Forming konnte im Bereich Automotive die gute Entwicklung fortsetzen, musste jedoch auf der Rohr- und Profilseite aufgrund auslaufender Lagereffekte eine leicht rückläufige Entwicklung hinnehmen. Sie bewegt sich aber insgesamt unverändert auf sehr solidem Niveau.

Der Ausblick für das Geschäftsjahr 2014 bleibt unverändert. Es zeichnet sich ein etwas über dem Niveau des Geschäftsjahres 2013 liegendes EBIT ab. Helfen könnte ein Liefervertrag mit Altos Hornos de México über 400.000 Tonnen (plus 250.000 Tonnen optional) Spezialstahl.

Klöckner & Co. SE

KlöCo setzte im 1. Halbjahr mit 3,4 Mio Tonnen Stahl 0,5% mehr ab. Dabei verlief die Entwicklung der beiden operativen Segmente unterschiedlich. Begünstigt durch den milden Winter sowie die erstmalige Einbeziehung von Riedo stieg in Europa der Absatz um 3,9%.

Insbesondere der Absatz von Becker Stahl-Service sowie der niederländischen und akquisitionsbedingt auch der Schweizer Landesorganisation lag deutlich über dem Vorjahresniveau. Nach wie vor schwierig ist das Marktumfeld in Spanien und Frankreich.

Insgesamt wurden die restrukturierungsbedingten Absatzrückgänge durch die erstmalige Einbeziehung von Riedo kompensiert. Der Absatz des Segments Americas dagegen ging um 3,8% zurück. Ursächlich hierfür waren der langanhaltende strenge Winter in den USA, die Konsolidierung von Standorten und der verstärkte Abbau von Geschäften mit niedriger Marge.

Betroffen davon war im Rahmen der Portfolioumschichtung das unprofitable Geschäft mit Trägern für die Bauindustrie. Im 2. Quartal belebte sich der Absatz im Segment Americas deutlich gegenüber dem 1. Quartal (+8,1%).

Neben saisonalen Effekten machten sich hier Nachholeffekte nach dem strengen Winter in den USA bemerkbar. Im Gegensatz zum Absatz ging der Umsatz um 2,1% auf 3,3 Mrd € zurück. Das Ergebnis je Aktie betrug 13 Cent nach minus 19 Cent im Vorjahr.

30. November 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.