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Michael Braun: „Man muss sein Geld hart arbeiten lassen.“

Anlässlich der Veröffentlichung des Buches Wenn Geld stirbt von Michael Braun führte GeVestor mit dem Autor ein exklusives Interview:

GeVestor: Wie kamen sie zur Idee des Buches?

Michael Braun: Die Finanzkrise seit Sommer 2007, die ein Jahr später in der Pleite von Lehman Brothers gipfelte, gefolgt von einer globalen Banken- und schließlich Staatsschuldenkrise – das ist das größte Wirtschaftsthema der vergangenen Jahre gewesen und ist es bis heute.

Dies in einem Buch anzugehen, ist vor diesem Hintergrund keine außergewöhnlich originelle Idee. Mir ist es allerdings ein Anliegen, dass wir nicht nur die weiterhin akute Situation in der Eurozone im Auge behalten, sondern auch die systemischen globalen Aspekte.

Nach allem, was wir aus der Wirtschaftsgeschichte wissen und ableiten können, könnte das heutige, von Zentralbanken und Politik im Verbund gemanagte Finanzsystem vor massiven Verwerfungen stehen.

GeVestor: Wie sehen sie die aktuelle Situation in der EU?

Braun: Der Versuch, die Länder West- und Mitteleuropas mit einer Einheitswährung ohne politische Einigung aneinander zu binden, ist insofern ein Desaster, als der Euro für die große und gute Europa-Idee nicht förderlich gewesen ist.

Im Gegenteil: Aus befreundeten Nationen wurden im Laufe der Krisenjahre Gläubiger/Gewinner und Schuldner/Verlierer. Das schafft ein Abhängigkeitsverhältnis, das spaltet, nicht eint. Viele öffentliche Unmutsäußerungen in Griechenland und anderen Ländern haben das erschöpfend deutlich gemacht.

GeVestor: Das Buch ist von Anfang 2013 und gerade die Finanzwelt ist schnelllebig. Ist das Buch überhaupt noch aktuell?

Braun: Im traditionellen Buchgeschäft – ich meine in gedruckten Medien – besteht tatsächlich immer die Gefahr, dass die Umstände sich schneller ändern, als man texten, lektorieren, gestalten und drucken kann.

Als der Verlag Wenn Geld stirbt verabschiedete, war in Zypern beispielsweise noch kein Bankkunde enteignet worden und die eurokritische Partei „Alternative für Deutschland“ war noch nicht gegründet.

Das ändert meines Erachtens nicht das Geringste an der Aktualität und Relevanz des Themas. Es ist zurzeit – Ende November 2013 – etwas Gras über die europäische Finanzkrise gewachsen.

Die Probleme sind so groß wie zuvor. Es ist übrigens stets eine gute Idee, das Tagesaktuell-Schnelllebige der Finanzwelt gelegentlich hinter sich zu lassen, einen Blick auf das große Ganze zu werfen und Zusammenhänge zu erkennen. Dafür sind Bücher ziemlich gut geeignet, ideal eigentlich. Ich hoffe und glaube, dass das auch für Wenn Geld stirbt gilt.

GeVestor: Was ist der größte Fehler, den ich als Anleger jetzt machen kann?

Braun: Jeder Anleger muss die Risiken in seinem Vermögen – egal ob es klein oder groß ist – erkennen und durch Streuung des Kapitals auf verschiedene Anlageformen senken. Dies gilt in turbulenten wie in unaufregenden Zeiten. Wer alles auf eine Karte setzt, geht ein existenzielles Risiko ein.

GeVestor: Was ist der erste Schritt, wenn ich mein Vermögen schützen will?

Braun: Jeder Sparer muss sich den Unterschied zwischen nominalen und echten („realen“) Vermögenswerten klarmachen:

Der Großteil des Kapitalvermögens der Bundesbürger liegt in nominalen „Papierwerten“, etwa in Anleihen oder Kapital-Lebensversicherungen, die wiederum vor allem in Anleihen investieren. In einem Umfeld, in dem Notenbanken in spektakulärem Umfang Liquidität ins Finanzsystem pumpen, besteht stets die Gefahr, dass die Inflationsraten anziehen und nominale Anlageformen entwerten. Dies ist ein beträchtliches Risiko.

GeVestor: Wie kann ich mein Vermögen nicht nur schützen, sondern auch vermehren?

Braun: Man muss sein Geld natürlich hart arbeiten lassen. Viele reale Anlageformen – Immobilien in deutschen Großstädten, Aktien – haben 5 oder mehr fantastische Jahre mit massivem Wertzuwachs hinter sich.

Ich persönlich finde viele aktuell an der Börse aufgerufene Notierungen apothekenpreisig und würde zurzeit nur sehr selektiv kaufen. Grundsätzlich führt an Aktien als einem wichtigen Element der Vermögensbildung und -mehrung aber kein Weg vorbei.

Dies gilt auch für Immobilien, insbesondere selbstgenutzte, und physisch gehaltene Edelmetalle, ungeachtet der Tatsache, dass der Goldpreis – ausgedrückt in Fiat-Währungen wie Euro oder US-Dollar – in diesem Jahr deutlich gesunken ist.

Wobei man stets beachten sollte, dass Gold kein „Investment“ in dem Sinne ist, dass es Kapital mehren würde, sondern lediglich ein langfristig recht gut funktionierender Wertparkplatz. Eines darf man nicht vergessen: Wer aktuell sein Vermögen nicht mehrt, sondern dessen reale Kaufkraft nur erhält, hat schon ziemlich Großes geleistet.

GeVestor: Welche Rolle spielen Sachwerte bei der sicheren Anlage?

Braun: Bis zum Ausbruch der Finanzkrise vor gut 6 Jahren galten Staatsanleihen – etwa US-amerikanische oder deutsche – als denkbar sicher. Sie warfen eine kleine, aber real positive Rendite ab.

Diese Zeiten sind unwiderruflich vorbei. Aus „risikoloser Rendite“ wurde „renditeloses Risiko“. Der Satz ist weder neu, noch von mir, aber trefflich. Sachwerte hingegen – ich denke jetzt vor allem an Aktien – bringen langfristig „risikoreiche Rendite“.

Das ist nicht toll – für die Mehrheit der Deutschen sogar, belegen Umfragen, inakzeptabel; Sparer in Deutschland hassen nichts so sehr wie  Wertschwankungen. Aber unter den gegebenen Umständen sind Aktien, sofern man keine überteuerten Einstiegspreise akzeptiert, als Sachwert brauchbar.

Immobilien in guten Lagen, die im Preis erheblich weniger schwanken als Aktien und ihre Eigner selten nervös werden lassen, spielen ebenfalls eine große Rolle. Sie geben Privatdepots, die in der Regel ja nicht Millionenbeträge umfassen, eine Art Anker, der das Vermögen stabilisiert.

Edelmetallene Barren oder Münzen sind als Versicherung für den Katastrophenfall eine sinnvolle Beimischung.

GeVestor: Gibt es so etwas wie einen ultimativen Tipp zum Schutz des Vermögens?

Braun: Nein, es gibt in Gelddingen keine absolute Sicherheit. Wer das nicht akzeptieren will, hat schon verloren. Es kommt alle paar Generationen vor, dass die Vermögen von Menschen – von ganzen Gesellschaften – enormen politischen Kräften ausgesetzt sind, womit ich nicht nur Regierungen meine, sondern auch Notenbanken als monetäre Institutionen.

Die Politik hat sich in der Vergangenheit immer wieder entsetzlich geirrt; sie wird es eines Tages wieder tun. Wenn Währungen sterben – darum geht es in meinem Buch ja im Kern – , sterben auch Vermögen oder werden zumindest erheblich geplündert.

Ich halte mich an Jens O. Parsson, der schon 1974 ein Werk mit dem Titel „Dying of Money“ vorlegte: „Keine Regierung lässt ihre Währung kollabieren, weil sie dies wollte oder die Angelegenheit ihr völlig egal wäre. Wenn sie schließlich die Optionen versteht, hat sie keine.“

Ich fürchte, das umreißt die aktuellen Gegebenheiten in Deutschland und der Eurozone, in den USA und Japan erschreckend gut.

GeVestor: Wie können die Staaten die Schuldenkrise überwinden?

Braun: Einige Staaten der Eurozone sind hoffnungslos überschuldet und werden diese finanzielle Last nicht in Eigenregie abbauen können – egal ob sie guten Willens sind oder nicht. Eine Überwindung einer Überschuldung von Staaten ist natürlich denkbar einfach, in der Praxis aber tendenziell verheerend.

Möglichkeit 1: Überschuldete Staaten sparen, bis es kracht; die volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen dieses Ansatzes sind entsetzlich, und demokratisch legitimierte Regierungen, die diesen Weg einschlagen, werden abgewählt oder gar gestürzt, siehe Griechenland, Italien usw.

2. Möglichkeit: Überschuldete Staaten werden zahlungsunfähig; das ist politisch in der Eurozone – insbesondere in Berlin – einfach nicht gewollt.

3. Möglichkeit: Überschuldete Staaten werden von denjenigen, die noch etwas haben, subventioniert. Wenn der Transfer von noch kreditwürdigen Habenden – neben Deutschland sind dies u. a. Österreich, die Niederlande, Finnland, Luxemburg, Estland –  zu Überschuldeten nur lange genug, also Jahrzehnte, aufrechterhalten wird, könnte sich die Schuldenkrise eines fernen Tages erledigen.

Das ist die aktuelle Politik in Europa und Deutschland. Finanziert wird dieses Vorgehen zu einem großen Teil von den deutschen Bürgern, Sparern und Steuerzahlern.

GeVestor: Kann die Eurozone überhaupt überleben?

Braun: Klar – mit dem eben beschriebenen Mechanismus kann das lange funktionieren. In meiner Wahrnehmung ist der Anteil der Deutschen, die sich über solche Transfers empören (oder sie überhaupt reflektieren) überschaubar. Solange das so bleibt, wird die Eurozone in irgendeiner Form überleben.

Politische Proteste finden erfreulicherweise zu vielen Themen statt, aber unerfreulicherweise selten zu diesem. Die absehbare Große Koalition etwa stritt über – durchaus ja diskutabel – Mindestlohn und Maut auf deutschen Straßen, aber trotz gegebenen Anlasses nicht über unser Finanz- und Währungssystem. Das ist so, als würde man den Rasen mähen, während am Horizont ein mächtiger Wirbelsturm aufzieht.

Die Prioritäten werden auf eine Weise gesetzt, die nicht besonders zukunftsfähig erscheint. Nur: Der Sturm ist irgendwann da. Dass das Gras im Vorgarten hübsch gemäht ist, wird egal sein, sobald das Dach wegfliegt.

Spätestens dann wird die Eurozone in ihrer jetzigen Zusammensetzung wieder hinterfragt werden, und eines Morgens ist sie Geschichte.

Michael Braun arbeitet als Journalist und Wirtschaftswissenschaftler in Berlin. Er war mehrere Jahre lang als Wall-Street-Reporter in New York sowie als Chefredakteur des Geldmagazins „Finanzen“ tätig und schreibt heute noch regelmäßig Artikel für die Magazine „€uro“, „Welt am Sonntag“ und „WirtschaftsWoche“.

Das Buch ist im Goldmann Verlag erschienen und kostet 8,99 Euro.

4. Dezember 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.