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Mietrecht: Maßnahmen um den Hausfrieden wiederherzustellen

Wenn verschiedene Parteien zusammenwohnen, stehen Streitigkeiten auf der Tagesordnung.

Ob nun Mieterbeschwerden, Alltagsgeräusche oder Mietminderung, so bekommen sie die Streitigkeiten im Griff.

Wie Sie beim Streit um Lärm reagieren und den Hausfrieden wiederherstellen

Überwiegend in Mehrfamilien- und Hochhäusern sowie Eigentums-Wohnanlagen kommt es immer wieder zum Streit unter Nachbarn, weil einer dem anderen buchstäblich die Ruhe raubt.

Typische Ausgangsfälle: Musik- und Partylärm bis tief in die Nacht, stundenlanges Musizieren, nächtliches Baden, ein dröhnender Fernsehapparat, oder aber der Nachbar veranstaltet wieder einmal eine seiner rauschenden Tanzparties, die bis zum frühen Morgen andauern.

Die Anlässe für Beschwerden über Lärm- und Geräuschbelästigungen sind ebenso zahlreich wie vielschichtig.

In einer immer hektischer werdenden Zeit sehnen sich immer mehr Menschen nach Ruhe. Lärmstörungen gehören deshalb zu den Vorfällen in der Vermietungspraxis, in denen die Beteiligten besonders gereizt reagieren und die beschwerdeführenden Mieter schnell zu Mietminderungen greifen.

In solchen Fällen kommt es für Sie als Vermieter darauf an, zügig zu handeln, um Mietausfälle größeren Umfangs zu vermeiden – und dem betroffenen Mieter zu demonstrieren, dass Sie sein Anliegen ernst nehmen.

Typisch ist folgende Ausgangssituation:

  • Die Mieter sind verärgert, leiden unter der gegebenen Situation und fühlen sich vom Vermieter nicht ernst genommen, da dieser auf ihre Beschwerde(n) entweder gar nicht oder jedenfalls nicht in der erhofften Weise reagiert. Die vom Mieter für angemessen gehaltene Mietminderung erweist sich fast immer als überhöht.

  • Die Vermieter halten sich – gerade bei Lärmstörungen – oftmals nicht für verantwortlich („Was kann ich dafür?“), werfen dem Mieter ein übersteigertes Anspruchsdenken vor und sind über die Höhe der vom Mieter angekündigten oder bereits vorgenommenen Mietminderung empört.

Emotionale Überreaktionen sind ein schlechter Ratgeber. Gerade dann, wenn es um Lärmstörungen und Mietminderungen geht, kann dies gar nicht oft genug betont werden.

Auch der vielfach bestehenden Neigung, dem „Störenfried“ unter den Mietern sofort „einen geharnischten Brief“ zu schreiben, sollten Sie (zunächst einmal) nicht nachgeben.

Ein derartiges Schreiben wird die erhoffte Wirkung verfehlen und stattdessen nur zu einer weiteren Verhärtung der Situation führen, wenn es zu früh kommt. „Zu früh“ bedeutet hier, dass Sie nicht im Vorfeld versucht haben, die Angelegenheit zunächst im direkten Gespräch mit dem Mieter zu regeln.

Ein umsichtiges Beschwerdemanagement schützt vor größeren Mietausfällen

Speziell bei Lärmbelästigungen aus Nachbarwohnungen ist deshalb ein umsichtiges Beschwerdemanagement erforderlich, schließlich können weitere Mieter mit Mietminderungen folgen, solange noch keine Ruhe im Haus eingekehrt ist.

Ein „gepfeffertes Schreiben“ mag zwar den einen oder anderen Beteiligten beeindrucken.

In der Sache selbst ist es meist aber wenig hilfreich, weil der „Störenfried“ in der Weise reagiert, dass er dem beschwerdeführenden Mieter vorwirft, die Anschuldigungen seien grundlos, es sei vielmehr der beschwerdeführende Mieter, der die Nachbarn belästige und die Hausordnung nicht beachte.

Für Sie als Vermieter ist es wichtig, schnellstmöglich festzustellen, ob sich der Mieter zu Recht beklagt. Wenn dies der Fall ist, sollten Sie alles Ihnen Mögliche und Zumutbare unternehmen, um die Lärmstörungen zu beheben.

Zu einem umsichtigen Beschwerdemanagement gehört auch, dass Sie den Mieter darüber informieren, was Sie unternommen haben. Nur so ist für den Mieter erkennbar, dass Sie sofort reagiert haben.

Außerdem sollten Sie möglichst vermeiden, sich als „Schiedsrichter“ zu betätigen. Stattdessen sollten Sie allen Beteiligten anbieten, ihnen bei der Bereinigung der Angelegenheit behilflich zu sein, beispielsweise durch Vermittlung eines gemeinsamen Gesprächs. Derartige Angebote werden in der Praxis überwiegend angenommen – und verlaufen bemerkenswert erfolgreich.

Wichtiger Nebeneffekt dieser Vorgehensweise: Erkennt der Mieter, dass Sie sich um sein Anliegen kümmern, sieht er erfahrungsgemäß zunächst einmal von einer weiteren Mietminderung ab oder zahlt nicht selten wieder die volle Miete, wenn vielleicht auch in Höhe des bisherigen Mietminderungsbetrags unter Vorbehalt.

Entscheidend ist in diesen Fällen allein, dass Sie die Zuspitzung der Angelegenheit zunächst einmal vermieden haben.

Subjektive Empfindungen zählen nicht: Wann Lärmstörungen vorliegen

Dass es bei Lärmbelästigungen Ärger geben kann, ist verständlich. Denn was dem einen gefällt, kann für den anderen unerträglich sein. Die Frage lautet daher: Was ist noch erlaubt, was ist bereits eine unzulässige Störung?

Jeder Mieter hat ein Recht darauf, in seiner Wohnung ungestört zu leben. Auch kann nicht gleich jedes Geräusch verboten werden.

Hinzu kommt, dass Lärm und Lärm zweierlei sind. Das Paradebeispiel dafür ist die Lautstärke, mit der Musik gehört wird. Was für den einen pures Hörvergnügen darstellt, ist für den anderen der „blanke Horror“.

Als grobe Faustregel gilt: Lärm- und Geräuschbelästigungen, die das Wohlbefinden oder sogar die Gesundheit erheblich beeinträchtigen, braucht kein Mieter zu dulden.

Ortsübliche und unvermeidliche Lärm- und Geräuschbelästigungen müssen aber hingenommen werden. Subjektive Empfindungen und etwaige Überempfindlichkeiten spielen keine Rolle.

Achtung: Kommt es zu einem Rechtsstreit, werden regelmäßig Sachverständigengutachten eingeholt. Der Lärmpegel wird dann nach DIN- und VDI-Richtlinien ermittelt. Ferner ist in diesem Zusammenhang noch die technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TALärm) zu erwähnen.

Egal, ob ein Geräusch leise oder laut ist, es kann jeweils in Dezibel gemessen werden. Dabei werden Lautstärke und Tonhöhe durch den so genannten Schalldruckpegel ermittelt.

Dies geschieht durch Verwendung der international genormten Frequenzbewertungskurve „A“. Die Abkürzung der jeweiligen Messergebnisse wird mit dB(A) bezeichnet.

Bis zu 20 dB(A) sind Geräusche für das menschliche Gehör kaum wahrnehmbar. Werte ab 60 dB(A) bezeichnet man im Allgemeinen als Geräuschbelästigung.

Von leise bis laut: typische Alltagsgeräusche

MesswertArt des Geräusches
10 dB (A)Das Ticken einer Uhr
15-20 dB (A)Gehen auf einem weichen Teppich
20-30 dB (A)Normales Atmen eines Schlafenden
30-40 dB (A)Flüstern in einer Entfernung von 1m
50-60dB (A)Normales Gespräch, leise Radiomusik
65-75 dB (A)Lautes Gespräch
70 dB (A)Staubsagergeräuch
70-80 dB (A)Fahrtgeräuch eines PKWs bei 50 kmH vom Straßenrand
80-90 dB (A)Fahrtgeräuch eines PKWs bei 100 kmH vom Straßenrand
90-100 dB (A)Bearbeitung von Metallen
100 dB (A)Presslufthammer
110 dB (A)Musikgeräusche in einer Diskothek
120 dB (A)Motorsäge
130 dB (A)Düsentriebwerk eines startenden Flugzeugs

Werte zwischen 60 bis 90 dB(A) müssen als gesundheitsgefährdend angesehen werden. Die Schmerzgrenze liegt bei 130 dB(A). Werte um 50 dB(A) können bereits zu Schlafstörungen führen.

Im Vergleich dazu: Bei starkem innerstädtischem Verkehr erreicht der Lärmpegel bereits 80 dB(A).

Die Übersicht auf Seite L 05/004 zeigt eine abgestufte Zusammenstellung von Messwerten und dazu typische Alltagsgeräusche, die diesen Werten zugeordnet werden können.


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In diesem Zusammenhang ist noch Folgendes zu berücksichtigen: Eine Lärmbelästigung von beispielsweise 40 dB(A) ist nicht doppelt so stark wie eine solche von 20 dB(A). Ab etwa 30 dB(A) verdoppelt sich die Lautstärke etwa alle 3 Dezibel; ab etwa 50 dB(A) verdoppelt sich die Lautstärke etwa alle 10 dB(A).

Beispiel: Eine Lautstärke von 40 dB(A) ist dreimal so laut wie eine solche von 30 dB(A). Oder: Ein Geräusch von 60 dB(A) ist doppelt so laut wie eines von 50 dB(A).

Typische Fälle aus der Vermietungspraxis: So entscheiden die Gerichte

Außenjalousien sind nicht zu überhören. Außenjalousien erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, zumal sie nicht nur der Energieeinsparung, sondern auch dem Diebstahlschutz dienen.

Der Nachteil der elektrischen Jalousien: Es ist für die Nachbarn häufig nicht zu überhören, wenn die Jalousien betätigt werden.

Diese Geräusche sind zumutbar, wenn die elektrischen Jalousien täglich nicht häufiger als zwei- bis viermal betätigt werden und die damit verbundenen Geräusche den Wert von 50 dB(A) nicht wesentlich überschreiten.

Badegeräusche sind auch nachts zu dulden Die mit dem Zu- und Ablaufen des Wassers verbundenen Geräusche gehören zu den normalen Wohngeräuschen, die von Mitbewohnern des Hauses hingenommen werden müssen.

Auch nach 22.00 Uhr kann sich ein Wohnungsnachbar unter die Dusche stellen oder ein Vollbad nehmen. Allerdings soll das Duschen auf 30 Minuten beschränkt sein.

Auch das Betätigen der Wasserspülung und das laufen lassen von Wasser und die damit verbundenen Geräusche stellen keinen Wohnungsmangel dar, auch nicht nach 22.00 Uhr.

Wenn Baulärm unerträglich wird Baulärm stellt einen Mangel dar. Ausnahme: Die künftige Bebauung und damit auch der Baustellenlärm waren durch den Mieter bei Abschluss des Mietvertrags erkennbar.

Das gilt jedoch nicht, wenn die Lärm- und Schmutzbelästigungen über das übliche, von einem Neubau zu erwartende Maß hinausgehen.

So muss der Mieter einer Wohnung, in deren Nachbarschaft gebaut wird, nicht damit rechnen, dass infolge des Baulärms ein Öffnen der Fenster, eine normale Unterhaltung und nicht einmal mehr Radio- bzw. Fernsehhören möglich ist.

Betreffen die Bauarbeiten das Haus, in dem sich die Wohnung des Mieters befindet, führt die Einrüstung des Gebäudes noch nicht zu einem Mangel.

Dieser liegt erst vor, wenn das Gerüst mit Planen versehen wird, und der Mieter deshalb den Balkon nicht nutzen kann und zudem die Wohnung übermäßig abgedunkelt ist.

Auch die auf den Gerüsten hin und her laufenden Bauarbeiter stellen eine Beeinträchtigung der Wohnnutzung dar. Bei Bauarbeiten ist ferner auch die während dieser Zeit erhöhte Einbruchsgefahr zu berücksichtigen.

Wenn Garagentore die Nachtruhe stören Eine Garage ist oft direkt an der Grenze zum Nachbargrundstück zulässig, wenn sie sich dort nicht besonders störend durch Geräusche auswirkt.

Lässt sich ein Garagentor allerdings nur so geräuschvoll öffnen und schließen, dass dadurch die Nachtruhe der Hausbewohner gestört wird, darf die Garage während der üblichen Nachtzeit (22.00 bis 7.00 Uhr) nicht benutzt werden.

Das gilt dann unabhängig vom Standort der Garage und dem Grundstück. Von Fahrzeughaltern kann in einem solchen Fall verlangt werden, dass sie ihre Fahrzeuge auf der Auffahrt oder am Straßenrand abstellen, sofern sie nachts nach Hause kommen.

Hausmusik ist nur mit Zeitlimit zulässig Schon Wilhelm Busch wusste: „Oft wird es einem sehr verdacht, wenn man Geräusch nach Noten macht“. Hausmusik ist Ausdruck der freien Entfaltung der Persönlichkeit und gehört zum normalen Wohngebrauch.

Dabei muss aber auf die übrigen Hausbewohner Rücksicht genommen werden. Das gilt vor allem während der üblichen Ruhezeiten von 13.00 bis 15.00 Uhr und von 22.00 bis 7.00 Uhr.

An Wochenenden gelten Besonderheiten: Sonnabends gilt die Ruhezeit bis 8.00 Uhr und abends bereits ab 19.00 Uhr; sonntags ist ganztägig Ruhe zu halten.

Während der Ruhezeiten muss auf jeden Fall Zimmerlautstärke eingehalten werden. Das ist der Fall, wenn Geräusche außerhalb der abgeschlossenen Wohnung nicht mehr oder kaum noch vernommen werden können.

Der Mieter darf in seiner Wohnung mit denjenigen Instrumenten musizieren, die üblicherweise in der Wohnung gespielt werden. Dazu zählen in erster Linie Flöte, Gitarre, Klavier und Violine.

Allerdings ist Hausmusik immer nur mit Zeitlimit erlaubt. Mindestens zwei Stunden täglich außerhalb der allgemeinen Ruhezeiten sind dem Mieter gestattet.

Achtung: Eine Begrenzung auf zwei Stunden täglich gilt auch dann, wenn mehrere Familienmitglieder musizieren. Ist das Haus besonders hellhörig, kann es zulässig sein, das Klavierspielen auf 90 Minuten täglich zu begrenzen.

Das Schlagzeugspielen darf zeitlich noch weiter eingeschränkt werden.

Der Mieter kann verlangen, dass der Nachbar beim Klavierspielen die Fenster geschlossen hält. Ob dies die gewünschte „Beruhigung“ bringt, ist eine ganz andere Frage.

Unter Umständen befindet sich der beschwerdeführende Mieter aufgrund der regelmäßigen Lärmstörungen durch überlanges Musizieren des Nachbarn in einer latenten Erwartungshaltung.

Er rechnet damit, jederzeit wieder dem Klavierspiel ausgesetzt zu sein. Dies kann ebenso störend wirken wie das Klavierspiel selbst.

Dass die tägliche Spieldauer begrenzt werden darf, bedeutet nicht, dass hierfür zugleich auch starre Zeiten festgelegt werden dürfen. Vielmehr kann für das Musizieren immer nur ein zeitlicher Rahmen vorgegeben werden.

Achtung: So haben speziell Berufstätige häufig nur abends und am Wochenende Zeit, der Hausmusik zu frönen.

Außerdem hängt das Musizieren auch von der jeweiligen Gemütsverfassung und von äußeren Gegebenheiten, wie beispielsweise Familienfeiern und Besuchen ab. Die üblichen Ruhezeiten sind aber auf jeden Fall einzuhalten.

Kinderlärm ist nicht grenzenlos erlaubt Kinder dürfen auch dann in der Wohnung herumlaufen und spielen, wenn das Getrampel in der Nachbarwohnung vernehmbar ist.

Der Lärm spielender Kinder muss in gewissem Umfang von jedem Hausbewohner hingenommen werden.

Das gilt erst recht für das Lachen, Schreien und Weinen von Kleinkindern, weil es sich dabei um ein ganz natürliches Verhalten der Kinder handelt.

Kinderlärm gehört zum normalen Entwicklungsprozess eines jeden Kindes. Allerdings kann das Lärmen von Kindern während der allgemeinen Ruhezeiten untersagt werden, wenn dies aufgrund des Alters und Verständnisses der Kinder zumutbar ist.

Sind die Kinder erwachsen, kann sich der Mieter nicht darauf berufen, er könne sich ihnen gegenüber nicht durchsetzen.

Was die Erheblichkeit der Lärmbelästigung durch spielende Kinder betrifft, so wird auf das Empfinden eines verständigen Durchschnittsmenschen abgestellt. Auf die subjektiven Empfindlichkeiten eines Mieters, der selbst keine Kinder hat oder Kindern gegenüber negativ eingestellt ist, kommt es grundsätzlich nicht an.

Ist das Spielen in Hof und Garten erlaubt, dann dürfen die Kinder dort auch mit Freunden herumtollen. Dies gilt unabhängig davon, ob sich am Haus ein Kinderspielplatz befindet oder nicht.

Das Spielen im geteerten Innenhof gehört ebenfalls zum normalen Wohngebrauch. Ebenso sind Sie als Vermieter berechtigt, auf dem Grundstück eines Mehrfamilienhauses einen Sandkasten zu errichten.

Wenn es auf Parties zu laut wird Familienfeiern und Tanzparties dürfen nicht zu einer Belästigung der übrigen Mieter im Haus führen. Dabei ist es unerheblich, ob der Gastgeber selbst oder seine Besucher den Lärm verursachen. Der Gastgeber ist für seine Gäste verantwortlich.

Die Annahme, einmal in der Woche dürfe man ohne Rücksicht auf die Nachbarn „auf die Pauke hauen“ ist weit verbreitet, aber nicht richtig. Ebenso wenig gibt es ein Recht auf regelmäßiges monatliches Feiern.

Wird ein Mieter durch wiederholtes lautstarkes Feiern anderer Mieter im Haus bis spät in die Nacht oder an den Wochenenden erheblich in seiner Nachtruhe gestört, stellt dies einen Mangel dar.

Es ist aber niemandem verwehrt, gelegentlich aus besonderem Anlass zu Hause zu feiern. Und zwar selbst dann nicht, wenn der Nachbar dadurch einmal gestört werden sollte.

Solche Feiern – dazu zählen beispielsweise Verlobung, Konfirmation, Kindtaufe, runde Geburtstage – verpflichten zu besonderer Rücksichtnahme gegenüber den übrigen Bewohnern im Haus.

Radio und Fernsehen: Nachbarn kann nicht zugemutet werden, das laufende Fernsehprogramm gezwungenermaßen mitzuverfolgen. Das Fernsehgerät muss stets in Zimmerlautstärke laufen.

Auch ein ausgewiesener Musikliebhaber kann sich nicht darauf berufen, der größtmögliche Musikgenuss stelle sich erst ein, wenn die Musikdarbietung in einer bestimmten Lautstärke vernommen werde.

Es ist zumutbar, einen Kopfhörer zu benutzen oder aber nachträglich schalldämpfende Maßnahmen durchzuführen.

Wenn Tierlärm zu Beschwerden führt Beim Tierlärm ist es insbesondere das Hundegebell, das immer wieder die Gemüter erhitzt.

Da die Hundehaltung allgemein üblich ist, müssen Nachbarn ein gewisses Maß an Bellen dulden. Dies gilt speziell in ländlichen Gebieten. Ständiges Bellen, das über das unvermeidbare Maß hinausgeht, stellt dagegen eine wesentliche Störung der Mitbewohner in einem Mehrfamilienhaus dar.

Das Bellen eines Hundes darf etwa 30 Minuten am Tag nicht überschreiten und ist während der Ruhezeiten völlig zu unterbinden.

Das Krähen eines Hahns in einem Wohngebiet stellt grundsätzlich eine wesentliche Beeinträchtigung dar. Dies gilt grundsätzlich auch in einer noch dörflichen Stadtgegend.

Eine Duldungspflicht des Nachbarn besteht allenfalls dann, wenn das andere Grundstück ortsüblich genutzt wird (z.B. in ländlichen Gegenden) und die Lärmbelästigung nicht durch wirtschaftlich zumutbare Maßnahmen vermieden werden kann.

Die Gerichte urteilen meist allein nach dem Geräuschpegel, den der Hahnenschrei erreicht. Dabei wird zusätzlich noch berücksichtigt, dass das Hahnenkrähen aufgrund des plötzlichen Auftretens und der schrillen Töne besonders lästig ist.

In der Regel werden die Halter von Hähnen verpflichtet, das Tier zu bestimmten Zeiten schalldicht zu verwahren, bzw. werden Zeiten festgelegt, zu denen das Hahnenkrähen zulässig ist.

Auch Froschgequake hat schon die Gerichte beschäftigt, kann es doch selbst langjährige, friedlich verlaufende Nachbarschaftsverhältnisse abrupt zerstören.

An einem warmen Frühlingsabend am Gartenteich zu sitzen und zu beobachten, wie sich der Mond auf der Wasserfläche spiegelt und dabei dem „Gesang“ einiger Frösche zuzuhören, ist für den Naturliebhaber die „Idylle“ pur.

Manch ein Nachbar sieht das völlig anders. Er sieht sich durch das Froschgequake um seine Nachtruhe gebracht, empfindet den „Froschgesang“ als Lärmterror und mindert die Miete.

Dazu ist er in der Regel nicht berechtigt. Lärmbeeinträchtigungen, die von Fröschen in einem Teich ausgehen, sind grundsätzlich hinzunehmen.

Ihr Mieter kürzt die Miete: Wann eine Mietminderung angemessen ist

Sofern es sich nicht nur um ganz unbedeutende Beeinträchtigungen handelt, ist Ihr Mieter bei Auftreten von Lärmstörungen berechtigt, die Miete angemessen zu mindern. Aber was heißt „angemessen“?

Immer wieder müssen die Gerichtedarüber entscheiden. Streit wegen Lärmstörungen und anderen Wohnungsmängeln und nachfolgender Mietminderungen ist – nach Mieterhöhungen und Betriebskostenabrechnungen – der häufigste Grund dafür, dass Mieter und Vermieter einen Rechtsstreit führen.

Ihr Mieter ist berechtigt, die Miete von dem Augenblick an zu mindern, in dem eine erhebliche Lärmstörung auftritt. Von da ab darf er die Miete so lange kürzen, bis die Lärmstörung behoben ist.

Achtung: Die Mietminderung tritt kraft Gesetzes (BGB) ein. Das bedeutet, dass Ihr Mieter Ihnen nicht extra mitteilen muss, dass er die Miete mindern will. Eine davon abweichende Vereinbarung in einem Mietvertrag ist unwirksam.

Daran führt für Ihren Mieter aber kein Weg vorbei. Er muss Ihnen die Lärmstörungen mitteilen, damit Sie hiervon Kenntnis erhalten. Anderenfalls verliert er sein Minderungsrecht.

Diese Anzeigepflicht entfällt nur dann, wenn Sie den Mangel bereits kennen. Hat Ihr Mieter die Lärmstörungen aber angezeigt, darf er die Miete sofort kürzen. Er muss insbesondere nicht abwarten, ob Sie Maßnahmen ergreifen, um den Mangel zu beheben.

In bestimmten Fällen verliert Ihr Mieter aber sein Minderungsrecht, obwohl objektiv ein Wohnungsmangel vorliegt. Auf das Minderungsrecht darf er sich insbesondere dann nicht (mehr) berufen, wenn er bei Abschluss des Mietvertrags von den Mängeln Kenntnis hatte.

Das ist allerdings nur dann der Fall, wenn er die Mängel nicht nur ganz allgemein kennt, sondern detailliert darüber informiert ist. Was mit „Kenntnis des Mangels bei Einzug“ gemeint ist, macht auch folgendes Beispiel anschaulich:

Beispiel: Die Wohnung liegt über einer Gaststätte. Bei Abschluss des Mietvertrags weiß der Mieter also, dass es zu jenen Lärmstörungen kommen kann, wie sie nun einmal beim Betrieb einer Gaststätte unvermeidlich sind. Ein Minderungsrecht wegen dieser Lärmbelästigungen ist mithin ausgeschlossen.

Anders verhält es sich allerdings, wenn der Gaststättenbesitzer sich entschließt, in seinen Räumen mittwochs, freitags und sonnabends eine Diskothek zu veranstalten.

Dadurch schafft er zusätzliche Lärmquellen, die für den Mieter nicht voraussehbar waren (und übrigens auch nicht für Sie als Vermieter) und die bei Fortführung des normalen Gaststättenbetriebs auch nicht entstanden wären.

Das ist eine typische Begleiterscheinung beim Auftreten von Lärmstörungen: Ihr Mieter konfrontiert Sie mit einer Mietminderung eben wegen dieser Mängel.

Nicht immer steht aber die vom Mieter vorgenommene Kürzung im Einklang mit dem tatsächlichen Ausmaß der Beeinträchtigung. Die folgende Übersicht nennt typische Lärmstörungen und die von den Gerichten anerkannten Minderungsquoten.

Wann bei Lärmstörungen eine Mietminderung angemessen ist – und wann Mietkürzungen ausgeschlossen sind

Beschreibung der LärmstörungKürzung
Baulärm0.22
Gaststattenlärm0.11
Heizungsgeräusche0.17
Kinderladen0.15
Kinderlärm0
Nachbarlärm0.5
Taubenhaltung0.25
Trittschallgeräusche0.05
Verkehrslärm0

Diese Übersicht nennt Ihnen typische Lärmstörungen, die in der Praxis besonders häufig vorkommen. Wann ist trotzdem eine Mietminderung ausgeschlossen, wann ist sie zulässig und angemessen?

Die Angaben in dieser Übersicht basieren jeweils auf einschlägigen Gerichtsentscheidungen. Beachten Sie in diesem Zusammenhang jedoch, dass die Gerichtsentscheidungen nicht allgemein verbindlich sind.

Es kommt immer auf die konkreten Umstände des Einzelfalls an. Diese Übersicht kann Ihnen aber als wertvolle Orientierungshilfe dienen, damit Sie Ihre Interessen besser vertreten können.

30. Dezember 2002

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Heinz-Wilhelm Vogel
Von: Heinz-Wilhelm Vogel. Über den Autor

Heinz-Wilhelm Vogel ist Rechtsanwalt in Hamburg.