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Mindestlohn: Gastronomie hat Bedenken

Derzeit ist noch kein deutschlandweit gültiger, branchenspezifischer gesetzlicher Mindestlohn für die Gastronomie festgeschrieben.

Doch die Diskussion darüber entfacht regelmäßig bei verschiedenen Interessengruppen.

Mehr zum Thema: Mindestlohn: Pro und Contra im Überblick

Mindestlohn: Gastronomieverbände sind dagegen

Der Branchenverband der Gastronomen DEHOGA spricht sich vehement gegen einen gesetzlichen Mindestlohn in der Gastronomie aus.

Der Gastronomiesektor ist stark von der regionalen Wirtschaftskraft und den unterschiedlichen Lebenshaltungskosten abhängig.

Ein deutschlandweit gültiger Mindestlohn kann dieser Situation nach Meinung des Bundesverbands DEHOGA nicht Rechnung tragen.

Das Gastgewerbe in Deutschland ist überwiegend mittelständisch geprägt. Zurzeit arbeiten rund 1 Mio. Menschen in der deutschen Gastronomie.

Es wird in der Gastronomie ein Jahresumsatz von ca. 65 Mrd. €.

In umsatzschwachen Zeiten käme ein gesetzlicher Mindestlohn für viele Gastronomiebetriebe einem Todesurteil gleich.

Bestehende Tarifverträge reichen aus

Die bestehenden Tarifverträge wurden über einen langen Zeitraum in komplexen Prozessen erarbeitet. Einige lokale Tarifverträge sehen bereits einen Mindestlohn vor.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben daran mitgearbeitet und so einen Konsens gefunden, um sowohl Arbeitsplätze zu schützen als auch die Rechte der Arbeitnehmer zu gewährleisten.

Eine a priori eingesetzte Kommission ist laut Meinung der DEHOGA – auch wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer miteingebunden werden – nicht nahe genug an der Realität, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Die bestehenden Tariflöhne in der Gastronomie unterscheiden sich – je nach Bundesland – stark. Deshalb hätte ein deutschlandweiter Mindestlohn besonders auf Betriebe in strukturschwachen Gebieten negative Auswirkungen.

Mindestlohn: Gastronomie blickt auf andere Branchen

Die Erfahrungen aus anderen Branchen haben gezeigt, dass ein falsch konzipierter Mindestlohn große Nachteile mit sich bringen kann.

In der Pflege bringt der Mindestlohn durch seine geringe Höhe Nachteile für die Beschäftigten mit sich.

Mehr zum Thema: Mindestlohn: Bei der Pflege sollte nicht gespart werden

Andererseits leiden im Baugewerbe viele Anbieter unter der Wettbewerbsverzerrung, die durch eine geringe Kontrolle der Anwendung des Mindestlohns entstanden ist.

Mehr zum Thema: Mindestlohn: Bau- und Montagegewerbe sind betroffen

Ein Beispiel für positive Effekte des Mindestlohns ist die Zeitarbeit, hier sind sowohl Arbeitnehmer- als auch Arbeitgeberverbände mit den Ergebnissen der Einführung des Mindestlohns weitgehend zufrieden.

Mehr zum Thema: Mindestlohn: Zeitarbeit muss im Blick behalten werden

Effekte eines Mindestlohns in der Gastronomie

Die Gastronomie ist eine Branche, in der es relativ häufig zu Schwarzarbeit kommt.

Volkswirtschaftlich gesehen führt ein Mindestlohn ab einer gewissen Höhe dazu, dass Schwarzarbeit für die Arbeitgeber attraktiver wird. Dies bringt wiederum gesamtgesellschaftliche Nachteile wie geringere Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge mit sich.

Die Bekämpfung dieser zusätzlichen Schwarzarbeit verursacht wiederum Kosten und erhöhte Bürokratie.

Betriebe im Gastgewerbe benötigen oft sehr kurzfristig Arbeitskräfte. Deshalb braucht man besonders in dieser Branche flexible, möglichst unbürokratische Lösungen.

Unbürokratische Lösungen und erhöhte Kontrollen sind sehr schwierig unter einen Hut zu bringen, deshalb ist es für die Gesamtwirtschaft ein großer Nachteil, wenn Schwarzarbeit attraktiver wird.

Fazit: Mindestlohn in der Gastronomie

Zusammenfassend ist zu sagen: Ein Mindestlohn in der Gastronomie birgt viele Risiken. Die Einführung eines deutschlandweiten, branchenspezifischen oder auch globalen Mindestlohns stellt diese Branche vor große Herausforderungen.

27. Juni 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Frei
Von: Michael Frei. Über den Autor

Der Autor beschäftigt sich seit 8 Jahren intensiv mit den Kapitalmärkten. Michael Frei ist studierter Ökonom und im Finanzsektor tätig. Mit seinem Wissen hilft er den Lesern von GeVestor wirtschaftliche Zusammenhänge besser zu verstehen.