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Mit der Bilanzanalyse wählen Sie Qualitätsaktien in Ihr Depot

Dieser Beitrag zeigt Hintergrundinformationen und Vorgehensweisen. Die Rahmenbedingungen haben sich teilweise geändert. Aktuelle Empfehlungen und Entwicklungen finden Sie in den laufenden Ausgaben des „Geldanlage-Beraters“.

Warum Sie bei der Aktienauswahl auf eine gründliche Bilanzanalyse setzen sollten

Wenn Sie einen der erfolgreichsten Aktienanleger der Welt fragen, was einen guten von einem schlechten Aktienanleger unterscheidet, so wird er Ihnen antworten: „Lesen“. Warren Buffett, zweitreichster Mann der Welt, meint es auch so wie er es sagt: „Setzen Sie mich für Wochen und Monaten ruhig auf eine einsame Insel, und ich kann die besten Aktienentscheidungen treffen auch ohne Zeitung, Börsenmagazine und Börsen-TV. Geben Sie mir aber bitte die Geschäftsberichte und Bilanzen der Unternehmen mit.“

Jetzt brauchen Sie kein Warren Buffett zu sein, der als Unternehmensanalyst (so bezeichnet er sich selbst) einer der besten ist. Seine Profession ist es, Tag für Tag, Stunde um Stunde, Geschäftsberichte und Bilanzen zu lesen.

Als Aktienanleger schaffen Sie es aber auch mit weniger Zeitaufwand, sich die Unternehmen genauer anzuschauen, die es wert sind, als Qualitätsaktien in Ihrem Depot langfristig für Wachstum zu sorgen. Ziehen Sie mein 5-Stufen-Modell für die aktuelle Auswahl von Qualitätsaktien heran (ab Seite A30/013).

Die vergangenen Jahre haben gezeigt: Werden die wesentlichen Kennzahlen wie solide Gewinne, gesunde Buchwerte und andere Unternehmenskennzahlen außer Acht gelassen, werden enorme Beträge von Aktionärsgeldern regelrecht verbrannt. Und das nicht nur bei „Neuen Markt“-Werten, sondern auch bei so genannten Blue Chips. Einbrüche selbst im DAX von bis zu 60% machen deutlich: Kurse kommen immer wieder auf den realen Wert der einzelnen Unternehmen zurück.

Mit diesem Beitrag erhalten Sie ein einfaches Instrument, Ihre Aktienauswahl anhand der wesentlichen Unternehmenskennzahlen selbst zu untermauern. Und das gerade in der aktuellen Berichtssaison und konjunkturell schwierigen Zeiten wie 2003/2004, wo die Gewinnsituation der Unternehmen entscheidender denn je ist.

Nehmen Sie Aktien systematisch unter die Lupe

Wie auf jedem anderen Markt spielen auch auf dem Aktienmarkt viele Faktoren eine wichtige Rolle für die Preisbeziehungsweise Kursbildung. Anders als viele Medienvertreter Ihnen weismachen wollen, gibt es daher keine selbstverständlichen Kursentwicklungen. Im Gegenteil: Liegt angeblich ein Kursanstieg auf der Hand – wie beispielsweise jetzt wieder bei Technologie-Werten – sollten Sie misstrauisch werden und die empfohlenen Papiere besonders gründlich unter die Lupe nehmen.

Dem Schaubild auf der folgenden Seite A30/004 entnehmen Sie, wie viele verschiedene Faktoren Sie in einer vollständigen Analyse beachten müssen. Begründen „Fachleute“ ihre Einschätzung mit einem einzigen Argument, bleiben meistens noch viele Fragen unbeantwortet.

Wenn Sie etwas Zeit investieren können, sollten Sie sich mit Berichten von Unternehmen beschäftigen, um gute Renditechancen mit ausreichender Sicherheit zu kombinieren und den Markt so zu schlagen. Dabei können Sie auf charttechnische, monetäre und fundamentale Ansätze zurückgreifen. Alle Faktoren können Sie niemals berücksichtigen. Bislang gibt es noch nicht einmal ein Computerprogramm, das auch nur annähernd zuverlässig alle entscheidenden volkswirtschaftlichen Fakten berechnen könnte.

Konzentrieren Sie sich deshalb – anders als so mancher kurzfristig denkende Bankanalyst – auf die fundamentalen Daten eines Unternehmens. Die Bilanz als Abbildung der jeweiligen Situation ist dabei eine der wichtigsten Grundlagen für Ihre Entscheidung. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen daher,

  • welche Bilanzkennzahlen besonders wertvoll für Sie sind und wie Sie diese beurteilen können,

  • wie Sie anhand des Lageberichts einen guten Einblick in ganze Branchen gewinnen und

  • vor diesem Hintergrund mit dem 5-Stufen-Modell eine sachgerechte Bewertung der Kurschancen einer Aktie vornehmen können.

Systematische Untersuchungsaspekte der Aktienanalyse

Fundamentale Daten … des Einzelunternehmens bezogen auf die wirtschaftliche Gesamtentwicklung national und international Auftragseingang Kapazitätsauslastung Wettbewerbsfähigkeit Zukunftsfantasie Kurs/Gewinn-Verhältnis Kurs/Cash-flow-Verhältnis Dividendenrendite …

bezogen auf die wirtschaftliche Gesamtentwicklung national und international … der Gesamtkonjunktur?

… der Branche?

Internationale Börsensituation „Wall-Street“, „Tokio“

Geldmenge, Inflation Real-/Nominalzinsentwicklung Psychologisches Umfeld?

Monetäres Umfeld?

Gesellschaftspolitische Situation Politische Weltlage Zinsniveau Inland versus Ausland Wechselkursentwicklung … des Geldmarkts?

bezogen auf die nationale und internationale Börsenentwicklung, gemessen an repräsentativen Marktindizes: z. B. FAZ-, DAX-, Dow- Jones- Index Aktueller Kurs im-am-über-unter dem primären, sekundären, tertiären … der Branche?

Trendkanal bei welchen Umsätzen; nächste bezogen auf die nationale und internationale Börsenentwicklung, Durchschnitts-, Unterstützungs-, Widerstandslinien; relative Stärke, Momentum, gemessen an repräsentativen Branchenindizes:

typische Kursformationen …

z.B. den MSCI- Indizes … des Einzelwerts? Charttechnische Situation

Das Schaubild zeigt Ihnen die Komplexität der „theoretischen“ Aktien-Analyse. Mit dem 5-Stufen- Modell in diesem Beitrag kommen Sie zum Ziel.

Die Bilanz bietet Ihnen die wertvollsten Informationen über die wirtschaftliche Lage und Chancen für die Auswahl der besten Aktien …

Die besten Informationen über eine Aktie erhalten Sie von den Unternehmen selbst. Der Gesetzgeber schreibt Aktiengesellschaften einen Jahresabschluss, bestehend aus Bilanz, GuV (Gewinn- und Verlustrechnung), dem erläuternden Anhang sowie einem Lagebericht vor. Die Bilanzanalyse verschafft Ihnen einen Überblick über die wirtschaftliche Lage Ihrer Aktiengesellschaft. Diese Informationsquellen sollten Sie nutzen:

  • +Durch die umfassende Rechenschaftspflicht muss der Vorstand Ihnen gegenüber nicht nur die Geschäftszahlen, sondern auch deren Zustandekommen erklären.

  • +Mit der Bilanz und den Erläuterungen können Sie die Ertragskraft anhand der Umsätze, Geschäftsaussichten und Kostenentwicklung selbst abschätzen.

  • +Der Lagebericht gibt Ihnen Auskunft über die gesamte Branche, die Sie für weitere Analysen nutzen können.

  • +Die Bewertung der Geschäftsrisiken fällt Ihnen wesentlich leichter, weil Sie die Abhängigkeiten der einzelnen Unternehmensbereiche sehen können. So können Sie zukünftig schnell reagieren, wenn – wie im Fall Bayer – Produkte vom Markt genommen werden müssen.

  • +Mit den vorliegenden Zahlen können Sie das Zustandekommen verschiedener Bankanalysen und deren Bedeutung für die Gesamtsituation richtig einschätzen.

… was Sie davon aber nicht erwarten können

  • -Aktiengesellschaften haben bilanzielle Wahlrechte, durch die das Ergebnis verzerrt werden kann. Positionen – wie außerplanmäßige Abschreibungen – können die Vergleichbarkeit mit Unternehmen erschweren.

  • -Stille Reserven gehen aus Bilanzen nicht hervor. Sie entstehen durch eine niedrigere Bewertung von Vermögensgegenständen gegenüber einer fairen Markteinschätzung. Bei Prognosen fließen stille Reserven, insbesondere bei Immobilien, aber oft ein und können enttäuschen – wie bei der Deutschen Telekom.

  • -Die Informationen sind vergangenheitsbezogen. Gewinnentwicklungen können demnach nur geschätzt werden.

Die Bilanzen bieten Ihnen damit keinen vollständigen, aber immerhin aussagekräftigen Einblick in den Wert eines Unternehmens. Zumindest können Sie die Bilanz eines Unternehmens nutzen, um einen Vergleich der Entwicklung über die vergangenen Jahre oder im Vergleich zur Branchenkonkurrenz zu erstellen.

Holen Sie sich die notwendigen Informationen über Ihre Bank oder das Internet

Die Bilanzen großer AGs werden in Tageszeitungen veröffentlicht. Wenn Sie die Bilanz nebst Anhang und Lagebericht studieren wollen, sollten Sie sich den vollständigen Geschäftsbericht besorgen. Ihre Möglichkeiten:

  • Auf den Hauptversammlungen der AGs wird der Geschäftsbericht verteilt. Termine hierfür entnehmen Sie Tageszeitungen oder dem Internet, etwa unter auf der Website der jeweiligen AG oder telefonisch bei dieser (Ansprechpartner in der Abteilung „Investor Relations“).

  • Fordern Sie einfach den Bericht bei der AG an. Die Adressen erhalten Sie über die Telefonauskunft oder über das Internet.

  • Im Internet selbst werden die Geschäftsberichte bereitgestellt. Tipp: Über die allgemeine Adresse www.Firmenname.de kommen Sie direkt auf die richtigen Seiten.

  • Schließlich fasst auch das Schwesterprodukt dieses Werks, die „Aktien-Analyse“, die wichtigsten Kennzahlen kompakt und übersichtlich für Sie zusammen.


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Was Ihnen der Jahresabschluss über die Aussichten eines Unternehmens sagt

Die Bilanz stellt kurz und knapp das Vermögen der AG (auf der Aktivseite) und das Kapital (auf der Passivseite), bestehend aus Fremd- und Eigenkapital, gegenüber (siehe Beispiel auf der Seite A30/008). Sie können sie nutzen, um die Vermögensstruktur, die Kapitalstruktur, die Liquidität sowie den Geschäftserfolg des Unternehmens zu analysieren.

Die Gewinn- und Verlustrechnung stellt Ihnen Informationen zum Zustandekommen des Jahreserfolgs bereit. So erkennen Sie etwa, wie hoch Abschreibungen, Personalaufwand oder Vertriebskosten des Unternehmens gewesen sind.

Im Anhang ihres Jahresabschlusses müssen die AGs Ihnen erläutern, wie die einzelnen Positionen in der Bilanz sowie in der GuV zustande gekommen sind.

Wichtig für Ihre Analyse ist der Lagebericht. Hier erläutert Ihnen der Vorstand den Geschäftsverlauf der betrachteten Periode und die Gesamtlage der Gesellschaft. Außerordentlich ergiebig für Ihre Analyse sind Zusatzberichte: Hierin veröffentlicht das Unternehmen Mehrjahresübersichten mit Bilanzdaten, Kennzahlen, Ergebnisdaten, der Dividende und dem Aktienkurs. Zusätzlich wird hier die Bilanz mit der Vermögensstruktur, der Kapitalstruktur sowie verschiedenen „Deckungsgraden“ aufgearbeitet. Ebenso finden Sie hier Finanzierungsrechnungen wie den Cashflow und Ergebniskennzahlen, die über die Ergebnisstruktur und die Rentabilität informieren.

Tipp: Die Geschäftsberichte sind oft eine bessere Informationsquelle über Branchen als so manche kurze Berichte in Tageszeitungen oder Magazinen. Auch wenn der Vorstand eines Unternehmens das eigene Ergebnis im Branchenzusammenhang besser darstellen will, als es ist: Die Gesamteinschätzung nutzt Ihnen mehr als 2 bis 3 Zeilen in einem Kiosk-Magazin.

Mit diesen Instrumenten lesen Sie die Bilanz im Handumdrehen

Die Bilanz informiert Sie darüber, wie sich das Vermögen zusammensetzt und wie sich die Schulden zum Eigenkapital verhalten. Außerdem können Sie durch entsprechende Berechnungen daraus die wichtigsten Unternehmenskennzahlen ermitteln. Betrachten Sie dazu auch die Abbildung der BASF-Bilanz vom 31.12.2002 auf der folgenden Seite.

Die Vermögensverhältnisse zeigen sich in der Anlageintensität. Mit der Formel

Anlagevermögen ———————— Umlaufvermögen x 100

Bilanz der BASF per 31.12.2002

Aus der Abbildung entnehmen Sie alle wichtigen Bilanzdaten des Jahres 2002 im Vergleich zum vorangegangenen Jahr. Auf diese Weise können Sie die Geschäftsentwicklung des Unternehmens besser einschätzen.

ermitteln Sie diese Kennziffer. Bei BASF beträgt sie 159,73%. Was sagt Ihnen diese Zahl?

Eine hohe Anlageintensität zeigt eine geringe Flexibilität des Geschäftsmodells an, weil viel Kapital für Gebäude und Maschinen aufgewandt wurde. Läuft das Geschäft schlecht, kann das Unternehmen seinen Produktionsaufwand kaum minimieren, läuft es gut, kaum ausbauen. Zudem kann eine hohe Anlageintensität auf eine schlechte Ertragslage hinweisen, weil das Vorratsvermögen und/oder die Forderungen vergleichsweise gering sind.

Diese Kennzahl ist ohne andere Kennzahlen jedoch nicht aussagekräftig, weil es branchenspezifische Besonderheiten geben kann. Sie sollten die Zahl daher nicht ohne andere Kennzahlen nutzen und einen Branchenvergleich sowie Veränderungen im Zeitablauf beachten.

Die Eigenkapitalquote zeigt die Kapitalstruktur. Formel:

Eigenkapital ———————— Gesamtvermögen x 100

BASF weist für das Jahr 2002 eine Eigenkapitalquote von 48,29% aus. Wie können Sie diese Zahl interpretieren?

Je höher die Eigenkapitalquote ist, desto größer ist die Kreditwürdigkeit der AG. Damit steigt die Sicherheit für Banken und andere Kapitalgeber.

Auch die Investitionsmöglichkeiten steigen mit einer größer werdenden Eigenkapitalquote, da es leichter und billiger ist, eigene Mittel zu verwenden und weil notwendige Kredite bei guter Bonität günstiger werden. Schließlich ist möglicherweise auch die „Kriegskasse“ für die Übernahme anderer Unternehmen gut gefüllt. Die BASF hat gegenüber dem Vorjahr eine gestiegene Eigenkapitalquote.

Mit welchen Kennzahlen Sie den Erfolg eines Unternehmens richtig beurteilen

Für die Liquiditätsbeurteilung können Sie wie in der Praxis üblich den Cash-flow heranziehen. Er soll Ihnen zeigen, wie viel Mittel für die Tilgung von Schulden, für Investitionen, für Dividenden und schließlich für Abschreibungen zur Verfügung stehen. In einer erweiterten Form werden sogar noch außerordentliche Aufwendungen berücksichtigt.

So können Sie den Cash-flow ermitteln:

Cash-flow = Jahresüberschuss + Abschreibungen

(+ Erhöhung langfristiger Rückstellungen,+ außerordentliche Aufwendungen)

Praxis-Tipp: Entnehmen Sie den Cash-flow dem Lagebericht der AG.

Die Rentabilitätskennzahlen für Ihre Erfolgsanalyse

Weitere Erfolgskennzahlen beziehen sich auf die Rentabilität der Unternehmen. Als Aktionär ist für Sie besonders die Eigenkapitalrendite interessant. Sie zeigt, wie sich das jeweilige Eigenkapital pro Jahr „verzinst“ hat und gibt Ihnen damit Auskunft über die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.

Jahresüberschuss ———————

Eigenkapital x 100

Die Umsatzrendite zeigt Ihnen den Gewinnanteil am Umsatz. Je höher die Umsatzrendite ist, desto mehr profitieren Sie vom Umsatzwachstum, weil der Gesamtgewinn damit stärker steigt als bei einer geringeren Umsatzrendite. Diese Kennzahl verdeutlicht Ihnen, welcher Anteil vom Umsatz Ihnen und anderen Aktionären gehören könnte.

Jahresüberschuss —–——————

Umsatz x 100

Schließlich werden Sie in Analysen oft mit dem „ROI“ konfrontiert. Hinter der Kennzahl steckt diese Beziehung:

Return on Investment = Umsatzrendite x Kapitalumschlag

Mit dem ROI gewichten Sie die Umsatzrendite. Der Kapitalumschlag ist ein Faktor, der angibt, wie oft das Kapital im Jahresumsatz enthalten ist. Beispiel: Ein Kapitalumschlag von 4 bedeutet, dass der Umsatz 4-mal so hoch wie die Kapitalposition ist. Eine hohe Umsatzrendite hilft Ihnen nur, wenn der Umsatz im Vergleich zum Kapitalvolumen hoch ist. Deshalb ist – im Branchen- und/oder Zeitvergleich – der ROI besser, je höher er ist.

Tipp: Als Jahresüberschuss wird oft das „Ergebnis nach DVFA“, der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung, verwendet. Den DVFA-Abschluss finden Sie im Zusatz zum Geschäftsbericht. Auf diese Weise haben Sie die Gewähr, dass unterschiedliche Daten auch miteinander vergleichbar sind.

Weitere Kennzahlen für Ihre spezielle Aktienanalyse

Als Anleger müssen Sie sich bei der Beurteilung der Aktienchancen insbesondere auf relative Werte konzentrieren: Jede Aktienanalyse bezieht den Kurs auf verschiedene Bilanzpositionen.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) = Kurs ——–——— Gewinn je Aktie

Aus dem KGV (englisch: PER für Price-Earnings-Ratio) können Sie sehen, wie lange es bei gleich bleibendem Gewinn dauern würde, bis Ihr Kaufkurs bezahlt ist. Das

KGV zeigt damit den „Preis“, den Sie den Gewinn zahlen müssen. „Günstig“ sind Aktien in der Regel nur mit einem KGV von weniger als 12. Je nach Branche und/oder Region sind unterschiedliche KGVs zu erwarten. Deshalb können Sie AGs sinnvoll auch nur innerhalb einer Region oder Branche anhand ihres KGVs vergleichen.

Achtung: Ein niedriges KGV kann auch deshalb zustandekommen, weil der Markt dem Unternehmen keine Chancen mehr einräumt. Fallen künftig keine Gewinne mehr an, wird der Kurs in der Regel weiter sinken.

Kurs

Kurs/Buchwert-Verhältnis = ——––––––––––—–——––

(Eigenkapital/Anzahl der Aktien)

Die Faustregel für Sie: Liegt der Buchwert pro Aktie unter 1, ist die Aktie vergleichsweise günstig.

Kurs/Cash-flow-Verhältnis = Kurs ————–——————

(Cash-flow/Anzahl der Aktien)

Das KCV ist gegenüber dem KGV eine bessere Kennzahl, da sich hierin nicht nur der Gewinn, sondern auch die Finanz- und Ertragskraft widerspiegeln.

Dividendenrendite = Dividende ————

x 100 Kurs

Eine hohe Dividendenrendite ist für Ihre Aktien günstig. Zum einen mussten Sie vergleichsweise wenig für die Ausschüttungen (= Dividenden) zahlen, zum anderen orientieren sich viele private und institutionelle Anleger gerade in schlechten Zeiten an der soliden Kennziffer Dividendenrendite, weil eine hohe Dividendenrendite den Kurs nach unten absichert.

Tipp: Einige dieser Kennzahlen finden Sie in Tageszeitungen sowie im Internet. Beachten Sie, dass solche Kennziffern mit zukunftsorientierten Schätzungen ermittelt worden sein könnten. Entsprechend vorsichtig sollten Sie sein und – wenn Sie die notwendige Zeit aufbringen können – auch mit ungünstigen Gewinnannahmen noch einmal nachrechnen. Viele Analysten orientieren sich bei ihren Schätzungen nur an der Mehrheit der anderen Analysten.

Das 5-Stufen-Modell für Ihre aktuelle Auswahl von Qualitätsaktien

Entscheiden Sie vorab, in welcher Region und/oder in welcher Branche Sie investieren wollen. Sind Sie beispielsweise stark im Dollar-Raum engagiert, empfehle ich Ihnen aktuell, den Euro-Raum zu bevorzugen. Innerhalb einer Region hilft Ihnen die Bilanzanalyse vor allem, die günstigsten Werte innerhalb einzelner Branchen zu finden.

Bei der Aktienauswahl haben sich nach unseren Erfahrungen folgende Kriterien als besonders erfolgreich erwiesen:

  • niedriges KGV

  • niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis

  • attraktives Kurs-Cash-flow-Verhältnis im Branchenvergleich

  • hohe Dividendenrendite

  • positive Erwartungen der Analysten

  • überdurchschnittliches Wachstum des Gewinns

In einem 5-Stufen-Modell könnten Sie dabei nach folgendem Muster vorgehen:

  1. 1. Suchen Sie nach Aktien, deren Kurs-Buchwert-Verhältnis unter 1 liegt.

  2. 2. Suchen Sie Aktien, deren KGV unter dem Marktdurchschnitt liegt.

  3. 3. Überprüfen Sie, ob das KGV auch im historischen Vergleich niedrig ist.

  4. 4. Prüfen Sie das zukünftige Gewinnwachstum.

  5. 5. Prüfen Sie die Schlüssigkeit der Analyse-Resultate.

Alle diese Angaben können Sie in Fachpublikationen wie der „Aktien-Analyse“ finden. Beachten Sie aber, dass es kein allgemein gültiges Konzept gibt, sondern dass diese Stufenfolge nur ein Leitfaden ist, anhand dessen Sie Ihr eigenes Research-Instrument entwickeln können.

Wie Sie ein geeignetes Kennzahlensystem für sich aufbauen und anwenden

Mithilfe des 5-Stufen-Modells werden wir anschließend beispielhaft ein Bewertungssystem für Sie entwickeln.

Stufe 1: Sie sollten sich zunächst entschieden haben, auf welche Region oder Branche Sie sich beschränken wollen und hieraus die Aktien mit dem besten Kurs/Buchwert-Verhältnis suchen. Wir suchen beispielsweise wegen der besseren Konjunkturaussichten eine günstige Aktie aus der Chemiebranche. Alternativ dazu können Sie etwa mit der „Aktien- Analyse“ eine Auswahl aus Kurs/Buchwert-Listen treffen. Beispielhaft ein Ausschnitt aus der „Aktien-Analyse“.

Aus der gesamten Liste der besten 50 Aktien wählen wir neben der in diesem Beitrag schon vorgestellten BASF als Vergleichswert den besten Euro-Chemiewert Celanese aus. Die BASF hat einen Kurs-Buchwert von 24,41. Beide Titel finden Sie auf den nächsten Stufen wieder.

Buchwert: Wie viel Substanz hat die Aktie im Branchenvergleich

Dem Ausschnitt aus der „Aktien-Analyse“ können Sie in der 5. Spalte entnehmen, wie hoch der Buchwert für die hier betrachteten Aktien ist.

Im Neuen-Markt-Boom verpönt, jetzt wieder das Maß: das KGV

In der 5. Spalte der Übersicht ist das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis der betrachteten Aktien aufgeführt, das bei DSM mit 2,8 angegeben wird. Zusätzlich wähle ich Fuchs Petrolub mit einem KGV von nur 9,8 aus.

Stufe 2: Bei der Auswahl von Aktien mit einem niedrigen KGV können Sie ebenfalls auf entsprechende Statistiken in Tageszeitungen und im Internet zurückgreifen. Wir ziehen erneut die „Aktien-Analyse“ hinzu und wählen Chemie- Werte mit dem niedrigsten KGV.

Weil in der Liste der „Aktien-Analyse“ die bedeutendsten Werte berücksichtigt werden, ist gewährleistet, dass die in der Liste oben stehenden KGV nicht nur absolut, sondern vor allem auch in Bezug auf die jeweilige Branche niedrig sind. Den Branchendurchschnitt können Sie bei Interesse auch im Internet ermitteln, indem Sie beispielsweise unter www.stockwatch.de einzelne Branchen untersuchen und aus dem KGV der Aktien den Durchschnitt bilden.

Stufe 3: Die Gesamtauswahl umfasst in unserem Fall 4 europäische Chemiewerte. Dabei wird das KGV der Aktien historisch verglichen.

Unternehmen 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 200120022003 Ø BASF Celanese Fuchs Petrolub DSM 21,10 19,80 16,20 7,70 10,40 12,20 14,10 20,90 22,50 neg. neg. 19,20 4,05 15,9014,8014,97 14,15 14,95 12,8 neg.

22,1 9,20 11,25 4,45 10,8 6,85 14,5 6,95 46,75 10,75 6,80 9,20 8,35 6,10 neg. 16,8 2,50 5,80 6,75 3,60 3,05 9,35 7,95 15,25 3,00 6,69

Fuchs Petrolub ist die einzige Aktie mit durchgehend positivem KGV, deren aktuelles KGV deutlich unter dem historischen Durchschnitt liegt. Fraglich ist aber, warum. Dies führt Sie zur nächsten Stufe.

Stufe 4: Um die zukünftige Gewinnsteigerung zu prüfen, sollten Sie ebenfalls auf Tageszeitungen oder das Internet zurückgreifen. Auch hier nutzen wir die „Aktien-Analyse“.

Unternehmen Gewinn pro Aktie in Euro %-Gewinnwachstum 2001 2002 2003 2002 2003

BASF Celanese Fuchs Petrolub DSM 9,72 –7,65 3,68 14,73 2,60 3,72 10,07 12,30 2,36 5,76 11,30 12,68 –73,25%

pos.

173,64% –16,50%

–9,23% 54,84% 12,21% 3,09%

Es zeigt sich, dass bis auf BASF alle Aktien eine Gewinnzunahme gegenüber 2002 schaffen. In der Stufe 5 kommt es darauf an, die Stichhaltigkeit der Daten zu überprüfen.

Stufe 5: Auf dieser Stufe untersuchen wir daher nur noch die Aktien von DSM, Celanese sowie Fuchs Petrolub.

Die Daten wurden wie folgt ermittelt: Anlageintensität und Eigenkapitalquote ergeben sich aus der Bilanz für das Jahr 2002, Cash-flow-Werte und Dividendenrendite sind Schätzungen für das Jahr 2003. Nach diesem Modell wäre Fuchs Petrolub zu bevorzugen. Jetzt kommt es für Sie darauf an, die Wahrscheinlichkeit dafür zu ermitteln, dass die Gewinnerwartungen auch eintreten. Hierfür müssen Sie jeweils den Anhang und den Lagebericht einsehen. Daraus ergibt sich: Das Unternehmen ist als Schmierstoffproduzent konjunkturabhängig. Die erwarteten Wachstumsraten kann es nur dann erzielen, wenn die Konjunktur in Nordamerika, insbesondere in den USA sowie in Europa sich wieder stabilisiert. Bleiben Sie daher vorsichtig.

Kennzahl Anlageintensität Eigenkapitalquote Cash-flow/Aktie Kurs-Cash-flow-Verhältnis Dividendenrendite durchschn. Platzierung DSM Platz Celanese Platz Fuchs Petrolub Platz 68,07% 57,60%

7,04 5,48 4,90%

3 1 3 1 2 2,0 125,73% 32,70%

8,45 2,60 3,05%

1 2 2 3 3 2,2 85,53% 16,20% 11,16 3,26 5,30%

2 3 1 2 1 1,8

Die Übersicht zeigt, dass Sie nach dem hier vorgestellten Modell der Aktie von Fuchs Petrolub unter fundamentalen Gesichtspunkten den Vorzug vor den anderen geben sollten.

Die auf den Stufen 1 und 2 ermittelten Werte zu Kurs- Buchwertverhältnis und KGV müssen hier auch überprüft werden. Das KGV hängt von der tatsächlichen Gewinnentwicklung ab. Sinkt der Gewinn, ändert sich das KGV und damit auch die Beurteilung auf Stufe 3, wonach die Aktie im historischen Vergleich günstig ist.

Auf Stufe 4 haben wir festgestellt, dass Fuchs Petrolub eine Gewinnzunahme erwarten darf. Auch das Ergebnis auf dieser Stufe ist aufgrund der konjunkturellen Besserung mit Vorsicht zu genießen, aber positiv. Deshalb ist das Gesamtergebnis nur für den etwas spekulativeren, optimistischen Anleger realistisch. Zieht die Konjunktur in den USA und in Europa wieder deutlich an, kann dieser Titel auch für risikobewusste Anleger zum Einstieg attraktiv sein. Mit meiner Empfehlung aus 2001 konnten Sie bereits 80% Gewinn erzielen.

Bei Aktienanalysen sollten Sie die zugrunde liegende Bedeutung der Kennzahlen nicht vergessen

An unserem Beispiel ist deutlich geworden, dass die Bilanzanalyse wertvolle Erkenntnisse über die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens bringen kann.

Doch selbst wenn Sie vielleicht keine Zeit erübrigen können, um eine aufwändige Aktienanalyse zu betreiben, helfen Ihnen die in diesem Beitrag vorgestellten Grundgedanken der Bilanzanalyse.

Unter mittel- bis langfristigen Gesichtspunkten setzen sich die „harten Fakten“ der Unternehmensentwicklungen gegen spontane Stimmungen durch. Für mittelfristig orientierte Anleger wird die Bilanzanalyse deshalb unentbehrlich bleiben.

Vor diesem Hintergrund können Sie in Zukunft die zahlreichen Analysen und Hinweise besser einordnen: Oft fehlen Angaben dazu, welche Unternehmenskennzahlen von „neuen Nachrichten“ beeinflusst werden. Dann heißt es für Sie: Finger weglassen von dieser Empfehlung.

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Checkliste: So finden auch Sie Qualitätsaktien für Ihr Depot

  • Für die Auswahl Ihrer Qualitätsaktien gehen Sie nach der 5-Stufen-Modell vor:

    1. 1.Prüfen Sie das Kurs-Buchwert-Verhältnis (möglichst KBV < 1).

    2. 2.Ermitteln Sie das Kurs-Gewinn-Verhältnis der jeweiligen Branchen oder Regionen (möglichst KGV < 12).

    3. 3.Überprüfen Sie, ob das KGV auch im historischen Vergleich niedrig ist.

    4. 4.Ist auch ein Gewinnwachstum für die nächsten Jahre zu erwarten?

    5. 5.Prüfen Sie anhand des Lageberichts und Ihrer eigenen Kenntnisse über das Unternehmen und seine Produkte die Schlüssigkeit der Analyse.

      • Sammeln Sie für Ihre mittel- bis langfristige Kapitalanlage alle erdenklichen Informationen. Geschäftsberichte erhalten Sie sowohl direkt von den Unternehmen, über das Internet als auch auf postalischem Weg. Im Internet wählen Sie einfach die Adresse www.Firmenname.de.

      • Bleiben Sie auch bei der Bilanzanalyse kritisch. Die angenommenen Werte basieren in aller Regel auf den Erwartungen der Unternehmen und sind konjunkturabhängig.

      • Die Bilanzanalyse eignet sich oft nicht für kurzfristige Kursgewinne, die spekulativ sind. Sie bewahrt Sie aber vor nachhaltigen Reinfällen, wenn Sie einen Anlagehorizont von mehr als einem Jahr haben und entsprechende Geduld mitbringen.

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Ein Beitrag von Chefredakteur Dr. Werner Kurzawa und Dipl. Oec. Janne Kipp. Dr. Kurzawa ist als gelernter Bankkaufmann ein gefragter Experte der deutschen und internationalen Wertpapiermärkte und Redner auf zahlreichen Investmentkongressen und -seminaren. Janne Kipp ist Wirtschaftsredakteur und hat sich besonders mit Fragen der Kapitalmarkt- und Bilanzanalyse von Unternehmen beschäftigt.

20. Oktober 2003

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.