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Mit diesen US-Anleihen wurde die Welt neu geordnet

Sie sind hierzulande eher unter Liebhabern historischer Wertpapiere bekannt, in den USA jedoch stehen sie als Begriff für eine Wende: Liberty Bonds.

Mit den Anleihen wurde die Teilnahme am ersten Weltkrieg finanziert und zugleich erstmals eine Grenze für die US-Staatsschulden definiert – ein Kapitel das bis heute die Finanzwelt in Atem hält.

100 Jahre Liberty Bonds: US-Anleihen für eine Zeitenwende

Bald heißt es wirklich 100 Jahre Liberty Bonds. 1917 nämlich beschloss der bis dahin zurückhaltende Präsident Woodrow Wilson, Deutschland den Krieg zu erklären. Um den zu finanzieren, wurden Liberty Bonds aufgelegt, Kriegsanleihen, die wie üblich von den meisten Staaten steuerfrei verkauft wurden. Sie hatten eine Laufzeit bis zu 30 Jahren, warfen erst 3,5 %, dann 4,25 % Zinsen ab und konnten am Ende zum Originalwert zurückgekauft werden.

Der Zinsunterschied erklärt sich auch dadurch, dass sich die erste Ausgabe weniger gut verkaufte als erhofft. Liberty Bonds, Freiheits-Anleihen – der Appell an den Patriotismus entfaltete nicht sofort seine volle Wirkung und wurde erst im zweiten Anlauf durch eine massive Werbekampagne befördert.


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Der Sieg und der Weg zur Supermacht

Nach der Devise „unterstützt unsere Freiheitskämpfer an der Front“ griffen US-Bürger aus allen Schichten zu. Die Anleihen gab es bereits in der Stückelung zu 25 Cent. In den folgenden fünf Jahren entwickelten sich die Kurse – vor allem während der Deflation – besser als der generelle Anleihe- und der Aktienmarkt. Nicht selten wurden unerfahrene Anleihebesitzer von Aktionären zum Tausch gegen Unternehmenspapiere überredet, die massiv an Wert verloren.

Die Werthaltigkeit der Anleihen wurde durch den Sieg im November 1918 gestützt. Zwar hatte der Krieg geschätzte 35,5 Mrd. US-$. gekostet, doch sowohl Deutschland als auch Frankreich oder Großbritannien standen nun in der Schuld. Allein letztere mit weit über 10 Mrd. US-$. Die USA hatten nicht nur ihre Verbündeten gerettet, sie konnten nun ihr Potenzial als aufsteigende Macht entfalten.

Mit Kriegsanleihen in die Schuldenpolitik

Vor diesem Hintergrund markieren 100 Jahre Liberty Bonds zugleich eine zweite Wende. Die hohen Kriegskosten hatten die USA vor eine völlig neue Situation gestellt. Zuvor waren die Staatsausgaben äußerst moderat. Jeder Kredit wurde durch Gesetzesbeschlüsse bewilligt, und zwar nur vom Kongress, der bis heute die alleinige Kompetenz für Kreditaufnahmen hat. Dieser hätte also auch der Ausgabe der Liberty Anleihen zustimmen müssen.

Um die Sache abzukürzen wurde das System der Einzelbewilligung vereinfacht. Der Kongress verabschiedete 1917 den Second Liberty Bond Act, mit dem fortan einfach eine bestimmte Schuldengrenze festgelegt wurde. Innerhalb ihres Rahmens war keine Zustimmung mehr nötig.

In der Folge konnten sich die Amerikaner, auch mit ihrer zunehmenden Dominanz, immer mehr verschulden. Die Grenze wurde jedes Mal ein Stück angehoben. 100 Jahre Liberty Bonds sind eben auch 100 Jahre wachsender Verschuldung.

Rekordschulden der USA

Derzeit erreicht sie den Rekordwert von fast 19 Bio. US-$ – gut 105 % der Wirtschaftsleistung. In der EU sind es 12,3 Bio. € und 86,8 % des Bruttoinlandsprodukts. Der griffigste Vergleich zeigt sich an der Bevölkerungszahl. In den USA leben 321 Mio. Menschen, in der EU derzeit 503 Millionen. Somit ist jeder Europäer mit 24.453 € verschuldet, in den USA sind es pro Kopf umgerechnet über 50.700 €.

Der Unterschied: Trotz doppelt so hoher Pro-Kopf-Werte können sich die USA mit dem Dollar als Leitwährung problemloser verschulden. Andere Staaten, allen voran China und Japan, halten einen Großteil ihrer Reserven in Dollar, die in US-Anleihen angelegt sind. Solange dies so bleibt, sind auch deutsche Anleger auf der sicheren Seite. Dennoch hält das Thema US-Schulden mit seinem Sprengpotenzial die Finanzmärkte in Atem.

Andere Liberty Bonds

Übrigens: Auf den patriotischen Begriff Liberty Bonds wurde noch einmal nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 zurückgegriffen. Über steuerfreie Anleihen wurden mit einem 8 Mrd. US-$-Programm Opferangehörige ausbezahlt, Schäden beglichen und das World Trade Center wieder aufgebaut.

Mit demselben Namen gab es ansonsten nur noch Liberty Bonds, die 1937 von der Chinesischen Republik verkauft wurden, um den Kampf gegen die Kommunisten zu finanzieren. Am Ende musste sich die Nationalregierung auf die Insel Taiwan zurückziehen.

31. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.