Mit Technologiewerten den Dax überholen – So geht`s

Zukunftstechnik, Biotechnologie und IT-Unternehmen – diese Begriffe lassen Anleger spontan an den amerikanischen Technologieindex Nasdaq denken. Der gab bisher allen Anlass zur Freude.

In den vergangenen drei Jahren legte er um über 39% zu, in den letzten fünf Jahren gar um 120%. Mit passiven Indexfonds konnte man die Performance einfach und günstig abholen, denn ETFs folgen der Wertentwicklung ihres Index. Aufwändige Aktienauswahl und Ausgabeaufschläge entfallen.

Tecdax-ETF: besser als Nasdaq

Hinter den Nasdaq-Zahlen braucht sich allerdings das deutsche Pendant nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Mit einem ETF auf den Tecdax wäre man sogar weiter gekommen. Der Schwerpunktindex der Deutschen Börse schaffte in den genannten Zeiträumen sogar über 48% bzw. 150% – grob doppelt so viel wie der Dax.

Dabei ist der Tecdax genau genommen die technologieorientierte Fortsetzung des Leitindex Dax und lässt sich weder parallel zum Mdax noch zum Sdax verorten. O2 (Telefonica), Xing oder Qiagen sind nur drei der insgesamt 30 größten Sektorenvertreter Deutschlands. Für sie gelten die gleichen strengen Börsenregeln wie für die Dax-Konzerne. Den Tecdax gibt es seit 2003 und zwar als Nachfolger des vormaligen Nemax 50, der nach dem Platzen der Internetblase eingestellt wurde.

Was den Tecdax kennzeichnet, ist neben der Wertentwicklung eine vergleichsweise hohe Schwankungsanfälligkeit. Da ETF-Anleger eher langfristig denken, spielt das Auf und Ab mit Blick auf die Gesamtperformance eher eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist, den richtigen Ein- und Ausstieg zu erwischen.

Zwei Angebote ohne Wiederanlage

Im Angebot sind nur zwei ETFs auf den Tecdax: Die Commerzbank-Tochter ComStage ist im Gegensatz zum Mdax und Sdax nur mit einem kleinen Fonds vertreten. Er bildet den Index physisch ab, indem er direkt alle Aktien enthält und schüttet alle Dividenden aus. Die bequeme automatische Wiederanlage eines thesaurierenden Fonds wird nicht angeboten obwohl der Tecdax auch als TR (Total Return) berechnet wird.

Einen ETF in derselben Konstruktion hat der BlackRock-Ableger iShares auf Lager. Der ist zwar mit eine Gesamtkostenquote (TER) von 0,51% gut ein Zehntel teurer als das ComStage-Produkt, doch mit einem Fondsvolumen von 344 Mio. € eher in der Größenordnung der populäreren Dax-ETFs. Der Fonds von ComStage indes versammelt lediglich 5 Mio. €.

Sieben Sparplanvarianten

Sparplangebote gibt es nur auf den ETF von iShares. Bei comdirect und Consorsbank ist ein Investmentaufbau in monatlichen Schritten von nur 25 € möglich. Ab 50 € Monatsrate hat man das ganze Angebotsspektrum von sieben Banken. Komplett kostenfrei ist nur Flatex. Alle anderen verlangen Sparratengebühren von 1,5% bis zu 5,9%.

Short-ETF: weder gefragt noch nötig

Ein Short-ETF als taktischer Schutz gegen fallende Kurse ist nicht im Angebot. Zwar hatte die Deutsche Börse 2011 vorsorglich einen entsprechenden Index aufgelegt, doch wie ComStage-Chef Thomas Meyer zu Drewer sagt: „Es gibt schlicht keine entsprechende Nachfrage.“ Kollege Mark Wiedmann von iShares sieht das ähnlich. Für Privatanleger ist dies insofern kein Verlust, als Short-Produkte ohnehin ihre riskanten Tücken und Eigenheiten haben, die etwas Erfahrung erfordern.

Insgesamt ist ein ETF auf den Tecdax ein denkbar einfaches Investment in das Potenzial deutscher Technologieunternehmen. Die Kosten sind zwar höher als die von Dax-Produkten, aber auf dem Niveau von Mdax-ETFs immer noch erheblich günstiger als bei aktiv gemanagten Fonds. Im Portfolio eignen sie sich aber eher als Beimischung.

23. Dezember 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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