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Mit welchen Mitteln die EZB den Verbraucherpreisindex wachsen lässt

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hat ein oberstes Ziel: Laut Vertrag mit der Europäischen Gemeinschaft muss sie für Preisniveaustabilität sorgen. Das bedeutet laut ihrer eigenen Beschreibung eine Steigerung des Preisindexes für Verbraucher im Euro-Raum.

Ein fixes Ziel wird dabei auch anvisiert: 2 % sollen die Preise des sogenannten „harmonisierten Verbraucherpreisindex“ pro Jahr steigen. Mit Hilfe dieser Kennzahl namens HVPI soll die Preisentwicklung im gesamten Raum der Europäischen Wirtschaftsunion ausgedrückt werden.

Damit sie ihr Ziel auch erreichen kann, stehen der EZB unterschiedliche geldpolitische Mittel zur Verfügung.

Offenmarktgeschäfte als geldpolitisches Mittel der EZB

Die Geschäfte teilen sich in zwei Gebiete. Auf der einen Seite steht die Kreditvergabe an Geschäftsbanken für rund zwei Wochen. Dabei müssen die Banken der EZB Sicherheiten hinterlegen, beispielsweise in Form von Wertpapieren. Diese Art der Offenmarktgeschäfte, um die Geldversorgung zu regulieren, stellt den größten Teil dar und ist somit für die Masse des in Umlauf befindlichen Geldes verantwortlich.

Als Alternative bietet die EZB längerfristige Refinanzierungsgeschäfte an. Diese verlaufen ähnlich wie die obigen Haupt-Refinanzierungsgeschäfte – allerdings mit einer längeren Laufzeit von drei Monaten. Dieses Produkt wird deutlich seltener in Anspruch genommen und spielt deshalb bei der EZB eine untergeordnete Rolle.

Ständige Fazilitäten als kurzfristige Anlage oder Kredite

Bei den ständigen Fazilitäten handelt es sich um Produkte, bei denen das Geld maximal 24 Stunden von einer Bank zur anderen verschoben wird. Geregelt wird dies über fixe Soll- und Haben-Zinssätze. Während die Offenmarktgeschäfte noch vom Volumen begrenzt sind, gibt es bei den ständigen Fazilitäten kein Limit.

Unterschieden wird dabei, ob die EZB den Geschäftsbanken für einen Tag einen Kredit gibt oder ob die Banken ihre überschüssige Liquidität bei der EZB über Nacht parken. Bei den sogenannten „Spitzenrefinanzierungsfazilitäten“ erhalten die Geschäftsbanken ein Darlehen für einen Tag und müssen hierfür Sicherheiten hinterlegen.

„Einlagefazilitäten“ beschreibt dagegen die Situation, wenn Geschäftsbanken ihr überschüssiges Geld kurzfristig bei der EZB anlegen. Dies war bei der Einführung eine Neuerung für viele Banken, die damit die Möglichkeit hatten, mit ungenutztem Kapital Profite zu verbuchen. Allerdings hat sich der Spieß inzwischen umgedreht:

Der von der EZB ausgegebene Niedrigzins ist schuld daran, dass die Banken inzwischen teilweise mit Minuszinsen rechnen müssen, wenn sie ihr Geld über Nacht sicher parken möchten. Deshalb ist der Trend der Einlagefazilitäten mit immer weiter fallenden Zinsen deutlich ins Stocken geraten.

Mindestreserve für Bankeinlagen

Die Mindestreservepolitik soll für ein wenig mehr Sicherheit sorgen. Denn Geschäftsbanken sind dazu verpflichtet einen bestimmten Anteil (1 %) ihrer Kundeneinlagen bei der EZB einzahlen. Das hat zumindest den Vorteil, dass minimal weniger Giralgeld, also neues Geld geschöpft werden kann.

Schon früher mussten deutschen Banken auf diese Weise eine Mindestreserve absichern. Vor dem 18.1.2012 waren es noch 2 %, aber der Satz wurde mit der 3. Stufe der Währungsunion abgesenkt. Seit 1999 gilt diese Pflicht auch für alle Euro-Staaten. Jedoch gäbe es Nachteile für Euro-Banken, wenn diese permanent 1 % ihres Kapitals aus Gründen der Sicherheit blocken müssten. Somit bekam die EZB eine weitere Aufgabe.

Sie verwaltet die Mindestreserve der Geschäftsbanken und verzinst diese, um den Banken außerhalb des Euro-Raums keinen Wettbewerbsvorteil zu bieten. Auch wenn die Zinsen derzeit nicht üppig sind, die Sicherheitspolitik hat eindeutig Vorrang. Wenngleich einige Bankenpleiten in der nahen Vergangenheit gezeigt haben, dass 1 % keine ausreichende Absicherung bieten.

Geldpolitische Mittel bieten teilweise Kontrolle

Die genannten Mittel der EZB regulieren den Markt und die Geldverteilung, bzw. deren Neuschöpfung. Allerdings stehen die Methoden der EZB zu Recht in der Kritik, weil sie entweder umgangen werden oder zu schwach sind.

So kaufte die EZB insbesondere bei der bestehenden Schuldenkrise Staatsanleihen um Länder mit Geld zu versorgen. Gleichzeitig sind die Sicherheiten, die Banken für Kredite hinterlegen müssen fragwürdig, weil in der Vergangenheit zu oft wertloses Papiere akzeptiert wurden.

Außerdem ist natürlich die 1 %-Sicherheitsreserve ein Tropfen auf dem heißen Stein. Bankenpleiten gab es in jüngster Zeit genug, um dies zu beweisen. Dennoch gibt es keine Änderungspläne, die Sicherheitsreserve zu erhöhen und damit das ganze System stabiler zu machen.

2. Oktober 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.