von Andreas Sommer

Momentum Trader Markt-Barometer: Schlechtwetterlage voraus?

Momentum Trader Markt-Barometer: Schönwetterlage wird nicht bestätigt

Momentum Trader Markt-Barometer: Schönwetterlage wird nicht bestätigt

Stellen Sie sich bitte einmal folgende Situation vor:

Sie stehen am Morgen auf, schauen aus dem Fenster und sehen einen strahlend blauen Himmel sowie Sonnenschein. Da beginnt der Tag doch schon gleich viel besser.

Wohlgelaunt laufen Sie ins Wohnzimmer zu Ihrem Wetter-Barometer, um sich die positive Tagesperspektive bestätigen zu lassen – schließlich möchten Sie diesen schönen Tag entsprechend gekleidet verbringen.

Doch dann: Welche Überraschung! Ihr Barometer ist gar nicht so gut gestimmt, wie es Ihr Blick nach draußen eigentlich erwarten ließ. Zwar steht es nicht auf Sturm, allerdings bestätigt es auch nicht gerade Ihre Einschätzung, dass dieser Tag richtig schön werden könnte.

Tatsächlich steht Ihr Barometer in einer neutralen Position und selbst Ihr leises Fingerklopfen auf das Barometer (in der Hoffnung, dass der Zeiger irgendwie verklemmt sei) bewegt den Zeiger keinen Millimeter.

Wer liegt hier falsch?

Nun gibt es 2 Möglichkeiten: Entweder Ihr Barometer „spinnt“. Oder das Wetter da draußen ist trügerisch.

Wem sollen Sie nun mehr vertrauen? Ihrem Barometer, das in der Vergangenheit eigentlich weitgehend verlässlich war? Oder Ihrem Bauchgefühl?

Momentum Trader Markt-Barometer: Schönwetterlage wird nicht bestätigt

Exakt diese Situation spiegelt aktuell das von mir für meinen Börsendienst Momentum Trader entwickelte Momentum Trader Markt-Barometer wider.

Dieses Markt-Barometer checkt einmal in der Woche – nach Börsenschluss am Freitag – die Charttechnik von DAX und Dow Jones sowie der 4 wichtigsten Einflussfaktoren auf den Aktienmarkt (Ölpreis, Zinsen, Euro/USD und das Sentiment in Gestalt des Volatilitätsindex VDAX).

So wirken sich ein fallender Ölpreis, sinkende Zinsen, ein niedriger VDAX und ein gegenüber dem USD nachgebender Euro positiv auf den Aktienmarkt aus. Im umgekehrten Fall sind diese Einflussfaktoren negativ.

Die Charttechnik von DAX und Dow Jones kann im günstigsten Fall 60 Prozentpunkte zum Maximalstand von 100% beitragen, die anderen Komponenten entsprechend jeweils bis zu 10 Prozentpunkte. Ein Barometerstand von 50% und besser zeigt eine „Schönwetterlage“ an den Aktienmärkten an. Je höher, desto schön.

Nachdem der DAX seit Weihnachten 2011 in der Spitze knapp 700 Punkte oder +11,8% zugelegt hat, ist dieser Umstand durchaus vergleichbar mit Ihrem eingangs zitierten Blick aus dem Fenster: blauer Himmel und sonnig.

Doch der Blick auf „mein“ Momentum Trader Markt-Barometer zeigt etwas anderes an. Schauen Sie selbst:

Der senkrechte blaue Balken markiert den 23. Dezember 2011. Seither ist der DAX wie gesagt kräftig gestiegen, wie Sie an der dunkelblauen Linie ablesen können. Per Wochenschlusskurs ist er zuletzt sogar erstmals über die Marke von 6.346 geklettert (gelber Kreis).

Das Markt-Barometer weigert sich indes beharrlich, über die 50%-Marke hinaus zu steigen. Tatsächlich „klebt“ der Zeiger nunmehr in der dritten Woche in Folge bei 45%. Hinzu kommt, dass der Barometer-Stand seit Wochen weit überwiegend von der Charttechnik getragen wird – am letzten Wochenende sogar ausschließlich.

Der Relative Stärke Index (RSI) pendelt seit Wochen um die 50%-Marke und ist damit weder „Fisch noch Fleisch“.

Überdies gelang ihm bislang weder ein Ausbruch nach oben, noch nach unten aus dem seit Februar 2011 bestehenden Abwärtstrend-Kanal (grüne Linien). Der Trend-Indikator bewegt sich zwar im grünen Bereich, tendiert jedoch abwärts.

Rückschau kann helfen

Was machen wir mit solch einer Wetterlage bzw. einem derart widersprüchlichen Verhalten des Barometers? Ist mein Markt-Barometer defekt? Oder lauert hinter der Schönwetterfront vielleicht ein Sturm?

Nun. Ich schaue in einem solchen Fall in die Vergangenheit, um nach vergleichbaren Situationen zu suchen. Und tatsächlich gab es im Jahr 2009 eine ähnliche Abweichung von DAX und Barometer. Ich habe Ihnen diese Markt-Phase mit einem gelben Kasten unterlegt. (Die Kreise verdeutlichen übrigens die Relevanz der Marke 50%!)


Momentum Trader Markt-Barometer: Auch 2009 gab es eine Abweichung

Es war zu Beginn der Hausse im Jahr 2009. Von Mitte März bis Mitte Juni stürmte der DAX nach oben. Das Momentum Trader Markt-Barometer blieb davon indes weitgehend unbeeindruckt. Die maximalen Ausschläge endeten bei 50%.

Dann folgte jedoch ab Mitte Juni ein dreiwöchiger Kursrücksetzer von mehr als 500 Punkten, also über -10%.

Kalkulieren Sie mindestens einen Kursrücksetzer ein!

Beziehe ich nun die aktuell durch den langanhaltenden und kräftigen Kursanstieg massiv überkaufte Marktlage mit ein, dann besteht auf dem gegenwärtig erreichten Niveau eine durchaus gute Wahrscheinlichkeit dafür, dass wir in den kommenden Wochen mindestens einen deutlicheren Kursrücksetzer am Aktienmarkt erwarten können.

Kann ich das garantieren? Nein. Selbstverständlich nicht. Chartanalyse ist immer nur ein Abschätzen von Wahrscheinlichkeiten.

Nennen Sie es daher einfach eine Kombination aus Bauchgefühl, der Beobachtung der Wetterlage an den Börsen, Erfahrungswerten und dem Vertrauen in „mein“ Momentum Trader Markt-Barometer, die mir diese Einschätzung nahelegt.

Die positive Nachricht ist indes: Sollte es bei einem Kursrücksetzer bleiben, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich 2009 wiederholt. Und das wäre dann gleichbedeutend mit einer länger anhaltenden Hausse.

 
 

Autor:

Andreas Sommer

Seit November 2008 veröffentlicht Andreas Sommer seine Profi-Erfahrung in seinem täglichen kostenlosen Newsletter Chartanalyse-Trends.