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Monetarismus – einfach erklärt

In Zeiten der weltweiten Staatsschulden und Finanzblasen hört man immer häufiger den Begriff Monetarismus bzw. Neo-Monetarismus. Doch was hat es damit genau auf sich?

Was bedeutet Monetarismus?

Dabei handelt es sich um eine umfassende Theorie zur Wirtschaft, in der die Kreditvergabe die zentrale Rolle für das Geldsystem einnimmt. Neo-Monetaristen halten nicht die klassische Geldmenge, sondern ihr Gegenstück, die Kreditvergabe, für zentral.

Kreditzyklen sehen sie als eine Hauptursache für das konjunkturelle Auf und Ab. Ihrer Meinung nach bedrohen vor allem Banken, die übermäßig Darlehen vergeben, die Stabilität von Finanzsystem und Realwirtschaft.

US-Ökonomen haben gezeigt, dass sämtliche Finanzkrisen der vergangenen Jahrzehnte auf geplatzte Kreditblasen zurückgehen. Mit Daten von 140 Jahren in 14 großen Industrieländern weisen sie außerdem nach, dass Kredit auch im normalen konjunkturellen Auf und Ab eine treibende Rolle spielt. Denn auf einen Aufschwung, in dem das Kreditvolumen boomt, folgt regelmäßig ein tiefer und langer Abschwung.

Der klassische Monetarismus

Die ursprüngliche Konzeption des Monetarismus ist schon ein knappes halbes Jahrhundert alt und wurde in den 1960er und 1970er Jahren entwickelt. Die Bezeichnung leitet sich ab aus dem Lateinischen: „moneta“ bedeutet „Münzen“ oder ganz allgemein „Geld“.

Hauptvertreter des klassischen Monetarismus war Milton Friedmann (1912-2006), ein US-amerikanischer Ökonom, der 1976 den Nobelpreis erhielt. Die klassischen Monetaristen sahen in der Regulierung der Geldmenge die wichtigste Stellgröße zur Steuerung des Wirtschaftsablaufes. In Amerika prägte sich zur Verdeutlichung dieser Ansicht auch der Slogan „Money matters“ – „Es kommt auf die Geldmenge an“.

Friedmann und seine Kollegen betonten, dass v.a. der langfristige Verlauf der Wirtschaft betrachtet werden müsse, vor allem, was Eingriffe von außen anbelangt.

Eine zu starke Ausdehnung der Geldmenge führe demnach zu Inflation, eine zu starke Bremsung des Geldmengenwachstums wiederum zu Deflation.

Kurzfristige Eingriffe des Staates zur punktuellen Steuerung der Wirtschaft werden abgelehnt. Der Monetarismus geht von einer relativ stabilen Geldnachfrage aus.

Was der Monetarismus gebracht hat

Viele Forderungen der Monetaristen sind heute erreicht. Preise sind flexibilisiert, ehemals staatliche Monopole aufgebrochen, die erwarteten Preissenkungen sind jedoch ausgeblieben.

Am Beispiel der Privatisierung ehemals kommunaler Dienstleistungen – z.B. Wasserversorgung und Abfallentsorgung – zeigt sich, dass der Einstieg privater Unternehmen nicht zu niedrigeren, sondern teilweise zu weit höheren Preisen für Bürger und Verbraucher geführt hat.

Die angestrebte Flexibilisierung der Arbeitsmärkte sorgt nicht, wie erhofft, für mehr Sicherheit und Wohlstand der Gesamtgesellschaft, von Vollbeschäftigung ganz zu schweigen. Auch die Bankenkrise kann als Zeichen für das Versagen der Märkte gesehen werden. Eine Selbstregulierung der Märkte in diesem Sektor ist durch staatlichen Stützungs- und Notfonds unterblieben.

Diese Befunde stellen die theoretische Basis der heutigen Zentralbankpolitik grundsätzlich infrage. Denn in den Modellen, mit denen die Zentralbanken derzeit arbeiten, hat weder die Geldmenge noch das Kreditvolumen Platz – beide Größen werden in den heutigen Standardmodellen nicht abgebildet.

28. Februar 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.