MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Morrien: Wer nicht in Aktien investiert, macht einen riesigen Fehler

Interview mit Rolf Morrien, einem der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands zum Thema: Ob der Börse tatsächlich ein Crash wie am schwarzen Montag 1987 bevorsteht.

GeVestor-Redaktion: Herr Morrien, die Syrien-Krise drückt die Aktienmärkte nach unten. Wie geht es weiter?

Rolf Morrien: Eine friedliche Lösung ist in Syrien nicht in Sicht. Daher stellt sich jetzt die Frage, ob wir mit einem langfristigen militärischen Einsatz rechnen müssen, oder aber mit einer kurzfristigen militärischen Bestrafungsaktion. Sollte der Konflikt dauerhaft eskalieren, denken Sie dabei an Afghanistan oder den Irak, wäre das ein Belastungsfaktor für die Weltwirtschaft und damit auch für die Börsen. Der steigende Ölpreis wäre eine Konjunkturbremse. Wobei ich direkt sagen muss, dass ich dieses Szenario für extrem unwahrscheinlich halte. Nach den Horror-Erlebnissen in Afghanistan und Irak sehe ich aktuell keine Militärmacht, die Interesse daran haben könnte, eine langfristige und verlustträchtige Bodenoffensive zu führen. Ich erwarte einen kurzen, aber harten militärischen Schlag der Luftwaffe. Dafür könnten 2 oder 3 Tage reichen. Die Menschen in Syrien werden mit oder ohne Militärschlag weiter leiden. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.

GeVestor-Redaktion: Was bedeutet das für die Börse?

Rolf Morrien: Das ist ein sehr schwieriges Thema. Es klingt brutal, aber rein statistisch ist es so, dass die Aktienkurse einige Wochen und Monate vor dem Krisenhöhepunkt fallen, aber quasi mit Beginn des militärischen Konflikts die Kurse stark nach oben drehen. Vor dem 1. Irak-Krieg im Jahr 1991 ist der DAX von 1.500 auf 1.300 Punkte gefallen. Nach Ausbruch des offenen militärischen Konflikts stieg der DAX von 1.300 auf 1.600 Punkte. Fast das gleiche Bild gab es beim 2. Irak-Krieg 2003. Erst ist der DAX von 3.200 auf 2.600 Punkte gefallen, dann von 2.600 auf 3.400 Punkte gestiegen. Eine weitere Wiederholung gab es zuletzt 2011 während der Libyen-Krise. Erst der Kursverfall von 7.400 auf 6.500 Punkte, dann der Kursanstieg auf 7.500 Punkte. In den Monaten nach Kriegsbeginn holte der DAX jeweils die Verluste auf und kletterte sogar in die Plus-Zone.

GeVestor-Redaktion: Haben Sie dafür eine Erklärung?

Rolf Morrien: Viele Analysten gehen davon aus, dass die Unternehmen, die von einer militärischen Krise profitieren, die Börsen nach oben ziehen. Das wären Rüstungsunternehmen, Baukonzerne, die vom Wiederaufbau profitieren und westliche Öl-Konzerne, die sich neue Öl-Quellen sichern. Diese Begründung überzeugt mich aber nicht. Dann müssten einige Branchen sehr gut laufen, andere aber am Boden bleiben. Es zeigt sich aber, dass der breite Aktienmarkt zulegen konnte. Daher habe ich persönlich eine andere Vermutung: Vor jeder Militäraktion gibt es immer wieder Angst, dass der lokal begrenzte Militärschlag einen Flächenbrand auslösen könnte. Das Stichwort „3. Weltkrieg“ taucht dann in einigen Medien auf. Wenn sich dann 1 oder 2 Wochen nach dem ersten militärischen Einsatz zeigt, dass die anderen Supermächte nicht reagieren, setzt eine Art Erleichterungsrally ein.


Gratis Studie: Die Zukunft Ihres Depots?....

  • China Mobile (China), größter Mobilfunkanbieter weltweit
  • Vale (Brasilien), größter Eisenerzlieferant der Welt
  • Novo Nordisk (Dänemark), führender Hersteller Insulin der Welt
  • Petrochina (China), zweitteuerstes Unternehmen der Welt
  • Burberry Group (England), führender Luxushersteller der Welt
  • Harley Davidson (USA), legendärster Motorradhersteller der Welt

Hier erfahren wo sich der Einstieg noch lohnt ➜


GeVestor-Redaktion: Was raten Sie in dieser schwierigen Situation Privatanlegern?

Rolf Morrien: Es ist jetzt sicherlich nicht die Zeit, um offensiv auf zyklische Aktien zu setzen und die Cash-Quote auf 0% zu senken. Mit einer Mischung aus 50% Aktien, 20% Anleihen, 10% Edelmetalle und 20% Cash dürfte man gut positioniert sein. Nicht zu defensiv, aber auch nicht zu offensiv. Wenn dann in diesen Krisen-Tagen absolute Qualitätsaktien wie Nestle oder Coca-Cola mit dem Gesamtmarkt nach unten geprügelt werden, ist das eine günstige Gelegenheit, um diese Lücken im Depot zu füllen. So kann man die Cash-Quote in den nächsten Wochen durch gezielte „Schnäppchen-Käufe“ von 20 auf 10% senken. Bleibt es dann bei einem kurzen Militärschlag in Syrien, erwarte ich bis Jahresende einen DAX-Anstieg auf 8.800 Punkte.

GeVestor-Redaktion: In Ihrer Aufzählung haben Sie Anleihen aktuell nur mit 20% gewichtet. Ist das nicht zu wenig?

Rolf Morrien: Ein klares Jein. In normalen Zeiten, wenn solide Unternehmensanleihen 4 bis 6% Rendite abwerfen, würde ich eine deutlich höhere Anleihen-Quote im Depot empfehlen. Aber in diesen Tagen haben Sie fast keine Chance, eine solide Anleihe zu finden, die nach Abzug der Inflation, der Transaktionskosten, der Steuern und der Depot-Kosten auch nur die Kaufkraft Ihres Geldes erhalten kann. Im Zinsbereich sehe ich in diesen Tagen einen echten Anlagenotstand. Ich vermeide das Wort alternativlos, aber es ist in dieser Marktphase brutal schwer, in Anleihen zu investieren und dividendenstarke Aktien zu meiden.

GeVestor-Redaktion: Die Aktien-Bullen siegen also…

Rolf Morrien: Nein, nicht nur Aktien-Fans setzen in dieser Niedrig-Zins-Phase auf Aktien. Selbst die Redakteure von Finanztest, die üblicherweise als Zins-Alternative auch ganz gerne Bank- und Versicherungsprodukte empfehlen, kommen an der Anlageklasse Aktie nicht mehr vorbei. In der aktuellen September-Ausgabe heißt es auf Seite 22 direkt in der Einleitung: „Gut für Einsteiger: Sparer verlieren Geld, weil sie es zu riskant anlegen – oder zu sicher.“ Und dann die Empfehlung: „Die einzige Chance, sich aus der Zinsfalle zu befreien, haben Anleger, indem sie mehr Risiken eingehen.“ Sehr nett finde ich dann die nächste Überschrift der Finanztest-Redaktion: „Aktien sind keine Monster“.

GeVestor-Reaktion: Die Zeiten, in denen Aktien in Deutschland verteufelt wurden, sind doch lange vorbei…

Rolf Morrien: Aktienbesitz muss in den Medien nicht mehr verteufelt werden, da es ohnehin kaum noch aktive Aktionäre gibt. Deutlich weniger als 10% der Deutschen besitzen Aktien. Und darunter befinden sich wahrscheinlich noch viele, die sich 2000 bis 2003 mit der Telekom-Aktie die Finger verbrannt haben und heute nur noch die Depot-Leichen von früher passiv mitschleppen.

GeVestor-Redaktion: Keine Chance für ein Aktien-Comeback in Deutschland?

Rolf Morrien: Doch, es wird ein Comeback geben. Da es aufgrund der hohen Staatsverschuldungen noch über mehrere Jahre Mini-Zinsen am Markt geben wird, muss sich jeder Sparer entscheiden, ob er sich langsam von der Inflation enteignen lässt, dafür aber ohne Kursschwankungen ruhig schlafen kann, oder ob der Sparer höhere Risiken akzeptiert und im Gegenzug die Chance auf eine durchschnittliche Jahresrendite von 8% erhält. Bei zusammen gut 8% liegen durchschnittlich die Kursgewinne und Dividendenerträge der Standardaktien.

GeVestor-Redaktion: Wird Deutschland dann sogar ein Volk der Aktionäre?

Rolf Morrien: Auf keinen Fall. Dafür prägt der Begriff „Angst“ zu sehr die deutsche Mentalität. Die Mehrheit der Deutschen wird stillschweigend die Enteignung durch die Inflation hinnehmen. Hinzu kommt, dass viele Deutsche in Finanzfragen nicht sehr fit sind. Diese Menschen haben also noch gar nicht erkannt, dass die Zins-Renditen unterhalb der Inflationsrate liegen. Die Probleme der Lebensversicherungen könnten hier eine Art Weckruf werden. Wie sollen die Versicherungen 4% Gewinn ausschütten, wenn es am Markt nur 2% Zinsen gibt? Das könnte in der Tat für ein Umdenken sorgen. Dennoch: Wenn die Aktionärsquote auch nur auf 20% steigen würde, wäre ich extrem positiv überrascht.

GeVestor-Redaktion: Aber sehen Sie Aktien nicht ein wenig zu positiv?

Rolf Morrien: Es geht nicht darum, dass Aktien alle Probleme lösen. Es geht nur darum, dass Aktien ein wichtiger Baustein im Bereich der privaten Altersvorsorge und bei der Vermögensbildung sind. Niemand sollte jeden Cent in Aktien investieren. Die kurzfristigen Schwankungen sind viel zu groß, wie man auch in diesen Tagen wieder sieht. Wer aber keinen Cent in Aktien investiert, macht aus meiner Sicht ebenfalls einen riesigen Fehler. Daher kämpfe ich für einen breiten Anlage-Mix mit der Beimischung von Aktien.

GeVestor-Redaktion: Herr Morrien, vielen Dank für die aktuelle Einschätzung und für das Gespräch.

Rolf Morrien ist Chefredakteur der GeVestor Börsendienste „Morriens POWER-Depot„, „Rolf Morriens Premium Depot“ und des Dienstes „Der Depot-Optimierer„. Für Einsteiger im Bereich Börse bietet er seit kurzem den Dienst „Morriens Einsteiger Depot“ an. 

6. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.